14 | William Shakespeare
Viel Lärm um nichts
Premiere im Burgtheater:
8. Dezember 2006
Bei Shakespeare spielt das Stück um zwei Liebespaare – das eine durch Intrige fast getrennt, das andere durch Tricks zusammenge- führt – in Messina, wo man sich in romantisch schönen Gärten ver- gnügt. Nichts davon in der komprimierten Zwei-Stunden-Fassung des Burgtheaters. Jan Bosse enthebt das Stück jeglichen gesellschaftlichen und sozialen Umfelds und siedelt es dort an, wo das Spiel der Täuschung und der Maskerade naturgemäß am besten aufgehoben ist: im Theater. […] ein Heidenspaß.
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
Viel Lärm um nichts
von WILLIAM SHAKESPEARE
Regie: Jan Bosse
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Kathrin Plath
Licht: Friedrich Rom
Dramaturgie: Joachim Lux
Mit: Dorothee Hartinger, Christiane von Poelnitz, Michael Masula, Joachim Meyerhoff , Christian Nickel, Nicholas Ofczarek, Jörg Ratjen, Martin Reinke
In Shakespeares aberwitziger Komödie prallen verschiedene Wirklichkeitsebenen aufeinander. Die Männer kehren aus einem Krieg zurück ins »heimische Paradies«, in dem die Frauen bis dato ganz gut ohne einen Mann an ihrer Seite zurechtkamen. Sie fühlen sich fremd in dieser Welt, in der plötzlich nicht mehr mit Schwertern um den Sieg, sondern mit Worten um Gefühle gekämpft wird.
Zwei Paare, die verschiedener nicht sein könnten, werden einander gegenüber gestellt: Auf der einen Seite Claudio und Hero, die lieber heute als morgen heiraten wollen, obwohl sie sich kaum kennen und durch die Intrigen des bösartigen Don John daran gehindert werden. Auf der anderen Seite Beatrice und Benedict, die geschworen haben, sich niemals und unter keinen Umständen mit dem anderen Geschlecht einzulassen, aber schließlich doch heiraten.
Für Regisseur Jan Bosse spielt die Geschichte um die ersten überzeugten Singles der Theatergeschichte in der Welt einer Pseudo-Idylle. Eine künstliche Welt der Oberfläche und der Illusion, nur zur Triebabfuhr geschaffen für eine Gesellschaft, die am liebsten von sich selbst Urlaub machen würde. Liebe zuzulassen fällt hier schwerer, als man denkt oder einen das Theater glauben machen will. Doch darf sich der Zuschauer daran erfreuen, wie Shakespeare wahre Verbal-Eroten skizziert, deren Fetisch der Witz und die eigene Schlagfertigkeit sind. Vor Selbstverliebtheit blasen sie ihr Ego so weit auf, dass das wahre Objekt der Leidenschaft fast aus ihrem Blickfeld gerät. Am Ende der Komödie siegt die Welt des verwirrenden Scheins, in der sich Witz, harmlose Torheit und Liebe nur als Strategien entpuppen, ohne die das Überleben in dieser Gesellschaft der verschlagenen Täuschung schlicht unmöglich wäre.






