Burgtheater

Die Kraft der Republik ist die Tugend.

19 | Thomas Bernhard
Heldenplatz


Aufzeichnung aus dem Akademietheater 1988

Daß Peymann Bernhard inszenieren kann, weiß man. Er arbeitet den Witz heraus, die Poesie, er macht die Übertreibungen durchsichtig und führt umsichtig ein vorzügliches Ensemble. Allen voran Wolfgang Gasser als grandioser Oberschimpfer, intelligent, listig, bös und tief verletzt.
DER STANDARD




Heldenplatz
THOMAS BERNHARD

Inszenierung: Claus Peymann
Bühnenbild, Kostüme: Karl-Ernst Herrmann
Dramaturgie: Hermann Beil, Jutta Ferbers

Mit: Therese Affolter, Kirsten Dene, Marianne Hoppe, Elisabeth Rath, Anneliese Römer, Bibiana Zeller, Detlev Eckstein, Wolfgang Gasser, Karlheinz Hackl, Frank Hoffmann

Wien, März 1988. Vor wenigen Tagen – am 50. Jahrestag von Hitlers Einmarsch in Wien – hat sich Professor Josef Schuster, ein aus England nach Wien heimgekehrter Emigrant, aus dem Fenster seiner Wohnung auf den Heldenplatz gestürzt. Die Haushälterin Frau Zittel räsoniert über die Gründe der Verzweiflungstat, verursacht durch antisemitische Anfeindungen, denen sich Professor Schuster seit seiner Rückkehr aus dem Exil gegenübersah. Der Selbstmord scheint umso weniger begreiflich, als der Professor entschlossen war, endgültig nach Oxford auszuwandern, um seinen ehemaligen Lehrstuhl wieder einzunehmen. In England erhoffte er sich auch Besserung für den psychischen Zustand seiner Frau, die in der Wohnung am Heldenplatz noch immer von den „Sieg-Heil“- Rufen der jubelnden Menge 1938 verfolgt wurde.

Nach dem Begräbnis unterhalten sich Anna und Olga, die Töchter des Verstorbenen und Robert Schuster, dessen Bruder und ebenfalls Wissenschaftler, im Volksgarten über die nun notwendig gewordenen Veränderungen und Entscheidungen. Doch die praktischen Überlegungen münden bald in einer schonungslosen Diagnose der österreichischen Zustände. Robert Schuster setzt zu einer verzweifelt-scharfsichtigen Suada an, die er im 3. Bild – die Witwe und der engste Familien- und Freundeskreis haben sich nach dem Begräbnis in der Wohnung am Heldenplatz versammelt – fortsetzt: Eine Bestandsaufnahme, die weder Österreichs Politiker, noch den Klerus, aber auch die Bevölkerung nicht verschont, während die Witwe des Professors noch immer von den Gespenstern der Vergangenheit
heimgesucht wird.

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