01 | Franz Grillparzer
Weh dem, dem lügt!
Premiere im Burgtheater:
30. Oktober 1999
Den skeptischen Humanisten hat Martin Kušej in Franz Grillparzer wieder entdeckt. In einer spektakulären Inszenierung am Burgtheater wird aus der Moral-komödie „Weh dem, der lügt!“ das Drama der Gewaltbereitschaft des zivilisierten Europa.
DER STANDARD
Weh dem, der lügt!
Lustpiel von FRANZ GRILLPARZER
Regie: Martin Kušej
Bühne: Martin Zehetgruber
Kostüme: Heide Kastler
Musik: Bert Wrede
Licht: Reinhard Traub
Dramaturgie: Marion Tiedtke
Mit: Katharina Schubert, Michele Cuciuffo, Heinz Frölich, Florentin Groll, Martin Schwab, Nicki von Tempelhoff, Bruno Thost, Stefan Wieland, Dieter Witting, Werner Wölbern
u. v. a.
In Kriegszeiten läßt sich der Küchenjunge Leon aus dem Dienst des fränkischen Bischofs Gregor entlassen und als Sklave in germanisches Feindesland verkaufen. Ziel seines tollkühnen Unternehmens ist die Befreiung von Atalus, der als Neffe des Bischofs vom Grafen Kattwald im Rheingau gefangen gehalten wird. Der Bischof gibt Leon das Losungswort Weh dem, der lügt! mit auf den Weg, an das sich der junge Mann strikt hält. Wortgewandt und schlagfertig wird ihm die wahre Rede zum perfekten Mittel der Täuschung, so dass er nicht nur Atalus findet, sondern auch alle Mittel zur Flucht organisiert. Doch der Plan gelingt nur, weil Edrita, die junge Tochter des Grafen, sich an ihr wahres Gefühl – ihre Liebe zu Leon – hält und den beiden Fremden zur Freiheit verhilft. Bevor Kattwalds Gefolgschaft, angeführt von Edritas ungeliebtem Verlobten Galomir, sie einholt, treffen die drei Flüchtlinge wie durch ein Wunder auf die rettenden Franken.
Grillparzers Lustspiel, 1838 am Burgtheater uraufgeführt, verweist als märchenhaftes Mysterienspiel auf die Grenze des Sagbaren, auf das Spiel von Lüge und Täuschung in einer „buntverworrnen“ Wirklichkeit. Aus dem moralischen Ansatz des Stückes entwickelt sich ein skeptischer Blick auf die Welt, in der allein das eigene Gefühl die unaussprechliche Wahrheit noch verbürgen kann.






