Burgtheater

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08 | Elfriede Jelinek
Das Werk


Uraufführung im Akademietheater:
11. April 2003


Regisseur Nicolas Stemann hat aus dem Textmonstrum über den Staudammbau bei Kaprun, aus der Suada über Natur, Technik, Größenwahn und Ausbeutung ein sarkastisches Stück über das frisch-fröhliche Weiterleben gemacht – eine tragikomische Jelinek-Show, auch Sprach-Revue. Stemann erzeugt Energie mit der Naturgewalt Jelinek.
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG



Das Werk
von ELFRIEDE JELINEK

Regie: Nicolas Stemann
Bühne: Katrin Nottrodt
Kostüme: Esther Bialas
Musik: Thomas Kürstner, Sebastian Vogel
Licht: Werner Chalubinski
Dramaturgie: Joachim Lux

Mit: Alexandra Henkel, Elisa Seydel, Libgart Schwarz, Juliane Werner, Philipp Hauß, Philipp Hochmair, Dietmar König, Rudolf Melichar, Atzgersdorfer Männer-gesangverein 1880.

„Schon in den zwanziger Jahren wurde mit dem Bau des Wasserkraftwerks Kaprun begonnen, in der Nazizeit wurde (Spatenstich: Hermann Göring) intensiv weitergebaut, zuerst mit Freiwilligen, dann mit Zwangsarbeitern und schließlich auch mit Kriegsgefangenen. Unter extremen Bedingungen, wie sie im Gebirge herrschen, mit unzureichender Ernährung und Ausrüstung. Die offizielle Todeszahl bei diesem Kraftwerksbau ist 160. Das sind aber nur die Toten der Nachkriegszeit, und da waren die Arbeiter, darunter damals auch viele ehemalige Nazis, die nirgendwo sonst Arbeit gefunden hätten, schon besser ausgerüstet. Die Zahl der Toten liegt insgesamt sehr viel höher. Ich habe in diesem Stück versucht, etwas über den Arbeiter zu schreiben. Der Sportler wie der Arbeiter sieht in den Bergen einerseits Herausforderung, andrerseits Arbeitsgerät. Die einen betätigen sich zum Spaß an den Bergen (und können schrecklich scheitern), die anderen vollbringen ein monströs-gigantisches Aufbauwerk. Ein Gutteil der österreichischen Identität nach dem Krieg, als das Land rasch wieder für frei und unschuldig erklärt wurde, beruhte auf dieser technischen Großleistung. Kaprun wurde mit Geldern des Marshall-Plans im Jahr des Staatsvertrags 1955 fertiggestellt und zog einen langen Rattenschwanz an nationalen Mythen hinter sich her, die aber buchstäblich auf den Gebeinen und der Ausbeutung von Getöteten beruhten, und die Getöteten wurden der Natur geopfert, sehr viele starben ja durch Lawinen. Sie starben direkt wie indirekt durch die Natur, während die Gletscherbahntouristen durch die Technik in der Natur starben.“
Elfriede Jelinek

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