Burgtheater

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Gert Voss, Peter Simonischek

‹Thomas Bernhard - Siegfried Unseld: Der Briefwechsel›

Szenische Lesung mit Peter Simonischek und Gert Voss

In den etwa 500 Briefen zwischen Thomas Bernhard und seinem Verleger Siegfried Unseld entwickelt sich ein einzigartiges Zwei-Personen-Schauspiel.

Mal ist es eine Tragödie, wenn etwa Bernhard die aus seinen Werken bekannten Schimpftiraden auf den Verleger loslässt, der seinerseits auf die Überzeugungskraft des Arguments setzt. Dann gibt Bernhard ein Kammerspiel mit Unseld als Held – 1973 schreibt er ihm: „mit größter Aufmerksamkeit, mit allen Möglichkeiten, gehe ich gern mit Ihnen.“ 1984 agieren beide, bei der Beschlagnahme von „Holzfällen“, als Kämpfer für die Literatur in einem von Dritten inszenierten Schurkenstück.

Es dominiert das Beziehungsdrama: Der Autor stellt die für sein Werk und seine Person unabdingbaren Forderungen. Der Verleger seinerseits weiß, dass gerade bei Bernhard rücksichtslose Selbstbezogenheit notwendige Voraussetzung der Produktivität ist. Solch einen dramatischen Briefwechsel zwischen Autor und Verleger, in dem bei jeder Zeile alles auf dem Spiel steht, kennt das Publikum bislang nicht.

In Kooperation mit dem Thomas-Bernhard-Archiv und dem Österreichischen Theatermuseum.

September

Montag, 20.09.2010 | 19.30 UhrBurgtheaterKarten

Oktober

Dienstag, 05.10.2010 | 20.30 UhrBurgtheaterKarten

Thomas Bernard füllt noch immer spielend das Burgtheater, auch wenn es um etwas auf den ersten Blick Unspektakuläres wie einen Briefwechsel geht. […]
„Bernhard und Unseld verstehen beide das Briefeschreiben als eine Kunst“, selbst als eine der Erpressung, sagte einleitend Raimund Fellinger von Suhrkamp, der den Prachtband mit herausgegeben hat. Dann ging es los mit dem Duell des großen Verlegers mit dem großen Dichter: Simonischek las fordernd, werbend die Rolle Bernhards, Voss die von Unseld. Bernhards Eröffnungszug ist bereits bezeichnend. Er bietet Unseld 1961 den ersten Roman, „Frost“ aus Wertschätzung an: „Ich besitze einige Bücher aus Ihrer Produktion und sie gehören zum Besten aus der neueren Zeit.“ Selbstbewusst endet der Vorstellungsbrief: „Ich kenne Sie nicht, nur ein paar Leute, die Sie kennen. Aber ich gehe den Alleingang.“ (Die Presse)

Peter Simonischek liest Bernhards Briefe. was ein bisschen erstau nen könnte, ist doch Gert Voss als begnadeter Bernhard-Spieler in die Theatergeschichte eingegangen. Aber der gebürtige Grazer macht seine Sache gut: aggressiv, boshaft, witzig gibt er des Dichters ständige Geldforderungen und Erpressungen zum Besten.
Gert Voss ist Siegfried Unseld, und dieser große Schauspieler kann auch die manchmal etwas trockenen Texte des deutschen Geistesmenschen furios über die Rampe bringen. Er beruhigt und beschwichtigt den rasenden m Autor, versucht mit vernünftigen Argumenten Bernhards Österreich-, Politiker- und Kritiker-Beschimpfungen zu mäßigen. Den Abschluss bildet Unselds Bericht über die skandalisierte Heldenplatz-Premiere am Burgtheater samt „Mistabladung" vor dem Haus, „Polizeischutz" und „Pfeiforgien". Jubel des Publikums, ein großer Burgtheaterabend. (Österreich)

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