09 | Friedrich Schiller
Don Carlos, Infant von Spanien
Premiere im Burgtheater:
30. April 2004
So glamourös kann Macht sein: Philipp, stolzer König von Spanien, herrscht zwar über ein Reich, in dem die Sonne niemals untergeht, aber er regiert und lebt in einem Bürogebäude, das trostloser und heruntergekommener nicht sein könnte: ein kaltes Glaslabyrinth, so bizarr wie in einem Kafka-Roman, so unheimlich wie in Kubricks "Shining". [...] "Don Carlos", inszeniert als Mischung aus Politthriller und Familiensoap, enthält viel von dem, was Breth am besten kann: Menschen zeigen, die aufs Grausamste aneinander vorbeilieben.
PROFIL
Don Carlos, Infant von Spanien
Ein dramatisches Gedicht von FRIEDRICH SCHILLER
Regie: Andrea Breth
Bühne: Martin Zehetgruber
Kostüme: Françoise Clavel
Musik: Bert Wrede
Sounddesign: Alexander Nefzger
Licht: Alexander Koppelmann
Dramaturgie: Wolfgang Wiens
Mit: Helena Bauer-Mitterlehner, Andrea Clausen, Blanka Modra, Elisabeth Orth, Christiane von Poelnitz, Kitty Speiser, Johanna Wokalek, Sven-Eric Bechtolf, Patrick O. Beck, Bernd Birkhahn, Franz J. Csencsits, Wolfgang Gasser, Philipp Hauß, Daniel Jesch, Nick Monu, Cornelius Obonya, Nicholas Ofczarek, Denis Petkovič u.v.a.
Es beginnt mit einer Bespitzelung. Der Beichtvater des Königs horcht den Prinzen aus. Der hält sich von der höfischen Gesellschaft fern, und das macht ihn verdächtig. Keiner traut keinem. Abhängig von der Macht fürchten die Chargen um ihre Position, um ihren Einfluß. Die Intrige wird zum Herrschaftsinstrument. Nur einer scheint sich dem System zu entziehen. Seine Offenheit besticht den König, er macht ihn zu seinem Vertrauten. Doch auch er berauscht sich an der Macht, glaubt durch sie seine Ideale verwirklichen zu können – und greift zur Intrige. Er weiht seinen Freund, den Prinzen, in seine Pläne nicht ein und bringt ihn in tödliche Gefahr.
1787 vollendete Schiller sein Stück, das 1568 spielt. „Zwei höchst verschiedene Jahrhunderte“ prallen aufeinander, wie Schiller selbst konstatierte: das Zeitalter des Absolutismus und der spanischen Inquisition „stößt an“ den Vorabend der französischen Revolution, im Stück verkörpert durch die Ideen des Marquis Posa.
Wiederum zwei Jahrhunderte später sind diese Forderungen nach den Menschenrechten nur in einem kleinen Teil der Welt, und da auch nur recht unzulänglich, realisiert. Macht und Gewalt haben ihr Gesicht nicht verändert, dem Idealismus der Aufklärung wird mit Skepsis und Hohn begegnet.






