Burgtheater

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04 | Karl Schönherr
Glaube und Heimat


Premiere im Burgtheater:
20. Jänner 2001


Eine vitale, alle möglichen Assoziationen hellwach auf- greifende Inszenierung und aus allen Tiefen des Menschseins ge- schöpfte Kreaturen, denen das Burgensemble gespenstische Präsenz verleiht, [...] eine Faszi- nation, die von dieser Produktion in seltenem Maß ausgeht. In der blutigen gegenreformatorischen Vertreibung der Protestanten aus dem Österreich des 16./17. Jahr- hunderts lässt Kušej den Holocaust und auch die menschliche Häss- lichkeit der neueren österrei- chischen Ausländerpolitik anklingen.
DER STANDARD




Glaube und Heimat
Die Tragödie eines Volkes.
Von KARL SCHÖNHERR

Regie: Martin Kušej
Bühne: Martin Zehetgruber
Kostüme: Heide Kastler
Musik: Bert Wrede
Licht: Reinhard Traub
Dramaturgie: Marion Tiedtke

Mit: Maria Hengge, Agnes Riegl, Sylvie Rohrer, Hilke Ruthner, Bibiana Zeller, Bernd Birkhahn, Ignaz Kirchner, Hermann Scheidleder, Martin Schwab, Edmund Telgenkämper, Nicki von Tempelhoff, Johannes Terne, Dirk Warme, Michael Weber, Werner Wölbern, Paul Wolff-Plottegg u.v.a.

Zerrissen ist ein Volk, verfolgt werden die Andersdenkenden: ein Edikt des Kaisers befiehlt die Vertreibung der Protestanten aus Österreich und eine brutale Hetzjagd stellt sie vor die unerbittliche Wahl, sich dem Willen und Glauben der Obrigkeit zu unterwerfen oder die eigene Heimat zu verlassen. Nicht nur die Glaubensfrage, auch Angst und Misstrauen zerreißen nun die Familienbande: Die Familie des alten Rott ist gespalten. So brutal das Vorgehen des „Wilden Reiters“ ist, der im Auftrag der Regierung allen Lutheranern den Tod bringt, so verzweifelt klammert sich der alte Rott trotzdem an den eigenen Besitz. Doch selbst die Toten haben in diesem Land keine Heimat mehr: Die alte Sandpergerin wird als Protestantin auf dem Schindanger verscharrt. Als Rott dies erfährt, ist er endlich bereit, Hab und Gut aufzugeben und woanders ein neues Leben zu beginnen. Sein Sohn Christian zieht mit, muss aber aufgrund der politischen Weisung den eigenen kleinen Sohn zurücklassen.

1910 in Wien uraufgeführt und eines der erfolgreichsten Bühnenstücke seiner Zeit, erzählt „Glaube und Heimat“ heute, am Beginn eines neuen Jahrtausends, exemplarisch von unserem Umgang mit dem Fremden: ein apokalyptischer Bilderbogen von brutaler Ausgrenzung und Vertreibung.

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