Burgtheater

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39 | William Shakespeare
Der Kaufmann von Venedig

Premiere im Burgtheater:
10. Dezember 1988


Shakespeare in der Wall Street: Peter Zadeks umjubelte Inszenierung verlegt die Geschichte vom bankrotten Geschäftsmann und dem tödlichen Pfand für den rettenden Kredit klug und stimmig ins Heute. Gert Voss macht mit feinnerviger Eleganz aus der Symbolgestalt des Erniedrigten den Mann von nebenan.




Der Kaufmann von Venedig
WILLIAM SHAKESPEARE

Deutsch von Elisabeth Plessen

Inszenierung: Peter Zadek
Bühnenbild: Wilfried Minks
Kostüme und Malerei: Johannes Grützke
Musik: Luciano Berio
Lichtdesign: André Diot
Bewegungsregie und Körpertraining: Charles Lang
Dramaturgie: Corinna Brocher, Jutta Ferbers

Mit: Wiebke Frost, Eva Mattes, Julia Stemberger, Uwe Bohm, Christian Fries, Urs Hefti, Franz Holesovsky, Pavel Janicek, Ignaz Kirchner, Hans Dieter Knebel, Pavel Landovský, Paulus Manker, Martin Schwab, Gert Voss, Thomas Wolff, Heinz Zuber

Das Wunder des Abends ist Gert Voss’ Shylock. Mit feinnerviger Eleganz spielt er den erfolgreich-kühlen Geschäftsmann, hebt den Erniedrigten in die lichten Höhen des Geistes, wandelt den Gedemütigten mit lässig sachlicher Ironie zum Rachedurstigen, gibt ihm eine fast alltägliche, umso grausamer wirkende Verständlichkeit. Und bewahrt im Absturz des moralisch Betrogenen eine einsichtige Würde.
Gert Voss macht aus der Symbolgestalt des Erniedrigten den Mann von nebenan. Der Mythos vom gepeinigten Juden bekommt beklemmende Realität, eine Heutigkeit, die beunruhigt. (Der Standard)

Ich hab' dieses Stück so oft gemacht, weil es die Situation eines Juden in einer nichtjüdischen Gesellschaft zeigt und daher auch viel mit mir zu tun hat. Ich hatte Lust, die Geschichte von einem assimilierten Juden zu erzählen. Bei Shakespeare gibt es kein Ghetto. Shylock hat nichts Jiddisches. Er spricht dasselbe feine, unbesudelte Englisch wie Antonio. Den Ghettogedanken hat man historisch zu dem Stück hinzuerfunden. Aber in Shakespeares Text steht davon nichts. Shylock lebt nicht im Ghetto. „Der Kaufmann von Venedig“ ist ja nicht nur ein Stück über einen Juden, sondern auch ein Stück über Geld, über eine Geldgesellschaft.
Man kann dieses Stück von den heutigen Erfahrungen her angehen. Shakespeare hält das aus. (Peter Zadek)

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