Burgtheater

Du liebe Zeit. Liebe Zeit? Peter Handke. Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße
(c) Luc Galle/Needcompany

Jan Lauwers & Needcompany
‹Die Kunst der Unterhaltung:
Needcompany spielt den Tod von Michael König›

in deutscher, englischer und französischer Sprache

„Die Kunst der Unterhaltung“ ist eine schwarze, beinahe zynische Komödie über einen berühmten Schauspieler, der beschließt, seinem Leben ein Ende zu setzen, weil er das Gefühl hat, langsam das Gedächtnis und damit den Ort seiner Seele zu verlieren. Er erhält eine Einladung zum öffentlichen Selbstmord in der Reality-Show „Die Kunst der Unterhaltung“, die weltweit riesige Einschaltquoten genießt.

English Information

In dieser Show, einer Kochsendung, bereitet ein französischer Starkoch das Abschiedsmahl für den Selbstmordkandidaten des Abends. In einer Auseinandersetzung zwischen dem Schauspieler, seiner großen Liebe – der Frau, mit der er mehr als 1000 Mal Sex hatte –, Dr. Joy, einem verbitterten Arzt ohne jegliches Moralempfinden, und natürlich der weltberühmten Gastgeberin der Show, einer alternden Kabarettistin, deren Glanzzeit längst vorbei ist, entspinnt sich eine Unterhaltung über die Dekadenz des Abendlandes. Sie mündet in einer Tirade des Schauspielers über den Verlust seiner Fähigkeit, seinen Beruf, die Schauspielerei, auszuüben.

Die neue Produktion von Jan Lauwers ist ein weiterer Schritt seiner Zusammenarbeit mit dem Burgtheater.

Mit Unterstützung der flämischen Behörden. Eine Koproduktion mit der Needcompany.
Übersetzer: Petra Serwe, Gregory Ball, Anne Vanderschueren

Die nächsten Termine im Akademietheater:
23./24./25. April & 11./12. Juni

"Die Kunst der Unterhaltung" auf Tour:
21./22. Mai 2011: Teatro Lliure, Barcelona
18./ 19./ 20. August 2011: Kampnagel Internationales Sommer Festival, Hamburg
15./16./ 17./18. September 2011: Kaaitheater, Brussels
24 November 2011: Rotterdamse Stadschouwburg
15./16./20. Dezember 2011: VOORUIT, Gent



‹The Art of entertainment›
Needcompany performs the death of Michael König
Jan Lauwers & Needcompany


The art of entertainment is a black, almost cynical comedy about a famous actor, who decides to bring his life to an end because he feels that his memory, where the soul resides, is slowly breaking down. He is invited to kill himself in a reality show The art of entertainment that has a huge number of viewers worldwide. It is a cookery program where a celebrated French chef prepares a final meal for the suicide.
In a confrontation with his great love, the woman with whom he has made love more than a thousand times, Dr Joy, the embittered doctor without borders, and of course the world-famous host of the program, an aging stand-up comedian now past her prime, a conversation starts on the decadence of the Occident. The actor delivers a tirade on the loss of his ability to practice his profession: acting.

The art of entertainment is the latest play by Jan Lauwers, and a new step in his intensive collaboration with the Burgtheater.

Next performance dates:

World première
Akademietheater (Burgtheater), Vienna 5, 6, 7, 9, 10 March 2011
23, 24, 25 April 2011

Spanish Première
Teatro Lliure, Barcelona 21, 22 April 2011

Akademietheater (Burgtheater), Vienna 11, 12 June 2011

German Première
Kampnagel Internationales Sommer Festival, Hamburg 18, 19, 20 August 2011

Belgian Première
Kaaitheater, Brussels 15, 16, 17, 18 September 2011

Rotterdamse Stadschouwburg 24 November 2011
VOORUIT, Gent 15, 16, 20 December 2011

Saul J. Waner
Michael König

Gena
Grace Ellen Barkey

Liliane Van Muynck/Mr. Young
Viviane De Muynck

James Brown
Misha Downey

Mr. Duchamp
Julien Faure

Yoko
Yumiko Funaya

Dr. Joy
Benoît Gob

Mrs. Young
Sylvie Rohrer

Elisabeth
Eléonore Valère

Regie, Text, Bühne: Jan Lauwers

Kostüme: Lot Lemm

Musik: Jan Lauwers, Maarten Seghers

Licht: Ken Hioco

Dramaturgie: Elke Janssens

Produktionsleitung: Luc Galle, Harald Brückner

Jan Lauwers, macht am Wiener Burgtheater mit einem grellen, schwarzen und morbiden Stück von sich reden. [...]
Anspielungsreich fächert Lauwers einen ganzen Themenkomplex in seinem neusten Stück auf und stellt dabei zugleich den Ort, an dem dieses Stück stattfindet infrage. Denn während der Schauspieler Michael König als Burgtheatergröße im Mittelpunkt steht, während Lauwers zusammen mit seiner Needcompany seit der letzten Spielzeit Artist in Residence an eben diesem Burgtheater ist, ist dieses Burgtheater zugleich der Hort schlechthin einer Abend für Abend reproduzierenden Schauspielkunst. Diese Reproduktion aber ist es, die Lauwers mit seinen Stücken schon immer unterwandert hat, und so stört und zerstört er auch diesmal wieder jenes Spiel, das etwa Gefühl vortäuschen will oder sich sonst in der herkömmlichen Schauspielkunst verliert. [...]
Mit „Die Kunst der Unterhaltung“ bespiegelt Jan Lauwers natürlich nicht nur das Theater, sondern zugleich eine Gesellschaft, deren Gegenwart zu einer reinen Realityshow im Fernsehformat verkommen ist. Dabei ist seine neueste Produktion höchst amüsant anzusehen, präsentiert von Lauwers potenter Muse Viviane de Muynck als diabolischem Vamp, mischen sich da Burgtheaterschauspieler unter die darstellenden Tänzer der Needcompany, die mit ihrem Charme und Willen zum Slapstick jegliche Schwerlastigkeit wegtanzen und dem Projekt eine freche Leichtigkeit verleihen. Dabei ist die Bühne des Wiener Akademietheaters tatsächlich wie eine Showbühne eingerichtet: es gibt die Auftrittstreppe, die lässigen Barhocker, es gibt die Kochshowküche für das letzte Mal, es gibt eine Kamera mit der eine Tänzerin ihre eigene Sicht der Dinge auf Monitore projiziert und so hat sich Lauwers wieder einmal eine Bühne gebaut, auf der sein Spiel auf den verschiedensten Ebenen, sein sich Durchkreuzen, Stören, Dekonstruieren, Kommentieren der verschiedensten Mittel möglich ist. (Deutschlandradio – www.dradio.de)

Einerseits erweist Lauwers den populären Inhalten und Formen des Entertainments die Reverenz, indem etwa ein Mann namens James Brown (Misha Downey) auf der Showtreppe eine Kette von Witzen loslässt. Andererseits läuft der belgische Regisseur und Choreograf den Mechanismen der Gefallkunst auf vielen Ebenen absichtlich zuwider.
Die Zielvorgabe oder die scheinbare Notwendigkeit des Applauses bei der Aufführung von Bühnenwerken bzw. in der direkten Kommunikation mit dem Publikum scheinen Lauwers suspekt. Und deshalb wird dem Publikum im Akademietheater die Möglichkeit zum Applaus oft und oft entzogen. Ein perfekt geplanter Witz-Totalschaden ist etwa Viviane De Muyncks häppchenweise vorangetriebener Gag ("Treffen sich Hitler und der belgische König Leopold in der Hölle ..."), der unter Aufbietung präziser Störaktionen irgendwann ganz verebbt. Slapsticknummern treten nur als die schlechte Kopie ihrer selbst in Erscheinung, etwa ein doofes Kaffeehäferl-Katapult oder ein von metallenen Gerätschaften vollgetürmter Küchenwagen, der dann und wann extra umständlich gerammt wird. [...]
„Die Kunst der Unterhaltung: Needcompany spielt den Tod von Michael König“ ist nun die erste hier entwickelte Produktion, in der die genuin unterschiedlichen Arbeitsprinzipien - hochdotierter Repertoirebetrieb versus langfristiges Work-in-progress - aufeinandertreffen. (Der Standard)

Jan Lauwers und sein Team [...] haben am Akademietheater ihr neuestes Gedankengebilde zur Uraufführung gebracht.
Eine Groteske, in der ein Schauspieler wegen Gedächtnisverlusts beschließt, Selbstmord zu begehen. Mit der dreispritzigen Sterbehilfe eines Arztes. Live im TV. Saul J. Waner heißt der Mann, sein Name ein Anagramm des Multiartisten Lauwers, der für seinen suizidalen Star die schlimmsten aller Fernsehformate vereint: Talk- und Kochshow - es soll für den Abzulebenden ein letztes Gourmetabendmahl (japanische Tänzerin) geben.
All das garnieren die Belgier auf die ihnen eigene Weise. Mit wunderbarem Tanz, Slapstick mit Küchengeräten, einem Witz über Hitler und Leopold II. in der Hölle, der nie zu Ende erzählt wird, und auf sechs Monitore übertragene Live-Videoaufnahmen. Für Mitdenker wurde die Rolle des Kochs „Mr. Duchamp“ genannt, nach Marcel, dem von Lauwers so verehrten Konzeptkünstler. [...]
Michael König übernahm vor drei Wochen und macht seine Sache großartig. Changiert zwischen knurrig, alterssexbesessen und wehleidig. Steigt sogar unter höchster Strapaze seines Gleichgewichtssinns ins Körpertheater der Needcompany mit ein. (Kurier)

Schon zu Beginn stolpern und stürzen die Darsteller in bis zum Slapstick überzogenen Nummern auf die Bühne, versauen sich somit jedweden glamourösen Auftritt – die Gespräche wirken müde, uninteressiert, als seien sie nicht einmal mehr die übliche Heuchelei wert: Überhaupt scheint diese ganze Show wie eine große Probe, die direkt in einer diffusen Hölle stattzufinden scheint, voll mit Leerlauf und allgemeinem Desinteresse.
Dass das nicht langweilig wird, liegt an der geschickt aufgebauten Spannung, die sich natürlich auf den einen großen Punkt konzentriert, den Selbstmord Saul J. Waners, nur um, wie auch alle anderen zunächst dem Schein nach dem Prinzip einer Unterhaltungsindustrie folgenden Elemente an diesem Abend, von der Reunion mit der großen Geliebten hin zum Spiel-im-Spiel, das plötzlich Ernst wird, um sich dann wieder doch als Spiel-im-Spiel-im-Spiel zu entpuppen, in der Ungreifbarkeit von Lauwers' Inszenierung des leisen Nebeneinanders (Tanz- und Videoelemente bestimmen ebenso das Stück wie Schauspiel), des bewusst gesetzten Nicht-Funktionierens und Unspektakulären zu zerfließen.
Natürlich ist das unbefriedigend. Gerade deshalb aber zwingt es zur Reflexion der eigenen Sensationsgier. Denn gerade dieses Nicht-Erfüllen der Erwartungen, diese Weigerung, leichtfertig konsumierbar zu sein, ist, was das Stück davor bewahrt, zu dem zu werden, was es kritisch hinterfragt. Wenn vor dem Hintergrund des zuvor Gesehenen diese Auflösung dann augenzwinkernd für einen kurzen Augenblick die unsichtbare vierte Wand niederreisst mittels einer bedrohlich in die Richtung Michael Königs getragenen Torte und den schelmischen Worten von Viviane De Muynck "Deshalb wollte ich immer Schauspielerin werden", dann gelingt Lauwers hier für einen kurzen Moment und mit ganz einfachen Mitteln eine wirklich spannende Reflexion über ein Ineinander von Inszenierung und Wirklichkeit. (www.nachtkritik.de)

Das Szenario im Akademietheater verweist auf das Ambiente einer x-beliebigen TV-Show mit überdimensionaler Glitterlampe, Showtreppe und vielfältig einsetzbarem Dekor. Um die Selbstmord-Show noch gefälliger zu machen, ist der Abend gleichzeitig als mehrheitsfähige Kochshow angelegt.
Der Chefkoch Mr. Duchamp (Julien Faure), sein Küchenhelfer James Brown (Misha Downey) und das sehr attraktive und lebendige «Stück Fleisch» Yoko (Yumiko Funaya) richten mit Slapstickeinlagen, Küchenballett und vielsprachigen Kommentaren ein mehrschichtiges Menü an: Kunsttheorie trifft auf Klamauk, Schauspiel auf Tanz, das Dekor fängt an zu tanzen. [...]
Lauwers verpackt nach dem bewährten Rezept seines Ensembles Needcompany ernsthafte und existenzielle Fragen in lapidare Komik. Authentizität und Show, pathetische Wahrheit und Spiel, Kunst und Unterhaltung - die Ebenen verschwimmen, immer wieder werden neue Illusionen hergestellt und gleich wieder gebrochen. (Waltroper Zeitung)

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