Burgtheater

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38 | Hugo von Hofmannsthal
Der Unbestechliche

Premiere im Akademietheater:
17. April 1983


Josef Meinrad in einer seiner Lieblings- und Paraderollen: der böhmakelnde Diener Theodor, unverzichtbares Faktotum und heimlicher Regent über die „hohen Herrschaften“. Eine feinsinnige Komödie, mit der Josef Meinrad an der Seite von Paula Wessely, Karlheinz Hackl und Fred Liewehr seinen letzten Triumph feierte.




Der Unbestechliche
HUGO VON HOFMANNSTHAL

Inszenierung: Rudolf Steinboeck
Bühnenbild: Matthias Kralj
Kostüme: Erni Kniepert
Dramaturgie: Konrad Schrögendorfer

Mit: Hella Ferstl, Eva Fichte, Helma Gautier, Gertrud Helmer, Lotte Ledl, Sylvia Lukan, Julia Schober, Verena Wengler, Paula Wessely, Karlheinz Hackl, Tom Krinzinger, Fred Liewehr, Josef Meinrad, Karl Mittner

Gleich zwei ehemalige Geliebte hat sich der junge Baron Jaromir –inzwischen verheiratet und Vater zweier Kinder – auf seinen Landsitz eingeladen. Die alten Verhältnisse sollen neu belebt werden. Wenn da nur sein Diener Theodor nicht wäre. Früher hat er seinem Herrn bei dessen amourösen Abenteuern beigestanden, aber dass die nun in der Ehe fortgesetzt werden sollen, empört den Diener zutiefst. Er kündigt seinem Herrn und verweigert sogar dessen Mutter, der Baronin, zu der er zurückgekehrt ist, den Dienst. Er will erst wieder tätig werden, wenn sie ihm freie Hand läßt, „die Aufsicht über das Ganze“ erteilt. Sie gewährt sie ihm, droht doch ohne sein Regiment dem Haus schon jetzt das Chaos und es werden ja noch Gäste erwartet.
In Beaumarchais/Mozarts „Figaro“ spielt ein Diener seinem Herrn zum Tanz auf – am Vorabend einer Revolution. Auch Theodor vereitelt durch Schliche und Intrigen die Pläne seines Herrn. Aber ihm geht es
nicht um einen Umsturz, er will „die Ordnung“ wiederherstellen, die alte Ordnung. Ein Moment ewiger Ordnung signalisiert bereits sein Vorname: Theodor = Gottesgeschenk. Aber der Titel des Stückes verweist auf eine andere Seite seines Charakters: „Der Unbestechliche“ war der Beiname Robespierres. Theodor teilt dessen moralischen Rigorismus und ist auch nicht gerade zimperlich bei dessen Durchsetzung. So relativiert Hofmannsthal von vornherein die edlen Absichten seines Helden und macht ihn zu einem konservativen Revolutionär, hebt aber alles Programmatische zugleich auf, indem er es in eine Komödie kleidet.

Der Unbestechliche wurde für Meinrad nicht nur eine Paraderolle, sondern auch eine seiner Lieblingsrollen, die er in verschiedener Besetzung jahrzehntelang spielte, weil er sich voll mit ihr identifizierte. Er spielte nicht den Theodor, sondern er war der Theodor. Als Josef Meinrad am Ende seiner Burgtheaterlaufbahn von Direktor Achim Benning gefragt wurde, welches Stück er sich zum Abschied wünsche, antwortete Meinrad ohne zu zögern: mit dem Theodor im „Unbestechlichen“ wolle er vom Burgtheater und seinem Publikum Abschied nehmen. Mit dieser Rolle feierte er an der Seite von Paula Wessely und Karlheinz Hackl seinen letzten Triumph.

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