31 | Johann Nestroy
Das Mädl aus der Vorstadt
Premiere im Theater an der Wien: 7. Juni 1962
(Vorstellung des Burgtheaters im Rahmen der Wiener Festwochen)
Eine reifere Dame, ein junger Herr, amouröse und kriminalistische Verwicklungen um ein Mädl aus der Vorstadt: Ein übermütiges Komödienvergnügen mit Christiane Hörbiger, Susi Nicoletti, Richard Eybner, Josef Meinrad und vielen anderen.
Das Mädl aus der Vorstadt
JOHANN NESTROY
Musik von Adolf Müller
Regie: Leopold Lindtberg
Bühnenbilder und Kostüme: Fritz Butz
Musikalische Einrichtung und Leitung: Alexander Steinbrecher
Mit: Trude Ackermann, Lona Dubois, Helma Gautier, Ingeborg Gruber, Elisabeth Höbarth, Christiane Hörbiger, Susi Nicoletti; Ernst Anders, Richard Eybner, Ernst Gegenbauer, Josef Meinrad, Hans Thimig, Josef Wichart
Frau Erbsenstein, eine reifere Dame, frisch verlobt mit dem jungen Herrn von Gigl, ist das, was man eine gute Partie nennt; Herr von Gigl wiederum will plötzlich aus Liebe heiraten, ein Mädl aus der Vorstadt hat es ihm angetan. In der Vorstadt sucht auch Herr von Kauz amouröse Abenteuer, Frau Erbsensteins Onkel, ein fröhlicher Lebemann mit einer nicht ganz weißen Weste. Umso rechtschaffener ist der Winkeladvokat Schnoferl, der alle Fäden in der Hand hält und mit List und Witz an einem guten Ende der Geschichte arbeitet.
Über Nestroys Gestalten schwebt das Lächeln der Götter, zumindest jener, die mit Wien etwas zu tun haben. Denn Nestroys Menschen sind artikulierte Natur, seine Schwänke lustigste, weiseste Menschen-Fabeln. Man muß diese närrischen, vom Dichter belebten Lebewesen aus dem Wiener Busch, auch die Argen und Schlimmen, die Faulen und Gefräßigen, die Tölpel und die Übertölpelten, lieben. Nestroy war kein Moralist. Wenn bei ihm die Tugend das Laster besiegte und Hochmut vor dem Fall kommt, so ist das ein sittliches Ordnungmachen weniger um der Sittlichkeit als der Ordnung willen. Nur keine Schlamperei. Nestroys Dichtung ist das schönste Monument, das je dem Mutterwitz eines Volkes errichtet wurde. Er selbst, dieses Witzes souveräner, schonungsloser Gebraucher, sah durch ihn die Menschen, die er sah, in allen Farben und Ultra-farben. Und baute aus solcher Buntheit den heitern Regenbogen seines Possenwerkes: als Zeichen der Versöhnung zwischen Schöpfer und Kreatur. (Alfred Polgar)






