Burgtheater

Ich war vier Jahre lang die Antilope.
Markus Meyer

Oscar Wilde
‹Dorian Gray›

Fassung des Burgtheaters von Bastian Kraft

Nach über 100 ausverkauften Vorstellungen im Vestibül nun im Akademietheater zu erleben: "In einer beeindruckend wandlungsfähigen One-Man-Show verkörpert Markus Meyer sämtliche Rollen – Verführer wie Verführte.“ (Nachtkritik)

Der viktorianische Dauerbrenner „Das Bildnis des Dorian Gray“ ist unserer Zeit wie auf den Leib geschrieben: Der Kult um ewige Jugend könnte kaum besser porträtiert werden, unsere Botox-straffen Gesichter nicht besser gespiegelt sein, als in der polierten Oberfläche dieses sprachlichen Meisterwerks.

Regie: Bastian Kraft

Bühnenbild: Peter Baur

Kostüme: Dagmar Bald

Dramaturgie: Barbara Sommer

Musik: Arthur Fussy

Licht: Michael Hofer

Video: Michael Schüller, Peter Baur, Alexander Richter

Oktober

Dienstag, 14.10.2014 | 20.00 UhrAkademietheaterKarten

Donnerstag, 23.10.2014 | 20.00 UhrAkademietheaterKarten

Die Versuchsanordnung von Jung-Regisseur Bastian Kraft ist freilich noch rigider: Er hat eine Kletterlandschaft mit 15 Schirmflächen bauen lassen, auf deren Splitscreens Dorian, aber auch dessen Freunde und Bediente, darunter Lord Henry (der Einflüsterer) und Porträtmaler Basil (der in ihn Verliebte), zu sehen sind.
Dorian Gray ist das Virtuosenstück einer szenischen Kernspaltung. In Peter Baurs Landschaft gibt der grandiose Schauspieler Markus Meyer die vielen Doubles seiner selbst. Denn zur nämlichen Zeit, wenn die Verführer noch schwatzen, rauchen oder erlesene Rotweine schlürfen, tritt der „echte“ Dorian (Meyer) an die Reckstangen des Affengehäuses - den Kopf bis zum Hals mit Goldlack überzogen. Er turnt und windet sich - und tritt in einen besorgten Dialog mit der Live-Kamera, die seine in Gold getränkte Larve in Echtzeit, aber eben auf viele Facetten verteilt, auf die Ebene der Wand überträgt.
Das Reflexionsniveau dieser Versuchsanordnung ist beachtlich: Oscar Wildes ruchloser Apostel des Schönen, der die Verwechslung seiner Person mit deren Image folgerichtig mit dem Leben bezahlt, ist der „real Anwesende“. Bei allen Kontrahenten handelt es sich bloß um manipulierte Ausgaben seiner selbst - die obendrein „zeitversetzt“, auf verschiedenen Locations in der Burg gefilmt, als imaginäre Dialogpartner mit in den Blick geraten. Verspätung ist das ewige Schicksal des Menschen. Schönheit ist der Gewinn dieser tollen Produktion. (Der Standard)

Dunkel ist es auf der Nebenbühne des Burgtheaters, das zwar kein Kellertheater ist, aber ebensolches Flair versprüht. Plötzlich fällt ein Mann von dem aufgebauten Stahlgerüst, bleibt in ein Tuch gehüllt reglos am Boden liegen. Währenddessen springt einer der Videoschirme an, die am Gerüst montiert sind, ein Mann beginnt zu sprechen. Ein zweiter Schirm geht an, ein anderer Mann beginnt zu sprechen. Das geht so weiter bis alle 15 Bildschirme aktiv sind, alle Protagonisten reden – über einen: Dorian Gray (Markus Meyer).
Dieser wacht plötzlich auf: Im schwarzen Anzug mit golden bemaltem Gesicht beginnt Meyer mit seinen Freunden im Fernsehen zu reden. Dabei klettert er auf dem Gerüst herum, gelenkig wie ein Akrobat, windet sich durch die Stahlrohre, verliert auch in den halsbrecherischsten Positionen den Faden nicht. Der Einfall (Regie: Bastian Kraft), den realen Darsteller mit den Filmzuschnitten kommunizieren zu lassen, ist einfach, aber genial. (Die Presse)

Für dieses Ineinandergleiten und Auseinanderfallen von schönem Schein und Realität hat Bastian Kraft im Burgtheater-Vestibül eine mit kongenialer Perfektion umgesetzte szenische Lösung gefunden: Flachbildschirme unterschiedlicher Größe auf einem Metallgerüst konfrontieren das Publikum mit schnell wechselnden Video-Aufnahmen vom Antlitz des Protagonisten, spiegeln die Phasen des Verfalls, kontrastieren sie mit der goldenen Schminkmaske ewiger Jugend. Zwischen all diesen Bildern verschafft sich Markus Meyer – bis auf das goldene Gesicht ganz in Schwarz – beim akrobatischen Herumklettern auf dem Gerüst auch körperliche Präsenz, fungiert als Erzähler, gestaltet die Dialoge und scheint doch stellenweise im virtuellen Raum zu verschwinden. Im multimedialen Gesamtkunstwerk, das mit staunenswerter technischer Perfektion abläuft, wird erschreckend deutlich, wie ein Mensch für ein Trugbild zum Verkauf seiner Seele verleiten lässt. [...] Überdeutlich wird in der packenden Aufführung, dass die Realität der Welt von heute längst in einer spektakulären Medieninszenierung aufgegangen ist. (Wiener Zeitung)

Er schlüpft in alle Charaktere der Erzählung, turnt in der Bühnenkonstruktion aus Stahl, nimmt Computerprobleme gelassen: Markus Meyer, eine wandlungsfähige Persönlichkeit im Burgtheater-Ensemble, zeigt in Bastian Krafts Inszenierung von Wildes „Bildnis des Dorian Gray“ viele Schauspielerfacetten. (Kronen Zeitung)

In einer beeindruckend wandlungsfähigen One-Man-Show verkörpert Markus Meyer sämtliche Rollen – Verführer wie Verführte, Maler wie Model, jung wie alt. Als Dorian live auf der Bühne unterhält er sich mit den vorproduzierten Filmfiguren, führt Gespräche (Selbstgespräche?) über Kunst, Moral und Alter, streitet und interagiert mit den Videobildern.
Das ist Präzisionsarbeit und als schauspielerische Leistung einfach umwerfend. Wenn Markus Meyer akrobatisch über die Gestelle zwischen den Leinwänden umherklettert, beturnt er zunächst – vor Dorians Biss in den Apfel der Selbstbespiegelung – noch den frühlingsfrischen Garten unschuldig wie ein Kind ein Klettergerüst; wenn die Jahre und Sünden ins Land ziehen, hängt er wie Harold Lloyd an einer Uhr; und schlussendlich wirkt er wie von den Mühlrädern der eigenen Psyche geschreddert.
Markus Meyer macht seinen Dorian auf magische Art lebendig, während er doch in ein so enges Korsett eingeschnürt ist. Das Timing jeder Bewegung, jedes Wortes ist durch die Videos vorgegeben, und Präzisionsmaschine Meyer muss durchgängig gegen das Flimmern der Leinwandbilder und gegen seine Maske anspielen, die beide einen stark distanzierenden Effekt haben, die zugleich entzücken und entrücken. So wird der Kampf des Schauspielers zum Kampf von Dorian Gray – mit seinem Bildnis.
Man darf es wohl als kluges Konzept interpretieren, dass die gut einstündige Inszenierung stellenweise allzu effektbetont, oberflächlich, übermedialisiert und -ästhetisiert daherkommt – denn dies trifft sich mit einer naheliegenden Lesart des Romans von Bonmot-Bohèmien Oscar Wilde. „Alle Kunst“, schrieb Wilde in seiner Vorrede zu Dorian Gray, „ist zugleich Oberfläche und Symbol. Wer unter die Oberfläche dringt, tut dies auf eigene Gefahr. Wer das Symbol deutet, tut dies auf eigene Gefahr“.
Insofern ist es nur konsequent, wie Bastian Krafts Inszenierung die Oberfläche und die symbolischen Bildwelten radikalisiert, und genau damit ebenfalls der Gray'schen Gefahr aussetzt.
(Nachtkritik.de)

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