06 | Thomas Bernhard
Elisabeth II.
Österreichische Erstaufführung im Burgtheater: 30. Mai 2002
Die österreichische Erstaufführung am Burgtheater wird zur wahren Uraufführung. Dieses Stück gehört (nach) Wien wie wenig andere Thomas Bernhards. Die Gesell- schaft der Stadt hat sich seine herzlichste Abneigung redlich verdient. Im komödiantischen Höllensturz errichtete Bernhard ihr ein Denkmal von zeitlosem Bestand, denn auch alle Unlust will Ewigkeit. (…) Im Burgtheater steht Regisseur Thomas Langhoff ein fabelhaftes Ensemble für Bernhards Demütigungsrituale zur Verfügung.
DIE WELT
Elisabeth II.
Keine Komödie. Von THOMAS BERNHARD
Regie: Thomas Langhoff
Ausstattung: Roland Gassmann
Licht: Friedrich Rom
Dramaturgie: Ursula Voss
Mit: Annemarie Düringer, Ulli Fessl, Maresa Hörbiger, Libgart Schwarz, Bibiana Zeller, Wolfgang Gasser, Ignaz Kirchner, Rudolf Melichar, Gert Voss, Paul Wolff-Plottegg, Heinz Zuber u. v. a.
Elisabeth II. in Wien: Um sie zu begrüßen und ihr zuzujubeln, während sie den Ring entlangfährt, kommen Repräsentanten der Wiener guten Gesellschaft in die Wohnung des Großindustriellen Rudolf Herrenstein
im hochherrschaftlichen Jahrhundertwende-Palais am Opernring, die Gräfinnen Ergens und Gudenus, die Weisweilers und Winterhalters, der Graf Neutz und die Bartensteins und der Guggenheim. Es wird ein schreckensvoller Tag für den kranken, halbblinden Großindustriellen Rudolf Herrenstein mit Holzbeinen. Er darf die Gäste nicht abweisen, das gebietet die Höflichkeit, zudem kommt sein Firmendirektor Holzinger in Geschäften um 11 Uhr, um 12 Uhr kommt die englische Königin und um 15 Uhr muß er zur Beerdigung.
Er, der jahrelang nur seine Haushälterin Fräulein Zallinger und den Kammerdiener Richard um sich geduldet hat, wird geradezu überfallen von über vierzig Gästen. Und er hat noch weitere Probleme zu lösen. Richard, ohne den er ganz und gar hilflos ist, will ihn verlassen, so glaubt er zu wissen. Wie könnte er Richard für immer an sich binden? Herrenstein muß sich heute auch entscheiden, ob er in "dieses Nazinest
Altaussee“ fährt zur Sommerfrische oder auf den Semmering, in die "philosophische Gegend", wo der Sozialismus "alles hat verkommen lassen", oder ob er doch in die Karpaten entflieht.
Da kommt die Königin. Alle stürzen auf den Balkon im dritten Stock, außer Richard und Herrenstein. Ist es Zufall, daß der Balkon abstürzt – mit allen Gästen?






