Burgtheater

Ja es umgibt uns eine neue Welt! Torquato Tasso, Johann Wolfang Goethe
Cornelius Obonya, Johannes Krisch

Ferdinand Raimund
‹Der Alpenkönig und der Menschenfeind›

Der reiche Gutsbesitzer Herr von Rappelkopf wähnt sich verraten von der Welt und zieht sich mit seiner Familie und der Dienerschaft auf ein von der Gesellschaft isoliertes Landgut in den Alpen zurück. Rappelkopf wird zum Misanthrop.

Jenen, die ihn lieben, macht er das Leben zur Hölle. Zugleich verhindert dieser Menschenfeind mit allen Mitteln die Liebe, wo sie neu erblüht. Astragalus, der Alpenkönig, die fabelhaft-lustvolle Naturgewalt, will das nicht länger mit ansehen. Er hält Rappelkopf buchstäblich den Spiegel vor und konfrontiert ihn mit dessen wahrem Ich. Die Therapie kann beginnen, das Besserungsstück nimmt seinen magischen Lauf.

In Ferdinand Raimunds 1828 erstmals aufgeführtem romantisch-komischen Original-Zauberspiel sind „Sentimentalität und Brutalität des Menschen“ (Musil) untrennbar miteinander verbunden. „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ ist ein musikalisches Kunstmärchen, lässt aber bereits die Selbstanklage des modernen Menschentums durchblicken und behandelt für das damalige Volkstheater revolutionäre Themen wie Zerrissenheit, Selbsthass und Persönlichkeitsspaltung. Es erzählt von der Suche nach Ganzheit als Mensch, der Erfüllung im Gegenüber.


In dieser Produktion wird aus künstlerischen Gründen auf der Bühne geraucht.

Astragalus, der Alpenkönig/Christian Glühwurm, ein Kohlenbrenner
Johannes Krisch

Herr von Rappelkopf, ein reicher Gutsbesitzer
Cornelius Obonya

Sophie, seine Frau/Marthe, Christian Glühwurms Weib
Regina Fritsch

Malchen, seine Tochter aus dritter Ehe/Salchen, Christian Glühwurms Tochter
Liliane Amuat

August Dorn, ein junger Maler/Franzl, Salchens Bräutigam
Peter Miklusz

Lischen, Malchens Kammermädchen/Hund in der Köhlerhütte
Stefanie Dvorak

Habakuk, Bedienter bei Rappelkopf/Christian Glühwurms Großmutter
Johann Adam Oest

Herr von Silberkern, Sophies Bruder
Dietmar König

Dienerschaft im Hause Rappelkopf
Dunja Sowinetz
Dietmar König
Gerhard König
Willfried Kovárnik

Kinder in Köhlerhütte
Rudi Bamesberger
Bruckmann Matthäus
Maximilian Harnisch
Sascha Hren
Sebastian Kranner
Joshua Operschall

Band
Lenny Dickson
Eva Jantschitsch
Otmar Klein
Bernhard Moshammer
Andreas Radovan
Alexandar Wladigeroff
Anna Jankowsky
Elise Mory

Regie: Michael Schachermaier

Bühne: Damian Hitz

Kostüme: Su Bühler

Musik: Eva Jantschitsch

Licht: Friedrich Rom

Dramaturgie: Florian Hirsch

KurzKritik:

„Alpenkönig und Menschenfeind“: Der Burg gelingt ein fabelhafter Nachweis ihrer Vitalität und künstlerischen Relevanz. Dem Burgtheater gelang eine famose, kluge, ebenso modern-harte wie komödiantisch-wienerische Aufführung. (Kurier)

Johannes Krisch und Cornelius Obonya verleihen „Alpenkönig und Menschenfeind“ neue, wilde gespenstische Dimensionen in einer fantasievollen, sublim bebilderten Inszenierung von Michael Schachermaier. (Die Presse)

Das Burgtheater hat einen tollen Raimund auf die Bühne gebracht, originell, trotzdem stimmig, jung, eine der Größe, den Ressourcen des Hauses gerecht werdende „Riesenkiste“, gestemmt von souveränen Schauspielern. Das Publikum jubelte. (Die Presse)

Famos komödiantisch, vielseitig und tiefgründig in seiner Gespaltenheit: Cornelius Obonya.
[...]
Was Johannes Krisch auf der Bühne in der Rolle des Alpenkönigs aufführt, ist allerdings schlichtweg fabelhaft. Allein die Nuancen, die Töne die er mit seiner Stimme erzielt sind beeindruckend. Sein Spiel, mit blutigem, staubigem Gesicht und Körper, tänzelnden Bewegungen und pantomimischen Einlagen, ist umwerfend, [...] es ist Johannes Krisch in Höchstform, von Anfang bis zum Ende. (Nachtkritik.de)

Michael Schachermaier [meistert] die Gratwanderung zwischen Klamauk und Psychodrama mit Bravour. (ORF.at)

Das Weiterdenken von Raimunds psychologischer Tiefenbohrung ins Heute hat Regisseur Schachermaier komplett in die Musik gelegt. Diese stammt von „Gustav“ Eva Jantschitsch und zählt zu den eindrucksvollsten Facetten des Abends. (OÖ Nachrichten)

Michael Schachermaier gelingt eine konzentrierte und doch sinnliche Interpretation, die ihren Zauber über heutige ästhetische Mittel bezieht, ohne die Raimund’sche Aussage zu verfälschen. (Tiroler Tageszeitung)

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Der Stoff, der diese Welt im Innersten zusammenhält, sind die neu komponierten Couplets der Musikerin Eva Jantschitsch alias Gustav. Ihre Musik erinnert gleichermaßen an Tom Waits wie an Kurt Weill, sie ist jazzig schräg gelegt, rockt aber sehr sexy. Die Texte sind nahe bei Raimund und bissig-hintersinnig. [...]
Hinreißend ist auch das Bühnenbild: Damian Hitz baute ein Alpenpanorama im Industrie-Design und dazu Spiegel-Stellwände, vor denen der Herr von Rappelkopf seine Persönlichkeitsspaltungen inszenieren kann. Ein wunderbar poetischer Höhepunkt der Aufführung: Ein riesiger Vollmond wandert, ebenso fried- wie bedrohlich, über den Bühnenhintergrund.
Gespielt wird großartig. Johannes Krisch – gebt ihm mehr, viel mehr Hauptrollen – ist ein großartiger, blut- und dreckbeschmierter Berggeist mit gefährlichem Sex-Appeal, er spielt den Alpenkönig wie eine Mischung aus Mephisto, Puck und schmierig-charismatischem Leiter eines Schamanismus-Kurses im Waldviertel. Und singen kann der!
Cornelius Obonya ist ihm ein herrlicher Widerpart, komödiantisch-rasant, wienerisch bis an den Rand des Nervenzusammenbruchs, wie aus einer mutigen Nestroy-Inszenierung entlaufen. Unter den Nebendarstellern fallen Stefanie Dvorak und Johann Adam Oest als bizarres Diener-Paar auf. (Kurier)

Dem jungen Regisseur Michael Schachermaier ist [...] ein ganz großer Wurf gelungen. [...] Mit dem Dramaturgen Florian Hirsch fertigte er eine kluge Strichfassung an, in der absolut nichts Wesentliches verloren geht, und dann zeigte er ein absolut feinfühliges Händchen bei der Zusammenstellung des Leading Teams und des Ensembles. [...]
Bei dieser Produktion passt einfach alles. Damian Hitz zitierte im Bühnenbild ebenso wie die Kostümbildnerin Su Bühler Alpenländisches, aber in ironischer Gebrochenheit. Lichtbildner Friedrich Rom schafft durch sein ruhmreiches Tun zauberhafte Atmosphäre, die Hand in Hand mit Eva Jantschitschs (bekannt unter dem Künstlernamen Gustav) phänomenaler Bühnenmusik samt neuen Couplettexten geht.
Johannes Krisch und Cornelius Obonya greifen als Titelpaar in die Vollen: Operieren mit leisen Tönen, unbändigem Aufbrausen, Grimassieren und Zurückgenommenheit. Auf absolut gleicher Höhe Regina Fritsch als Rappelkopfs Ehefrau sowie Stefanie Dvorak als Kammermädchen Lischen und Johann Adam Oest als Bedienter Habakuk. Zwei Hausangestellte voll Verschlagenheit und Durchblick. Ganz große Komödianten. (Kleine Zeitung)

[...] mit Johannes Krisch, der als Astralagus Tierstimmen imitierend sein Repertoire unheimlicher Kerle um neue grandiose Facetten erweitert, und mit Cornelius Obonya als Menschenfeind, der mehr durch virtuos-witziges Spiel packt als durch sein Leiden berührt. Die Aufführung wandelt auf den Spuren von Martin Kušejs albtraumhaften Österreich-Panoramen, ohne diese zu kopieren: Damian Hitz schuf HD-Breitwand-Bilder. Der Hochwald führt ein farbenreiches Eigenleben, groß, bleich geht der Mond auf, Stichflammen züngeln, es stürmt, Nebel brodelt.
Es kräht und zwitschert, die Geräuschkulisse würde einem Dschungel Ehre machen. Eva Jantschitsch („Gustav“) hat die Musik zu diesem bösen Märchen komponiert, Sprechgesang, dissonante Chansons auf Rapbasis, Schlagerparodien, in die Raimunds Liedpoesie nahtlos eingewoben ist. [...] Liliane Amuat entzückt einmal mehr als Frohsinn, Naivität und Herzenswärme verströmendes Mädchen: Malchen, Rappelkopfs Tochter, hält unbeirrt fest an der rosigen Zukunft mit ihrem Softiemaler (unauffällig, brav: Peter Miklusz). [...]
Die neue Burg-Version hat eine interessante These zu bieten: In diesem Stück sind alle besessen. Wie könnte es sonst möglich sein, dass eine jahrelang von einem Irrsinnigen geplagte Familie immer noch darauf besteht, ihren Peiniger zu lieben? [...]
Das Burgtheater hat einen tollen Raimund auf die Bühne gebracht, originell, trotzdem stimmig, jung, eine der Größe, den Ressourcen des Hauses gerecht werdende „Riesenkiste“, gestemmt von souveränen Schauspielern. Das Publikum jubelte. (Die Presse)

Der reiche Gutsbesitzer Rappelkopf (famos komödiantisch, vielseitig und tiefgründig in seiner Gespaltenheit: Cornelius Obonya) [...] sieht überall nur das Schlechte, stellt sich gegen alles, vor allem gegen die noch unschuldige Liebe seiner Tochter (wieder einmal besonders entzückend: Liliane Amuat) zum jungen Maler August (entwaffnend jugendlich naiv: Peter Miklusz), die Treue und Güte seiner Frau (berührend und witzig zugleich: Regina Fritsch) erachtet er als Hinterlist. [...] Stefanie Dvorak als ganz schön frivole Kammerzofe Lischen (und als zappelnder Hund in der Köhlerszene!) und Johann Adam Oest als schusseliger, ständig quasselnder Diener Habakuk sind schlicht komödiantisch großartig. Sie: eine Mischung aus Vulgarität und Gutherzigkeit. Er: tolpatschig, dünkelhaft, voll falschen Stolzes, ernten die meisten Lacher. [...]
Was Johannes Krisch auf der Bühne in der Rolle des Alpenkönigs aufführt, ist allerdings schlichtweg fabelhaft. Allein die Nuancen, die Töne die er mit seiner Stimme erzielt sind beeindruckend. Sein Spiel, mit blutigem, staubigem Gesicht und Körper, tänzelnden Bewegungen und pantomimischen Einlagen, ist umwerfend, [...] es ist Johannes Krisch in Höchstform, von Anfang bis zum Ende.
Michael Schachermaier [...] hat einem großen Wiener Theaterklassiker neues Leben eingehaucht, mit scheinbar einfachen Mitteln, ohne den Text stark zu verändern und zu viel Psychologie einfließen zu lasssen, mit einem superben Bühnenbild (Damian Hitz), mit tollem Licht (Friedrich Rom) und Raucheffekten, stimmigen Kostümen (Su Bühler) und der prägnant schönen Musik von Eva Jantschitsch, die auch die Liedtexte verfasst hat. (Nachtkritik.de)

Michael Schachermaier gelingt eine konzentrierte und doch sinnliche Interpretation, die ihren Zauber über heutige ästhetische Mittel bezieht, ohne die Raimund’sche Aussage zu verfälschen. Das betont einfache, durch kluge Lichtregie (Friedrich Rom) und allerhand Effekte äußerst wandelbare Bühnenbild (Damian Hinz), die mit kleinen modehistorischen Zitaten an das frühe 19. Jahrhundert andockenden Kostüme (Su Bühler) und vor allem Eva Jantschitschs (die Frau hinter Gustav) Bühnenmusik tragen maßgeblich zur Abrundung der Gesamtidee bei. Jede gelungene Konzeption verlangt jedoch nach den würdigen Interpreten und die hat Schachermaier exzellent gewählt. Cornelius Obonya ist ein großartiger, auch in seiner wundersamen Wandlung brüchiger und durchtriebener Rappelkopf. [...]
Ihm zur Seite steht mit Johannes Krisch ein Ebenbürtiger: Sein Alpenkönig Astralagus ist ein urgewaltiger Waldgeist, mit geheimnisvoll bemaltem Oberkörper eine Art Alpen-Maori in speckigen Lederhosen. Beklemmend und witzig zugleich sind die Szenen zwischen den beiden, eindringlich der Handel Astralagus’, in Rappelkopf Rolle zu schlüpfen¬, diesem den Spiegel von dessen kruder Persönlichkeit vorzuhalten [...].
Wunderbar gelingen auch die anderen Personen, darf Regina Fritsch als Rappelkopfs Frau Profil entwickeln oder Liliane Amuat und Peter Miklusz mit charmant verhaltener Ironie das junge Liebespaar geben. Zu Recht Begeisterung ernten Stefanie Dvorak als kesses Kammermädchen Lischen und Johann Adam Oest als Dienstbote Habakuk. Die intelligente Liebe, die Schachermaier und seine Mitstreiter den Stück entgegenbringen, machen diesen Abend groß. (Tiroler Tageszeitung)

Cornelius Obonya als Rappelkopf ist ein Glücksfall für das Burgtheater. Sein Misstrauen, seine Wutanfälle lassen schmunzeln, nähern sich aber nie dem lauten Witz, der Schmiere. Vielmehr liegt in seinem Zorn etwas Neurotisches, Tragisches, Trauriges, Bedauernswertes. [...] Johannes Krisch erscheint als halbnackter Erdgeist, gibt Astragalus dionysische Züge. Brillant wie er in der vertauschten Rolle als Rappelkopf dessen Lieben an den Rand des Irrsinns bringt. (Kronen Zeitung)

Eva Jantschitschs Musik [ist] verlässlich zur Stelle. Ein vorsichtig digitalisierter Tom-Waits-Moritatenblues hinkt durch die Landschaft. In der wohnen zwei Figuren, an denen man sich kaum sattsieht. Da ist das Stubenmädchen Lischen (Stefanie Dvorak), an dessen Mundwerk sich der alte Diener Habakuk (Johann Adam Oest) kaputtstößt. Und da ist Habakuk selbst, der, wie jedermann weiß, „zwei Jahre in Paris“ war. Rappelkopfs Zorn reizt ihn. Oest ist der wahre, kultivierte „Wilde“, in dem der Dämon der Ruhelosigkeit den Brand der Komödiantik entfacht. (Der Standard)

Der Grat zwischen Gut und Böse, Genie und Wahnsinn, Tier und Mensch ist ein schmaler - aber für einen Johannes Krisch ist er breit genug. Als Alpenkönig Astragalus mäanderte er in einem faszinierenden Tanz auf dem Vulkan zwischen weichherzigem Weltverbesserer und blutverschmiertem Dämon. Die mystische Schattenlandschaft (kreiert von Damian Hitz) ergab sich ihm als Spielwiese für alle Facetten seiner Rosskur am Misanthropen Rappelkopf (Cornelius Obonya). Es wurde mit Leidenschaft gebrüllt, gefaucht, geheult, geswingt und gerappt - untermalt wurde das diabolische Treiben von Melodien der als „Gustav“ bekannten Musikerin Eva Jantschitsch. Die Titelhelden überzeugten auf ganzer Linie, Jungregisseur Michael Schachermaier sowieso. (Heute)

Michael Schachermaiers Neuinszenierung von Ferdinand Raimunds „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ überzeugte mit frischem Blick, erfreulicher Kompaktheit und einem Konzept, das Neues und Altes zu verbinden sucht.
Im Zentrum des zweieinhalbstündigen Abends steht Johannes Krisch als Alpenkönig Astragalus. Krisch riskierte mit seiner ungewöhnlichen Interpretation am meisten. Als Erdgeist taucht Krisch auf, zunächst geheimnisvoll bemalt, danach in Hirschblut gebadet. Er schreit wie ein Raubvogel, erinnert an einen ausgeflippten Indianer. Ihm gelingt eine faszinierende Gratwanderung, die das Dämonische unterstreicht. Dass der Alpenkönig Milde zeigt und den Menschenfeind letztlich davonkommen lässt, überrascht.
Cornelius Obonya bewegt sich als Menschenfeind Rappelkopf stärker innerhalb der Rollenkonventionen. Genussvoll zelebriert er seinen Verfolgungswahn, seine Wutanfälle.
Bei den Nebenrollen dominiert Erwartbares auf hohem Niveau, angesiedelt zwischen der leicht ironisierten Liebe von Frau (hingebungsvoll: Regina Fritsch), Tochter (frisch: Liliane Amuat) und dem Möchtegern-Schwiegersohn (blass: Peter Miklusz). [...]
Das Weiterdenken von Raimunds psychologischer Tiefenbohrung ins Heute hat Regisseur Schachermaier komplett in die Musik gelegt. Diese stammt von „Gustav“ Eva Jantschitsch und zählt zu den eindrucksvollsten Facetten des Abends. (OÖ Nachrichten)

Schachermaier hat dem Zaubermärchen eine zeitlose Generalüberholung verpasst und vergisst dennoch nicht auf das Ausloten der psychologischen Tiefen und auf die komischen Seiten. Im Text haben Regisseur und Dramaturg Florian Hirsch ordentlich geholzt, ohne dabei Wesentliches zu streichen oder Fragen offenzulassen.
Zusätzlich zu Raimunds Originaltexten hat Elektropopkünstlerin Eva Jantschitsch alias Gustav neue absurd-komische Texte für die Couplets geschrieben, für deren Vertonung sie ebenfalls verantwortlich zeichnet. Dargebracht von Liveband und Ensemble erinnert die Musik an eine sehr eigene Mischung aus originalen Couplets, Kurt Weill, Chansons und Tom Waits. [...]
Im Bühnenbild von Damian Hitz sind die Alpen zwar allgegenwärtig, doch mit rein fragmentarischen Versatzstücken nur angedeutet und jenseits jeglicher rustikaler Romantik. [...]
Eine gute Entscheidung, wird die modern-düstere Ästhetik doch zu einer wichtigen Hülle, in der man den oft klamaukigen Text dennoch immer in seiner Abgründigkeit zu verorten mag.
Auch die Kostüme von Su Bühler passen in ihrer zeitloser Märchenhaftigkeit, mit Trachtenzitaten, etwa in Amalies Kleid und Astragalus’ Lederhose. Auf offener Bühne verwandelt sich die Rappelkopf-Familie mittels Kostümfragmenten und Perücken in das Köhlerhütten-Völkchen, der Alpenkönig erscheint dem Menschenfeind als Geist der verstorbenen Ehefrauen - Szenen, die man grundsätzlich schwer über die Bühne bringt, werden mit diesem einfachen Kunstgriff zu großen Momenten. (ORF.at)

Rappelkopf rast in der Inszenierung von Michael Schachermaier in einem Ambiente, dem die Biedermeierlichkeit bis auf Nötigste entfernt wurde. [...] Schachermaier hat sich nämlich nicht dazu entschlossen, eine Dekonstruktionsbombe in den Klassiker von Ferdinand Raimund zu jagen und dann die Splitter postpostmodern mit Neon-Uhu zu verkleben. Er hat den altbekannten Zauber-Zierstuck nicht nur optisch feinsäuberlich abgeschlagen, ist Raimund aber treu geblieben. Dabei ist ihm eine straffe, moderne Version gelungen. Das Zusammenspiel von Johannes Krisch als Astragalus und von Cornelius Obonya als Rappelkopf zeigt schon, wie hier eine Balance zwischen Neuem und Gewohntem angestrebt wird. (Wiener Zeitung)

Aber dass Raimund, so tief er in „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ auch in den Seelen, dem Unbewussten und dem Abgründigen des Menschen bohrt, einfach Volkstheater mit all seinem „Schmäh“ ist – das wird an diesem Abend mit einiger Ironie und viel Lust am Spaß realisiert.
Wenn Cornelius Obonya als Herr von Rappelkopf auf der Bühne steht und „rappelt“, dann ergibt dieses sinnlose Wüten, das szenisch glücklicherweise nie zur wirklichen Brutalität ausartet, Szenen von souveränem Humor. [...]
Das „schnippische Lischen“ ist immer eine Traumrolle, aber so frech, selbstbewusst und solcherart heutig wie Stefanie Dvorak (mit schwarzer Perücke) haben es noch wenige gespielt. [...] Im Versuch, wie ein Butler zu agieren, ist Johann Adam Oest unübertrefflich, und wenn er seine Seelennöte offenbart, [...] da gibt es geradezu atemberaubende Momente, die bei aller überzogenen Komödiantik diese weit übersteigen.
Ganz raffiniert gestaltet Regina Fritsch Rappelkopfs Frau, die ja eine ganz Brave und Gute sein muss, aber dies mit hintergründigem, vielschichtigem Ton tut [...]. Ein braves Töchterchen ist nicht leicht zu spielen: Liliane Amuat tut es mit einem Impetus, der ihr geradezu berührende, entzückende Echtheit gibt, während bei ihrem Liebhaber in Gestalt von Peter Miklusz Ironie durchbricht, die jedoch keinesfalls zur Verhöhnung der Figur wird. (Der neue Merker)

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