35 | William Shakespeare
Viel Lärmen um Nichts
Premiere im Burgtheater:
15. März 1975
Otto Schenks humor- und liebevolle Inszenierung um die beiden vermeintlichen Liebesverweigerer: Christine Ostermayer und Boy Gobert, höchst komödiantisch und zutiefst berührend.
Viel Lärmen um Nichts
WILLIAM SHAKESPEARE
Deutsch von Wolf Heinrich Graf Baudissin
Bühnenbearbeitung von Otto Schenk und Peter Weiser
Regie: Otto Schenk
Bühnenbild: Günther Schneider-Siemssen
Kostüme: Maxi Tschunko
Musik: Kurt Werner
Mit: Trude Ackermann, Christine Ostermayer, Eva Rieck, Hilke Ruthner, Ernst Anders, Ewald Balser, Boy Gobert, Hugo Gottschlich, Helmuth Janatsch, Tom Krinzinger, Götz von Langheim, Fred Liewehr, Rudolf Melichar, Ernst Princz, Hannes Siegl, Thomas Stroux, Bruno Thost, Philipp Zeska, Heinz Zuber
„Viel Lärmen um Nichts“ gibt aufschlussreichen Einblick in die Bandbreite und die Natur der elisabethanischen Komödie; die Dialoge bestehen aus hin und her fliegenden schlagfertigen Antworten, komplizierten Wortspielen, extravaganten Geistesblitzen und einem endlosen Strom sexueller Anzüglichkeiten. Der Titel des Stücks sagt schon etwas über den Inhalt aus; die Hauptfiguren werden durch eine Reihe unwahrer Berichte anderer wie auch durch falsche Eindrücke, die sie selbst gewinnen – durch „nichts“ also –, zu ihren Handlungen veranlasst. Er hat aber auch eine obszöne Nebenbedeutung, denn „nothing“ war ein slangwort für die weiblichen Genitalien.
Es ist ein Stück voller Unwahrscheinlichkeiten und Zufälle, derer sich Shakespeare liebevoll angenommen hat: Er scheint sich um der Bühnenwirksamkeit willen allem gestellt, jede Herausforderung angenommen zu haben. Die Komödie ähnelt einem jener beschwingten Tänze, die im Text häufig erwähnt werden, dem cinque pace oder dem schottischen Jig, bei denen es vor allem auf Leichtfüßigkeit und Zierlichkeit der Schritte ankommt. (Peter Ackroyd)
Das große, spröde, neckische Liebespaar gewinnt behutsames, leidenschaftliches und doch auch zweifelndes Leben durch Christine Ostermayer und Boy Gobert. Sie hat den wilden Charme der gefühlvollen Spröden, er besitzt die umfassende Intelligenz eines skeptischen Galans. ... Da heben zwei großartige Schauspieler sehr Gewichtiges empor, und zwar mit tänzelnder Leichtigkeit und wie nebenbei. Darin liegt der Zauber. Die Ostermayer und Gobert schlagen freilich viel Lärm um Nichts. In diesem Nichts aber liegt die ganze Welt. (György Sebestyén)






