Burgtheater

Ja es umgibt uns eine neue Welt! Torquato Tasso, Johann Wolfang Goethe
Christiane von Poelnitz, Catrin Striebeck

Hugo von Hofmannsthal
‹Elektra›

Elektra, Tochter des mykenischen Königs Agamemnon, musste mit ansehen, wie ihre Mutter Klytämnestra gemeinsam mit ihrem Geliebten Ägisth den Vater tötete. Seitdem wartet sie auf den Tag der Rache.

Ihre ganze Existenz ist Hass auf die Mutter. Starr und maßlos in allen ihren Äußerungen, erfüllt sie ihre sich selbst gegebene Bestimmung, den Mord nicht zu vergessen. Ein Gegenbild zu Elektra ist die Schwester Chrysothemis, die der grässlichen Vergangenheit entrinnen will und sich nach einem „normalen“ Leben mit Liebe und Kindern sehnt. Elektra, selbst unfähig zur Tat, wartet auf den Rächer. Und der Tag kommt. Ihr tot geglaubter Bruder Orest kehrt zurück und führt, von Elektra gedrängt, das aus, was diese bis zum Wahnsinn ersehnt. Er metzelt seine Mutter und ihren Liebhaber.

Anders als bei Sophokles treten bei Hugo von Hofmannsthal in seiner 1903 geschriebenen Tragödie die seelischen Vorgänge des Rachemordes in den Vordergrund. Nicht mehr Orest steht im Zentrum des Geschehens, sondern Elektra. „Blut“ ist das Leitwort des Dramas, das Hofmannsthal auf Vorschlag von Richard Strauss zu einem Opernlibretto umarbeitete. Damit begann 1905/06 die lange währende Zusammenarbeit zwischen dem Komponisten und seinem kongenialen Textdichter.

Bitte beachten Sie, dass kein Nacheinlass möglich ist.

Ausgezeichnet mit dem "Nestroy-Theaterpreis":
Christiane von Poelnitz als Beste Schauspielerin
Michael Thalheimer für die Beste Regie
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Regie: Michael Thalheimer

Bühne: Olaf Altmann

Kostüme: Katrin Lea Tag

Musik: Bert Wrede

Licht: Friedrich Rom

Dramaturgie: Klaus Missbach

Kurzkritik:

Michael Thalheimer trifft im Burgtheater die „Elektra“ des Hugo von Hofmannsthal groß und wuchtig in ihr todessüchtiges Herz. (FAZ)

Michael Thalheimer [...] zeigt die auf fünf Personen reduzierte Tragödie als manieristisches Gesamtkunstwerk aus Sprache, Mimik und Gebärde, mit Christiane von Poelnitz als schlichtweg überwältigender Protagonistin. (Wiener Zeitung)

80 Minuten großes Theater, diese hofmannsthalheimersche „Elektra“. (Die Welt)

„Elektra“ wird zum großen Emotionstheater für Christiane von Poelnitz. (NZZ)

Michael Thalheimer hat Hugo von Hofmannsthals Drama subtil, aber kraftvoll inszeniert. Christiane von Poelnitz spielt die Titelrolle ungeheuer intensiv. (Die Presse)

Magische Wirkungen erreicht Friedrich Rom, wenn er Thalheimers Bewegungs- und Gesten-Choreographie von der Seite ausleuchtet. (Nachtkritik.de)

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Im Burgtheater [...] liegt Mykene in einer riesigen, schmalen, aus einer bühnenhohen schwarzen Wand vom Bühnenbildner Olaf Altmann herausgemeißelten Scharte, die von links oben leicht nach rechts unten führt. Die Psycho-Couch des Symbolisten Hofmannsthal [...] wandelt sich zum Symbol einer gigantischen Welt-Scharte, in der nun nicht mehr die Nerven zählen. Sondern die Kosten. Eines Verbrauchs. An Menschen.
Und da für Thalheimer, den großen Frauenfiguren-Regisseur, Menschen fast nur mit Frauen identisch sind [...], sieht man die ganze Menschheit in drei Frauengesichtern (und zwei unwichtigeren Männergesichtern). Urwuchtig. Gewaltig. Wie immer bei Thalheimer. Und da sie alle in der engen Scharte nur auftreten beziehungsweise sich aufpressen, aufwinden, aufsteilen, wirken sie wie Siegel, mit denen die Rechnung beglaubigt wird. Die das Auswetzen der Scharte kostet. Es ist die Rechnung eines Fraßes: des Mythos. [...] Thalheimer [...] lässt alles, was Hofmannsthal an Parfüm, an Schwüle, an Schwulst und erotisch ungarem Inzest-Ambiente in erlesenen Sprachwolken aufsteigen lässt, verdampfen. Er denkt die Sache vom Schluss her. [...]
Erster Auftritt: gleich Elektra. [...] „Ich, allein“ sind ihre wichtigsten, ihre schwersten Worte. Ihr Ich ist, wie es alle Frauen-Ichs in Thalheimers Theaterwuchtarbeiten immer so grandios sind [...]: völlig autonom. [...] Christiane von Poelnitz zeigt in Wien wundertoll, dass Elektras Hirn und Herz bereits weit weg sind, verschluckt von der Schmerzensschwärze von Wahn und Leere. [...]
Thalheimer trifft hier das schwüle Stück in sein kühl gefrorenes Herz. Er nimmt die Frauen beim Wort, indem er sie an Worten zugrunde gehen lässt. [...]
Adina Vetter als Chrysothemis im kleinen, gelb schmutzigen Kleidchen, spielt wundersam innig und wahnnah nicht das Weibchen, nicht die knospenden Biedermeierlüste einer kommenden Windel- und Schnullergebieterin, sie ist mit dem Entsetzensblick der widerwillig ins Existenzleere Gestoßenen die Welt- und Wortverlorene. [...]
Auch der finstere Angelpunkt im Hintergrund des Stücks, Klytämnestra, die Rabenmutter und Gattenmörderin, sehnt sich hier, so wie sie sich in Gestalt der raubvogelartig glattgekämmten und kostümierten Catrin Striebeck in die Welt-Scharte zu ihrer Tochter Elektra drängt, der sie den Fuß in den Nacken setzt, nach irgend einem erlösenden, erklärenden, die Welt ihr aufschließenden Wort. (FAZ)

Hofmannsthals Forderung an das Bühnenbild („Enge, Unentfliehbarkeit, Abgeschlossenheit“) hat Olaf Altmann geradezu ingeniös realisiert: In riesigem, anthrazitgrauem, hölzernem Schachtelrahmen steckt ein schräger Schlitz: der winzige, ungemein behindernde, wie eine Wunde klaffende Spielraum. Jeweils zwei der Protagonisten [...] müssen sich auf dem abschüssigen Boden verrenken, zwischen die Wände zwängen, sind ineinander verschlungen und scheinen zugleich geometrische Muster zu bilden. [...]
Die Elektra der wunderbar intensiven Christiane von Poelnitz braucht weder Masken noch Kothurn der griechischen Tragödie: Ihre Gesichtszüge sind erstarrte Emotionen, aus eigener Kraft wächst sie ins Monumentale: [...] Die weit aufgerissenen Augen, die gespreizten Finger, die Gebärden von Hass und Triumph der Poelnitz sind faszinierend, unvergesslich. Sie zieht sämtliche Register ihrer Orgelstimme – vom hellen Kleinmädchenhaften bis zum gefährlichen Alt.
[...] Elektras Rachewucht, ihre fixe Idee, stammt aus den Sphären sexueller Wünsche: nach dem Einssein, der Vereinigung mit dem Vater. Aber sie verdrängt derlei nicht ins Unbewusste, Christiane von Poelnitz zeigt’s mit grandioser Schamlosigkeit und unerbittlicher Konsequenz.
Hofmannsthals und Thalheimers „Elektra“ ist ein wahrlich starkes Frauenkampfstück. (Die Welt)

Dieses Bild raubt einem die Luft, es erzeugt bei all seiner Großzügigkeit Platzangst. Über die ganze Breite der Bühne des Burgtheaters hat Olaf Altmann eine dunkelgraue Wand gebaut. In der Mitte ist von ganz oben bis zwei Meter über dem Boden ein Spalt, leicht geneigt, als ob dieser beängstigend enge Raum zu einer steinalten Grabkammer führte. [...] Nur das Licht ändert sich, aber die von Christiane von Poelnitz gespielte Titelheldin ist auf diese Engführung fixiert, die Mitspieler, die Elektra aufsuchen, sind ihr ausgeliefert, und auch das Publikum. [...]
Diese Aufführung kommt an die Grenze des Erfassbaren und des gerade noch zu Ertragenden, so intensiv wirkt die Sprache, so kompromisslos dicht wird gespielt. [...] Von Poelnitz hat unter Michael Thalheimers in der Zurückhaltung subtiler, im Effekt kraftvoller Regie einen großen Abend gegeben, bei dem das kleine Ensemble in jeder Phase harmonierte und vor allem die drei Frauen einen starken Eindruck hinterließen. [...]
Von Poelnitz, aber auch Striebeck und Vetter gelingt es, die überhöhten Figuren voll Ernst zu repräsentieren. [...] Das Pathos bringt nicht zum Lachen, es wird fein differenziert. [...] Diese Elektra empfängt ihre Gesprächspartner wie eine Königin, für jede und jeden hat sie eine eigene Kommunikationsstrategie. [...]
Es ist fantastisch, wie differenziert von Poelnitz und Vetter mit den Projektionen spielen, so genau nämlich, dass sie bei all der feierlichen Sprache nie aus der Rolle fallen, mit selbstverständlicher Natürlichkeit immer im Heute bleiben. [...] Striebeck legt ihre Rolle, den Kontrapunkt zur nicht verzeihenden Tochter, äußerst fein an. Dem Herrischen der schwarz gewandeten Königin ist Zweifel beigemischt, als wäre Klytämnestra immer auch bewusst, dass sie Elektra ausgeliefert ist. Striebeck ist hier eine echte Tragödin, ihr Mienenspiel treibt sie sehr weit, bis zur Fratze, während sich von Poelnitz in diesen Momenten klug zurücknimmt. (Die Presse)

Die Bühne, die sich Michael Thalheimer von Olaf Altmann für seine Inszenierung hat bauen lassen – der schmale Schlitz in der mächtigen Wand, in dem die komplette Aufführung spielt und der den Figuren kaum Spielraum lässt – diese Bühne setzt die Ausweglosigkeit von Elektras Schicksal zwingend ins Bild. Sie verleiht der ganzen Aufführung aber auch etwas Statisches, Lebloses.
Auch Elektra bleibt als Figur monumenthaft. Hugo von Hofmannsthal hat sie als Gegenentwurf zu Goethes verteufelt humaner Iphigenie gestaltet. Elektra ist von einer geradezu übermenschlichen Konsequenz, zumal so, wie Christiane von Poelnitz sie an der Wiener Burg spielt: hart, unerbittlich, von eisiger Kälte. (dradio.de)

Eine wuchtige, schwarze Mauer, in deren Mitte sich nur ein schmaler Spalt als Eingang in den Atridenpalast auftut (Bühne: Olaf Altmann): Mehr Spielraum als diese beklemmend enge Öffnung gesteht Michael Thalheimer [...] den Darstellern nicht zu. [...]
Es geht um Elektra, die sich in die Trauer um den idealisierten, geliebten Vater [...] von Jahr zu Jahr mehr in blutige Rachevisionen hineinsteigert. Christiane von Poelnitz zeigt mit erschreckender Intensität und Sprachgewalt diese verhärtete Frau, die kein anderes Lebensziel kennt. [...]
Viel Applaus für puristisches, bewundernswertes, oft atemberaubendes, manchmal doch allzu artifizielles Schauspielertheater auf einer Bühne, die Hofmannsthals Bemerkung von der „grässlichen Lichtlosigkeit“ seines Werkes grandios verdeutlicht. Vor allem aber: ein Triumph für Christiane von Poelnitz. (Wiener Zeitung)

Diese Figur in ihrer schicksalhaften Zerrissenheit, ihrem Kampfeswillen und der endlosen Erschöpfung erweckt Christiane von Poelnitz zum Leben: Ihr nuancenreiches Spiel, ihr Schreien und Flüstern, Klagen und Trauern trägt die Inszenierung.
Mit ihr im von Schatten umgebenen Hohlraum (Lichtregie: Friedrich Rom) zwängt sich Adina Vetter als fast durchsichtige, brüchig-naive und glaubhafte Chrysothemis. Catrin Striebeck vereint als Klytämnestra gekonnt bedrohliche mütterliche Zärtlichkeit und hysterische Angst. Falk Rockstroh verleiht seinem Ägisth die unheitere Banalität eines Emporkömmlings und Tilo Nest ist, in Jackett und Unterhose (Kostüme: Katrin Lea Tag), ein geschlagener, verunsicherter Krieger. (Tiroler Tageszeitung)

Einer der Hauptdarsteller dieses faszinierenden Theaterabends ist das Bühnenbild von Olaf Altmann: In einer kahlen, grauen Wand klafft ein schräger Riss. [...] Vor allem aber ist dieses Bühnenbild eines: Eine gute Idee. Denn nur in diesem Spalt wird gespielt. Das klaustrophobische, reduzierte Spielen, Drängeln, Verrenken auf engstem Raum wirkt gleichzeitig beklemmend wie komisch.
Die zweite Hauptdarstellerin ist die entfesselt aufspielende Christiane von Poelnitz. [...] Wenn sie sich etwa zu Beginn in die Rachevisionen der Elektra hineinfallen lässt und dabei Bilder entwirft, durch die Bäche von Blut fließen, ist sie so überzeugend, dass man es mit der Angst zu tun bekommt. [...]
Regisseur Michael Thalheimer erzählt diese wilde Geschichte auf 80 Minuten verdichtet, virtuos, artifiziell, hinreißend. Der Abend ist alles andere als leicht verdaulich, wirkt aber geradezu magisch. (Kurier)

Es ist eine radikale, beklemmende Inszenierung, die sich Michael Thalheimer da im Burgtheater realisiert hat. Maßgeblichen Anteil daran hat Olaf Altmanns klaustrophobisches Bühnenbild. Der Bühnenvordergrund ist mit einer schwarzen Wand verriegelt. Eingelassen in die Schwärze ist einzig und allein ein schmaler, schräger Schlitz, eine Art Entlüftungsschacht. [...] In mörderischer Enge versucht Elektra ihre zaudernde Schwester Chrysothemis zu überreden, die gemeinsame, gattenmörderische Mutter hinzumetzeln, auf dass der Tod des Vaters gesühnt werde. [...] Christiane von Poelnitz gibt die Elektra im Burgtheater als Heroine der Dissonanz. (dradio.de)

Beeindruckend, einer Furcht erregenden Giftspinne gleich erscheint etwa Catrin Sriebeck als Gattenmörderin Klytämnestra mit ihrer Bitte um ein Mittel gegen ihre Träume. Striebeck gelingt perfekt die Figur der Lauernden, von bösen Ahnungen Geplagten und vom (eigenen) Blutopfer Bestürzten. (Kronen Zeitung)

„Wie man ein Wort oder einen Satz ausspricht, darauf kommt vieles an“: Dies ist auch als der entscheidende Satz in Michael Thalheimers Inszenierung, die als kaltes Entäußerungstheater dezidiert die Körperlichkeit von Hofmannsthals Sprache betont. [...]
Jedes Wort überartikulierend, ist Christiane von Poelnitz die zynisch-verzweifelte Titelheldin, ganz die große Tragödin. Der Lichtregisseur Friedrich Rom leuchtet ihr schmerzverzerrtes Gesicht grell aus, sodass sie mit dramatisch schwarz geschminkten, weit aufgerissenen Augen wie eine Stummfilmheroine aussieht.
Melodramatisch ist auch der Auftritt ihrer Schwester Chrysothemis. Der blassen, zarten Adina Vetter hat Regisseur Thalheimer knallrote Lippen gemalt: Als krasses Gegenbild zu Elektra möchte sie so schnell wie möglich der Vergangenheit entrinnen und ein „normales“ Leben als Frau und Mutter führen. [...]
Catrin Striebeck ist in dieser Inszenierung eine furienartige Klytämnestra. Ihre Augen sind von Schlaflosigkeit dramatisch gerötet, die Arme breiten sich krakenartig aus. [...] Träume und Worte leiten diese „Elektra“, die Michael Thalheimer als psychoanalytische Gespensterstudie interpretiert. Sämtliche Figuren sind Aspekte von Elektras Identität. (Salzburger Nachrichten)

Christiane von Poelnitz zieht alle Register ihrer Sprechstimme, sie singt sich beinahe durch die Emotionslagen. Ganz hell kann sie klingen, nach schutzbedürftigem blonden Mädchen, und sogleich virtuos umschalten in einen orgelnden Alt, gefährlich, geheimnisvoll. [...]
Keine zwei Frauenschultern breit ist dieser Schacht, in dem sich Elektra aufhält, wo sie als dämonische Kraft sozusagen Hof hält. [...]
Chrysothemis, die Schwester, [...] Adina Vetter spielt sie als eine Art lichter Spiegelfigur der Schwester, die mindestens so seelendeformiert ist wie die vermeintliche Furie Elektra. [...]
In der Enge sind die jeweiligen Protagonistinnen verknüpft und aufeinander bezogen wie klassische griechische Figurengruppen. Berührungen, Gesten, das ganz aussichtslose Voneinander-weichen-Wollen: Das ist dicht entwickelt, unmittelbar aus dem Text heraus. [...]
Eine wichtige Rolle aber kommt dem Licht zu: Magische Wirkungen erreicht Friedrich Rom, wenn er Thalheimers Bewegungs- und Gesten-Choreographie von der Seite ausleuchtet. Das setzt dem skulpturalen Effekt noch eins drauf. Da wird die Verkeilung der Figuren, ihre Ausweglosigkeit deutlich. (Nachtkritik.de)

Von Poelnitz stemmt ihre herausfordernde Rolle beeindruckend vielschichtig: mal schüchtern, dann wieder auftrumpfend, mal weinerlich, dann herrisch, mal geknickt, dann manisch. ihr gelingt es, dem Wahnsinn ihrer Figur zugleich eine nüchterne Note zu verleihen. [...] Thalheimer hat eine Düsterkeits-Überwältigungsmaschinerie angeworfen, die gnadenlos über alles hinwegrollt. Mitunter wirkt „Elektra“ wie Theater aus fernen Zeiten, als man gern mit feierlichem Pathos deklamierte, als Sprache noch eine Art Oper ohne Musik war. (Profil)

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