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Kalewala

Markus Hering liest aus dem finnischen Nationalepos in der fantastischen Neuübersetzung von Gisbert Jänicke.
Über zwanzig Jahre zeichnete Elias Lönnrot Sagen und alte Lieder auf, die er dem Gedächtnis des Volkes entlocken konnte. 1849 veröffentlichte er das Epos Kalewala.



»Herings Vortrag passt sich ideal den unterschiedlichen Sprachniveaus an, er ist unpathetisch, aber keineswegs trocken. Und transportiert ideal nicht nur den Sinn der Worte, sondern auch den ganz eigentümlichen Klang der Sprache, die hier nahezu zu Musik wird. Unbedingt empfehlenswert!« (Wiener Zeitung)


Elias Lönnrot und die Entstehung des Kalewala

Elias Lönnrot (1802-1884) wurde als Sohn eines Schneiders in der südfinnischen Gemeinde Sammatti geboren. Trotz des schwedischen Namens war die Familie finnischsprachig, und während seines wechselhaften Schulbesuchs hatte Lönnrot anfänglich Schwierigkeiten mit der schwedischen Sprache, die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts immerhin noch die einzige offizielle Sprache des Landes war.
Finnland war bis 1809 der östliche Reichsteil Schwedens gewesen, um dann infolge der napoleonischen Neuordnung Europas als ein nominell autonomes Großfürstentum dem Russischen Reich einverleibt zu werden. Die Sprache der Verwaltung und der Bildung in Finnland blieb auch unter russischer Herrschaft noch lange das Schwedische, das Finnische galt als Bauernsprache. Erst 1864 erhielt das Finnische, die Sprache der überwältigenden Mehrheit des Landes, gleichberechtigten Status. Im Herbst 1822 legte Lönnrot in Turku das Abitur ab und immatrikulierte sich im selben Jahr dort an der Universität, der einzigen des Landes. In Turku geriet er in den Wirkungskreis der sogenannten Aboromantiker, auf deren Programm unter anderem die Beschäftigung mit der alten "Nationaldichtung" der Finnen stand. Inspiriert von seinem Lehrer Reinhold von Becker, der 1819 in Nord- und Ostfinnland eine Reihe von Runen - das finnische Wort runo bedeutete ursprünglich Geheimnis, Zauber, Weisheit, Lied - aufgezeichnet und publiziert hatte, legte Lönnrot 1827 seine erste Arbeit Über Wäinämöinen, ein Gott der alten Finnen vor. Als 1827 fast die gesamte Stadt Turku durch einen Brand verheert wurde, mußte Lönnrot notgedrungen sein Studium abbrechen. Die aufgezwungenen Universitätsferien verbrachte er nicht tatenlos. Im April 1828 machte er sich auf und durchwanderte zu Fuß die Landschaften Häme, Savo und Finnisch-Karelien. Er ging auf "Runensuche", er zeichnete auf, was er dem Gedächtnis des Volks an alten Liedern, Sprichwörtern, Beschwörungsformeln und anderer Folklore entlocken konnte. Auf weiteren Sammelreisen hatte Lönnrot so viele neue Lieder und Liedfragmente, aber auch längere Zyklen zusammenbekommen, daß ihm der Gedanke kam, diese zu einzelnen Gesamtheiten, einer Art Miniaturepen, zu vereinen. Nach seiner vierten Sammelreise, die ihn nach Russisch-Karelien führte, entwickelte er seinen Eposgedanken weiter und legte 1835/36 den ersten und zweiten Teil des Kalewala vor. Dieses Werk, das wir heute gewöhnlich Altes Kalewala nennen, umfaßte 12 078 Verse. Als Lönnrot fünfzehn Jahre später eine zweite Ausgabe, das Neue Kalewala, veröffentlichte, war es auf fast das Doppelte - 22795 Verse- angewachsen.


Das Kalewala in der Kunst & im Leben; gestern & heute

Im musikalischen Bereich spielte das Kalewala immer schon eine wichtige Rolle. Von Jean Sibelius über Einojuhani Rautavaara bis zu Aulis Sallinen, der 1992 die Oper Kullerwo komponierte oder Pekka Kostiainen mit seiner 2004 uraufgeführten Oper Ammon Tarina (Die Geschichte des Sampo) ist die Reihe der Interpreten lang. Im darstellerischen und literarischen Bereich ragen einige Dramatisierungen für die Bühne heraus, sowie eine bekannte Fernsehserie des Dichters Paavo Haavikko, wie auch ein Roman von Johanna Sinisalo, die darin die Kalewala-Helden in die Gegenwart transferiert.
Ein Kalewala für Kinder erzielte in Finnland höhere Verkaufszahlen als Harry Potter.
In der bildenden Kunst und Architektur sind neben dem großen Akseli Gallén-Kallela der Bildhauer Emil Wikström und der Architekt Eliel Saarinen zu nennen sowie Markku Laakso und Hannu Väisänen.
Das Kalewala erlebt im heutigen Finnland einen regelrechten Boom.
Nach wie vor ist es Unterrichtsstoff in den Schulen. Aber auch in der Bevölkerung ist es lebendig. So gibt es heute etwa wieder professionelle Liedsänger, die die Tradition fortsetzen. Seit 1995 wurden mehrmals Weltmeisterschaften im Singen von Kalewala-Liedern für Profis und Amateure ausgetragen. Viele Straßen und Orte sind nach dem Epos benannt worden, die größte Versicherungsgesellschaft Finnlands heißt Sampo.
So wird das Kalewala frisch gehalten und zeigt, wie nachhaltig das Epos in Finnland in jedem Lebensbereich verwurzelt ist.

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