Burgtheater

Wille Wahl Welt Don't Cry Burg
Stefan Wieland, Sunnyi Melles, Joachim Meyerhoff, Peter Simonischek

Thomas Bernhard
‹Der Ignorant und der Wahnsinnige›

In einer Garderobe in der Staatsoper: der „Vater“ und der „Doktor“, der Ignorant und der Wahnsinnige. Sie warten auf den Auftritt der „Königin der Nacht“. Dabei handelt es sich um die Tochter des halb blinden Ignoranten, die in dieser Nacht zum 222. Mal die Königin der Nacht aus Mozarts „Zauberflöte“ singen wird.

Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt fing der Vater mit dem Trinken an, die Tochter ist seitdem zur „Koloraturmaschine“ entmenscht. Die Oper und das Publikum sind ihr verhasst, allein die Perfektion bedeutet ihr noch etwas. Schon lange droht sie, alle weiteren Auftritte abzusagen. Ihren Vater quält sie, indem sie zu jeder Vorstellung noch später als zur vorigen erscheint, im buchstäblichen letzten Augenblick. Der befreundete Arzt, der Wahnsinnige, verkürzt dem Vater und sich die Zeit des Wartens, indem er diesem einen Einführungskurs in die Anatomie gibt, Abteilung Leichensektion. „Das Genie ist eine Krankheit. Der ausübende Künstler ein Krankheitsprozess.“ Streben nach tödlicher Vollkommenheit, Obsession und Selbstzersetzung, Bernhard schlägt in diesem frühen Stück, das nun zum ersten Mal im Burgtheater zu sehen ist, die großen Themen seines Werkes an.


In dieser Produktion wird aus künstlerischen Gründen auf der Bühne geraucht.

Königin der Nacht
Sunnyi Melles

Vater
Peter Simonischek

Doktor
Joachim Meyerhoff

Frau Vargo/Kellner Winter
Stefan Wieland

Regie: Jan Bosse

Bühnenbild: Stéphane Laimé

Kostüme: Kathrin Plath

Licht: Peter Bandl

Dramaturgie: Gabriella Bußacker

Kurzkritik:

Dieser Abend ist diesem Quartett und der Regie gelungen. Sie haben einen Klassiker erfolgreich belebt. (Die Presse)

Dass Bernhards beim Wort genommene Theatertexte der Zeit standgehalten haben, hat Regisseur Jan Bosse mit seiner kongenialen Inszenierung nachdrücklich bewiesen. (Wiener Zeitung)

Jan Bosse war bewusst: An Thomas Bernhard kann man zwar nicht groß herumdoktern, aber es kann gelingen, ihn aufzupolieren. Und hier hat er immerhin ein wenig gestrahlt. (Der Standard)

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Der Ignorant und der Wahnsinnige" fesselt auch noch nach vierzig Jahren. Regisseur Jan Bosse und ein erstklassiges Ensemble beleben diesen Klassiker. […]
Im Wiener Burgtheater hat man das Drama, das die Kunst und ihr Scheitern in artifizieller Vollendung seziert, soeben zum Jahreswechsel erstmals aufgeführt, in prominenter Besetzung. Wie hat sich dieses Stück, das zum Großteil aus Monologen des Doktors besteht, gehalten? Es ist noch immer großartig, wenn es so intensiv wie hier gespielt wird. Jan Bosse hat mit viel Gespür für Bernhards Musikalität inszeniert. Souverän gibt Joachim Meyerhoff den Arzt, kunstvoll zurückhaltend und doch stark präsent ergänzt ihn Peter Simonischek als Schnaps trinkender Vater der Sängerin, die von Sunnyi Melles herrlich überspannt gespielt wird. Stefan Wieland gewinnt der assistierenden Doppelrolle als Garderobiere und Kellner sinnvoll Bizarres ab - kurz, dieser Abend ist diesem Quartett und der Regie gelungen. Sie haben einen Klassiker erfolgreich belebt. (Die Presse)

Dieses Oszillieren zwischen einer Tragödie, die auch eine Komödie sein kann, deckt Jan Bosse in einer Bernhard beim Wort nehmenden Modellinszenierung in einem das (Burg)-Theater ästhetisch gekonnt spiegelnden Bühnenraum (Stephane Laimé) exemplarisch auf. Dank eines in Höchstform agierenden Ensembles mit komödiantisch unterhaltender Leichtigkeit, die dennoch Hintersinn signalisiert. […]Während Meyerhoffs Doktor, den nicht der Mensch, sondern nur dessen Organe als zu untersuchende Materie interessieren, sprachgewaltig mit einem privaten Sezierkurs auftrumpft, leistet Simonischek als wortkarger Partner auf seine Art Widerstand. Als gälte es zu beweisen, dass die sprachreduzierten Rollen bei Bernhard die eigentlich den Ton Angebenden sind, dirigiert er das Geschehen mit seinem Blindenstock, zeigt mit heimtückisch überlegenem Lächeln, was er von der gelehrten Suada des Doktors oder von dessen verschämt-koketter Reminiszenz an eigene Künstler-Träume als Bassist hält. Sunnyi Melles als verspätet eintreffende Sängerin wird da in der Tat als Kunstfigur zum Objekt und schwebt schließlich während ihrer Arie wie eine an Schnüren hängende Marionette in schwindelnder Höhe im Bühnenraum. […]
Dass Bernhards beim Wort genommene Theatertexte der Zeit standgehalten haben, hat Regisseur Jan Bosse mit seiner kongenialen Inszenierung nachdrücklich bewiesen. (Wiener Zeitung)

An die ironiefreie Deklamationskunst glaubt Jan Bosse nicht. Er zieht vor allem an der Figur des Doktors die Sätze Thomas Bernhards ins Klamaukige. Das beeinträchtigt die Sprache in ihrer eigenen Künstlichkeit erstaunlicherweise nicht. Es bleibt ein Vergnügen, dem Fatalismus dieser Monologe zu folgen. […]
Theater als Apéro für einen langen Abend? Nicht nur. Allein im großen Bühnen-Flug der Königin der Nacht vom Schauplatz Oper im ersten Akt zum Schauplatz Restaurant im zweiten Akt liegt das genial Einfache dieses Abends. Jan Bosse war bewusst: An Thomas Bernhard kann man zwar nicht groß herumdoktern, aber es kann gelingen, ihn aufzupolieren. Und hier hat er immerhin ein wenig gestrahlt. (Der Standard)

Der Segen der Wiener Aufführung heißt Sunnyi Melles: Ihr Erscheinen bringt, gleich dem einer Schutzpatronin, die Wende zum Guten. Schon wenn sie sich einträllert, mit Tee gurgelt, girrend lacht, ist das ein Ereignis. Die äußerste Anspannung einer disziplinierten Hysterikerin passt ihr wie angegossen, sie umgibt die Aura des Starglanzes und der Starbeschädigung. Und dass sie die Arie Der Hölle Rache" hoch oben im Bühnenhimmel pendelnd singt, genauer gesagt: markiert, sorgt für die magischen Momente verrückten Zaubers, ohne den auch Oper nicht funktioniert. Diese Königin der Nacht ist eine Königin des Theaters. (Die Welt)

Beinahe nostalgisch wirkt das Trio, das sich in der Operngarderobe und danach beim finalen Besäufnis mit Champagner in den einst berühmten „Drei Husaren" (deren leere Hülle es in der Weihburggasse noch gibt) ihren Weltsichten, anatomischen Kenntnissen und Beziehungskrämpfen hingibt. Immerhin hat Jan Bosses Inszenierung im stimmungsvollen Bühnenbild von Stephane Laimé Ironie, kehrt Groteskes ebenso hervor wie Banales. Bosse hält die Figuren, die Königin der Nacht, deren Vater und den Doktor in Bewegung. Witzig verbindet er die zwei Akte mit Mozarts „Rache"-Arie, bei der die Primadonna trällernd durch die Szenerie schwebt. (Kronenzeitung)

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