Burgtheater

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07 | Gotthold Ephraim Lessing
Emilia Galotti


Premiere im Akademietheater:
20. Dezember 2002


Andrea Breth inszeniert Lessings „Emilia Galotti“ hinreißend leicht, mit einer herrlich verruchten Selbstverständlichkeit: Jedes Wort von 1772 fällt scharf wie eine Rasierklinge in Öl auf eine Szene von heute. Das Stück wird nicht aktualisiert oder dekonstruiert. Umgekehrt: Es konstruiert einen Gegenwärtigkeit, die durch dieses Stück erst entdeckt, auf die Spitze getrieben, komisch groß und tragisch grotesk ausgespielt wird. Das hat es auf dem Theater lange nicht gegeben. Wer überhaupt wissen will, was Theater noch kann, der kann es hier wissen.
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG


Emilia Galotti
Trauerspiel in fünf Aufzügen von GOTTHOLD EPHRAIM LESSING

Regie: Andrea Breth
Bühne: Annette Murschetz
Kostüme: Dagmar Niefind
Musik: Elena Chernin
Licht: Alexander Koppelmann
Dramaturgie: Wolfgang Wiens

Mit: Andrea Clausen, Elisabeth Orth, Johanna Wokalek, Sven-Eric Bechtolf, Wolfgang Gasser, Roland Kenda, Roland Koch, Michael König, Michael Masula, Wolfgang Michael, Nicholas Ofczarek, Denis Petković

In seiner Römischen Geschichte erzählt Livius von dem Decemvirn Appius Claudius, der für Virginia, die Tochter eines Centurionen, entbrannt war. Da sie sich gegen seine Nachstellungen wehrte und zudem verlobt war, zweifelte Appius in einem öffentlichen Gerichtsverfahren ihre Herkunft an und degradierte sie zu einer käuflichen Sklavin. Ihr Vater tötet sie mit den Worten: „Dies einzige Mittel bleibt mir, deine Freiheit zu retten!“

An diese Geschichte erinnert Lessings Emilia ihren Vater, den Oberst Galotti, als ihr Landesherr, der Prinz von Guastalla, sie von ihren Eltern trennen und in seine Obhut nehmen will. Ein Gerichtsverfahren steht an: der gewaltsame Tod ihres Bräutigams soll untersucht werden. Emilia weiß, dass in der „besonderen Verwahrung“, die ihr der Prinz angedeihen lassen will, ihre Unschuld bedroht ist. Aber mehr als physische Gewalt fürchtet sie die eigene Verführbarkeit: „Ich habe Blut, mein Vater, so jugendliches, so warmes Blut als eine.“

Denn Lessings Prinz ist zwar ein absolutistischer Fürst, aber zugleich ein verzweifelt Liebender. Er hatte nur Mätressen gekannt, nun hat ihn Emilias Anblick ins Herz getroffen. Nur deswegen hat er dem Komplott seines Kammerherren, der Entführung Emilias, zugestimmt – und es zugleich vereitelt. Denn er hatte Emilia zuvor seine Liebe gestanden und sie damit in tiefe Verwirrung gestürzt. Er hatte ihre Sinne erregt, doch ihre Tugend, ihre Frömmigkeit gebieten ihr, sich nicht nur vor ihm, sondern vor sich selbst zu retten.

Ihr Vater ersticht sie. Der Römer Virginius löste durch seine Tat einen Volksaufstand aus. Lessing hat den Stoff „von all dem abgesondert, was ihn für den ganzen Staat interessant machte“. Ihm war die Liebestragödie „für sich schon tragisch genug, um die ganze Seele zu erschüttern“.

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