Theaterjahr - Erfahrungsberichte
Teilnehmer vergangener TheaterJahre berichten über ihre Erfahrungen:Robin Weigelt
Mit 7 Jahren wollte ich ja eigentlich mal Wildbiologe werden und die Tiere in der afrikanischen Savanne vor bösen Wilderern schützen. Mein damals bester Freund zufällig auch. 14 Jahre später finde ich mich Obst schneidend in einer 1x1,2m Küche auf einer der Burgtheater-Probebühnen im Arsenal wieder. Soeben dachte ich daran, ob es dramaturgisch gesehen spektakulärer wäre, den Obstteller mit kleinen Karotten (heute mal in Sticks geschnitten) aufzupeppen oder doch separiert auf einem extra Teller mit eventuell auch Paprika und frischen Cocktailtomaten zu servieren. Egal - heute nochmals die Version von gestern. Ohne Karotten - nur Obst. Sicher ist sicher. Schließlich sind’s ja noch 42 Tage bis zur Premiere und genug Zeit um neue Variationen auszuprobieren. (Nov2010, Proben für „Zwischenfälle“)
Als ich mich damals aus Solidarität mit einer Freundin fürs TheaterJahr (Bereich Regie) bewarb, wusste ich weder, dass ich 4 Monate später Peter Simonischek ersetzen sollte, noch wer Peter Simonischek überhaupt ist. Das sollte sich schleunigst ändern, nachdem ich bei „Bonnie und Clyde“ von Peter Raffalt assistierte und Andrea Breth kennenlernte. Bei ihrer Produktion „Zwischenfälle“ vertraute sie mir das Lichtpult an und so bekam ich das erste Mal so richtig Verantwortung in einer „großen“ Produktion. Als bei der Generalprobe dann noch plötzlich Peter Simonischek krank wurde, schickte man mich als Ersatz mit Textbuch auf die Bühne - und das vor Publikum. Danach bot mir Andrea Breth an, sie an die „Staatsoper Berlin“ zu begleiten, wo sie „Wozzeck“ gemeinsam mit Daniel Barenboim realisierte. Ich habe in dieser Zeit enorm viel kluges gehört und erlebt, mit welchem Detailwissen und -interesse die Besten der Besten an Stücke herangehen und proben. Zurück an der „Burg“ erstellte ich mit Barbara Musil und Jakob Ehrlich Videoprojektionen für „Alice im Wunderland“ in der Regie von Annette Raffalt. Was es heißt Produktionsleiter zu sein weiß ich seit dem darauf folgenden Schülertheatertreffen. Den größten Spaß aber hatte ich ohne Zweifel bei den SchauSpielBars, die wir uns in langen Nächten in der Kantine ausdachten und im letzten Moment immer noch besser und besser machen wollten. Dank den verschiedensten Unterrichts-Einheiten kann ich jetzt Freunde zusammenschlagen, ohne ihnen weh zu tun, mit dem Beckenboden in Donald-Duck-Stellung singen und ganz schnell „jajajaja..“ sagen (auch singen). Dass ich im TheaterJahr aber wenig von der Außenwelt mitbekommen habe, wird mir erst jetzt bewusst, wo ich erstmals wieder alte Bekannte treffe.
Fazit: Theaterjahr, ein absolutes „must“ für alle Menschen mit überschüssiger Energie, Ideen und der Faszination, diese auch umzusetzen. Meine Theaterjahrkollegen sind jetzt meine besten Freunde und würde ich nochmals vor der Entscheidung stehen, würde ich sagen: JA! BURG!JA!
TheaterJahr-Teilnehmer in der Spielzeit 20010/11, jetzt Produktionsleiter bei der Wiener Taschenoper und freiberuflich tätig
Tino Hillebrand
Eigentlich hatte ich mich für Schauspiel mit Option auf Regiehospitanzen beworben. Denn neben dem Spielen wollte ich unbedingt auch bei großen Produktionen dabei sein, um zu sehen, wie Regisseure inszenieren und Schauspieler sich ihren Rollen nähern – gerade am Burgtheater, wo wahrscheinlich die besten Theaterleute zusammentreffen.
Ich habe dann zwar bei keiner Inszenierung des TheaterJahres mitgespielt, aber bei Stefan Pucher, Thomas Vinterberg, René Pollesch und Stephan Kimmig hospitiert. Natürlich ist man als kaffeekochender Regiehospitant nicht am Inszenieren an sich beteiligt. Aber man lernt durch Zuschauen.
Bei „Antonius und Cleopatra“ saßen wir einen Monat nur am Tisch und haben erforscht, was vor, hinter und zwischen den Zeilen stand: Es wurde gelesen, gelesen und nochmals gelesen. „Wir müssen den Text so gut kennen, bis jeder die ganze Geschichte ohne Probleme nacherzählen kann“, meinte Pucher. Bei der Produktion „Das Begräbnis“ wiederum gab es nicht mal eine Leseprobe, gleich am ersten Tag gingen wir auf die Bühne. Und bei „Peking Opel“ gab es anfangs noch gar keinen Text, erst im ständigen Gespräch mit den Schauspielern entstand nach und nach ein Stück.
Parallel dazu bereitete ich mich für Aufnahmeprüfungen an Schauspielschulen vor, denn es wurde mir bei den Hospitanzen schnell klar: Ich muss auf die Bühne!! Vorsprechen –also. Es hat sich gelohnt: Ab Oktober werde ich am Max Reinhardt Seminar in Wien studieren.
Durch das Theaterjahr lernte ich die riesige Institution „Burgtheater“ kennen und wurde vom Theateralltag eingesogen – viel Arbeit, Flexibilität, wenig Freiräume und vor allem eine ständige Auseinandersetzung mit und über Theater: nach Proben in der Kantine bis spät in die Nacht, an freien Tagen in der Kantine, nach einer Vorstellung in der Kantine oder in der Kantine ohne naheliegenden Grund, aber mit wunderbaren Menschen, die vom Theater genauso besessen sind wie man selbst.
TheaterJahr-Teilnehmer in der Spielzeit 2009/10, seit 2010 Student am Max Reinhardt Seminar in Wien, Studienzweig Schauspiel
Helen Lanwehr
Ich habe mich für Regie beworben, weil ich das mal unbedingt machen will, aber ich wusste nicht ob mich Theater oder Film mehr interessiert.
Während meines TheaterJahres habe ich fast durchgehend hospitiert: Den Anfang machte „Der Zauberer von OZ“ in der Regie von Annette Raffalt, es folgten drei Produktionen von Matthias Hartmann („1979“, „Warten auf Godot“ und „Krieg und Frieden“). Den Abschluss bilden die Vorproben zu „Die Jüdin von Toledo“ (Inszenierung: Stephan Kimmig).
Als Regiehospitant muss man mit den Assistenten die Proben vor- und nachbereiten. Ich erhielt im Lauf des Jahres immer spannendere Aufgaben, war dadurch aber meistens von früh bis spät auf den Probebühnen. Da blieb oft zuwenig Zeit für die SchauSpielBar. Wenn ich dann doch mal Zeit hatte, konnte ich meine eigenen Ideen in kleinen Kurzfilmen oder Szenen mit dem TheaterJahr verwirklichen. Dabei habe ich gesehen, wo meine Stärken und Schwächen beim Inszenieren liegen.
Das TheaterJahr war für mich genau das Richtige! Und ich würde es jedem, der vor hat später am Theater zu arbeiten ans Herz legen.
Was mir in den Inszenierungen am Burgtheater etwas gefehlt hat war die Auseinandersetzungen mit politischen Themen oder internationalen Problematiken. Da ist für mich die Entscheidung gefallen, mich nächstes Jahr für Dokumentarfilm an den Filmhochschulen in Deutschland zu bewerben und bis dahin Geschichte und Philosophie studieren.
TheaterJahr-Teilnehmerin in der Spielzeit 2009/10
David Koch
Also, jetzt mal ganz persönlich, was ist das Praxisjahr? Es ist der freiwillige Selbstmord deines Privatlebens für einen Lohn, der diesen Namen gar nicht erst verdient hat. Aber dann ist es auch; ein Erlebnis sondergleichen, ein Abenteuer, ein Wettlauf mit der Zeit, eine Anstrengung, Stress, ein Heidenspaß, ein „Leute-kennenlernen-die-man-ganz-doll-mag“, ein Einstiegs- oder ein Entscheidungshelfer.
Vorallem ist es das, was man selbst daraus macht. Für mich ist es also eine Möglichkeit, mit Leuten aus dem professionellen Theater zu arbeiten, sei das als Regiehospitant oder -assistent, als Assistent im KBB (Künstlerischem Betriebsbüro, Anm. der Redaktion) oder als Schauspieler. Ich persönlich möchte das Praxisjahr jedem ans Herz legen, der sich auch nur irgendwie für Theater interessiert. Hinter den Kulissen eines Stückes, in den Büros und Werkstätten gab und gibt es für mich eine ganze Welt zu entdecken und zu entschlüsseln. Selten bin ich mit so weit geöffneten Augen durch meinen Arbeitsplatz gewandert, wie in diesem Jahr.
Orientierungsjahr-Teilnehmer in der Spielzeit 2008/09 am Schauspielhaus Zürich, seit 2009 Regieassistent am Schauspielhaus Zürich
Elena Nyffeler
Mein Praxis-Jahr am Schauspielhaus Zürich
Ich habe mich im Sommer 2007 für das Orientierungsjahr am Schauspielhaus Zürich beworben.
Ich wurde nicht angenommen, durfte aber trotzdem in einer Produktion mitspielen und bewarb mich das Jahr darauf nochmals, wo es dann auch geklappt hat.
Anders als die meisten, mache ich keine Hospitanzen. Ich arbeite auch nicht in einem anderen Bereich des Theaters, als dem Schauspiel. Ich spiele seit August durchgehend in verschiedenen Produktionen, da ich von Anfang an wusste, dass ich Schauspielerin werden will. Im O-Jahr kommen die Wochenenden, sowie manche Freunde manchmal zu kurz, man arbeitet viel, doch auch vielseitig, hat Stress, ist manchmal müde aber lernt und erlebt vor Allendingen extrem viel in kurzer Zeit. Man findet hier definitiv heraus, ob und wo man im Theater arbeiten möchte.
Ich wurde durch die intensiven praktischen Erfahrungen in meinem Berufswunsch bestärkt. Also habe ich mich für Aufnahmeprüfungen an Schauspielschulen vorbereitet.
Wir werden sehr unterstützt bei Bewerbungen an Schauspielschulen und bekommen frei für Vorsprechen, doch manchmal kriegt man ungünstige Termine an den Schauspielschulen, die nicht zu verschieben sind. Für die zweite Runde an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin sollte ich am 20. Februar 2009 erscheinen. Nun hatte ich am Abend vor der Aufnahmeprüfung eine Vorstellung >Rosen und Regen, Schwert und Wunde< nach dem Sommernachtstraum von Shakespeare die Peter Raffalt mit dem Praxisjahr einstudiert hat. Vielleicht hätte man die umbesetzen können. Aber am selben Abend der Aufnahmeprüfung hatte ich eine Vorstellung von der Produktion >Sex< von Justine del Corte in der Inszenierung von Matthias Hartmann. Die konnte ich wirklich nicht absagen. Weder Nachtzug noch Flieger hätten mich rechtzeitig nach Berlin gebracht.So fuhr mich meine Mutter zehn Stunden durch die Nacht von Zürich nach Berlin. Der Aufwand wurde belohnt: Ab dem Sommer 2009 studiere ich an der "Ernst Busch" Schauspiel.
Orientierungsjahr-Teilnehmerin in der Spielzeit 2008/09 am Schauspielhaus Zürich, seit 2009 Studentin an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin






