Theaterjahr - Erfahrungsberichte
Theaterjahr 2009/102 Teilnehmer berichten über ihre Erfahrungen:
Eigentlich hatte ich mich für Schauspiel mit Option auf Regiehospitanzen beworben. Denn neben dem Spielen wollte ich unbedingt auch bei großen Produktionen dabei sein, um zu sehen, wie Regisseure inszenieren und Schauspieler sich ihren Rollen nähern – gerade am Burgtheater, wo wahrscheinlich die besten Theaterleute zusammentreffen.
Ich habe dann zwar bei keiner Inszenierung des TheaterJahres mitgespielt, aber bei Stefan Pucher, Thomas Vinterberg, René Pollesch und Stephan Kimmig hospitiert. Natürlich ist man als kaffeekochender Regiehospitant nicht am Inszenieren an sich beteiligt. Aber man lernt durch Zuschauen.
Bei „Antonius und Cleopatra“ saßen wir einen Monat nur am Tisch und haben erforscht, was vor, hinter und zwischen den Zeilen stand: Es wurde gelesen, gelesen und nochmals gelesen. „Wir müssen den Text so gut kennen, bis jeder die ganze Geschichte ohne Probleme nacherzählen kann“, meinte Pucher. Bei der Produktion „Das Begräbnis“ wiederum gab es nicht mal eine Leseprobe, gleich am ersten Tag gingen wir auf die Bühne. Und bei „Peking Opel“ gab es anfangs noch gar keinen Text, erst im ständigen Gespräch mit den Schauspielern entstand nach und nach ein Stück.
Parallel dazu bereitete ich mich für Aufnahmeprüfungen an Schauspielschulen vor, denn es wurde mir bei den Hospitanzen schnell klar: Ich muss auf die Bühne!! Vorsprechen –also. Es hat sich gelohnt: Ab Oktober werde ich am Max Reinhardt Seminar in Wien studieren.
Durch das Theaterjahr lernte ich die riesige Institution „Burgtheater“ kennen und wurde vom Theateralltag eingesogen – viel Arbeit, Flexibilität, wenig Freiräume und vor allem eine ständige Auseinandersetzung mit und über Theater: nach Proben in der Kantine bis spät in die Nacht, an freien Tagen in der Kantine, nach einer Vorstellung in der Kantine oder in der Kantine ohne naheliegenden Grund, aber mit wunderbaren Menschen, die vom Theater genauso besessen sind wie man selbst.
Tino Hillebrand
Ich habe mich für Regie beworben, weil ich das mal unbedingt machen will, aber ich wusste nicht ob mich Theater oder Film mehr interessiert.
Während meines TheaterJahres habe ich fast durchgehend hospitiert: Den Anfang machte „Der Zauberer von OZ“ in der Regie von Annette Raffalt, es folgten drei Produktionen von Matthias Hartmann („1979“, „Warten auf Godot“ und „Krieg und Frieden“). Den Abschluss bilden die Vorproben zu „Die Jüdin von Toledo“ (Inszenierung: Stephan Kimmig).
Als Regiehospitant muss man mit den Assistenten die Proben vor- und nachbereiten. Ich erhielt im Lauf des Jahres immer spannendere Aufgaben, war dadurch aber meistens von früh bis spät auf den Probebühnen. Da blieb oft zuwenig Zeit für die SchauSpielBar. Wenn ich dann doch mal Zeit hatte, konnte ich meine eigenen Ideen in kleinen Kurzfilmen oder Szenen mit dem TheaterJahr verwirklichen. Dabei habe ich gesehen, wo meine Stärken und Schwächen beim Inszenieren liegen.
Das TheaterJahr war für mich genau das Richtige! Und ich würde es jedem, der vor hat später am Theater zu arbeiten ans Herz legen.
Was mir in den Inszenierungen am Burgtheater etwas gefehlt hat war die Auseinandersetzungen mit politischen Themen oder internationalen Problematiken. Da ist für mich die Entscheidung gefallen, mich nächstes Jahr für Dokumentarfilm an den Filmhochschulen in Deutschland zu bewerben und bis dahin Geschichte und Philosophie studieren.
Helen Lanwehr






