Burgtheater

Ja es umgibt uns eine neue Welt! Torquato Tasso, Johann Wolfang Goethe
Nicholas Ofczarek, Florian Teichtmeister, Michael Maertens

Johann Nestroy
‹Der böse Geist Lumpazivagabundus›

Koproduktion mit den Salzburger Festspielen

Zauberposse mit Gesang in drei Akten

Im Zauberreich geht eine Seuche um: Lotterleben und Verschwendungssucht. Des Landes Söhne sind vom bösen Geist Lumpazivagabundus befallen und verjubeln zügellos das väterliche Erbe. Um die Knaben zu bekehren, bietet der Feenkönig ihnen ein letztes Mal Kredit an.

Lumpazivagabundus quittiert dies lediglich mit einem Lachen: „Reich will er sie wieder machen, da werden grad noch ärgere Lumpen draus.“ Denn Geld und Glück allein schaffen noch keine Sittlichkeit, solange keine wahre Liebe dabei ist. Eine Kränkung, die die Schicksalsgöttin Fortuna nicht auf sich sitzen lassen kann, weshalb sie mit der Liebesgöttin Amorosa eine Wette schließt, die zeigen soll, welche von ihnen die Mächtigere ist. Und hier kommen die eigentlichen Helden ins Spiel: drei Handwerksburschen, die der böse Geist ebenfalls vom rechten Weg geführt hat. Knieriem, Zwirn und Leim. Diese will Fortuna mit aller Macht bekehren. Aber das ist gar nicht leicht. Nestroy spielte das Stück, sein erfolgreichstes, von der Uraufführung 1833 bis zu seinem Rückzug von der Bühne 1862.

Eine Koproduktion mit den Salzburger Festspielen


In dieser Produktion wird aus künstlerischen Gründen auf der Bühne geraucht.

Stellaris, Feenkönig
Peter Wolfsberger

Fortuna, Beherrscherin des Glücks, eine mächtige Fee
Maria Happel

Brillantine, ihre Tochter
Katharina Knap

Amorosa, eine mächtige Fee, Beschützerin der wahren Liebe
Mavie Hörbiger

Mystifax, ein alter Zauberer
Branko Samarovski

Hilaris, sein Sohn
Benjamin Martin

Fludribus, Sohn eines Magiers
André Meyer

Lumpazivagabundus, ein böser Geist
Max Mayer

Leim, ein Tischlergesell
Florian Teichtmeister

Zwirn, ein Schneidergesell
Michael Maertens

Knieriem, ein Schustergesell
Nicholas Ofczarek

Pantsch, Wirt und Herbergsvater in Ulm
Hermann Scheidleder

Fassel, Oberknecht in einem Brauhause
Stefan Wieland

Nannette, Tochter des Wirts
Mavie Hörbiger

Sepherl
Katharina Knap

Hannerl
Maria Happel

Ein Hausierer
Peter Wolfsberger

Ein Tischlergesell
Michael Masula

Strudl, Gastwirt "Zum Goldenen Nockerl" in Wien
Hermann Scheidleder

Hobelmann, Tischlermeister in Wien
Branko Samarovski

Peppi, seine Tochter
Katharina Knap

Anastasia Hobelmann, seine Nichte
Mavie Hörbiger

Gertraud, Haushälterin in Hobelmanns Hause
Maria Happel

Reserl, Magd daselbst
Mavie Hörbiger

Hackauf, Fleischermeister in Prag
Hermann Scheidleder

Ein Maler
Stefan Wieland

Erster und Zweiter Bedienter, bei Zwirn
Peter Wolfsberger
Branko Samarovski

Erster und Zweiter Gesell, bei Zwirn
André Meyer
Michael Masula

Herr von Windwachel
Max Mayer

Herr von Lüftig
Benjamin Martin

Signora Palpiti
Maria Happel

Camilla und Laura, ihre Töchter
Mavie Hörbiger
Katharina Knap

Wirtin in einer Dorfschenke unweit Wien
Max Mayer

sowie als Söhne der Zauberer, Feen und Elfen, Herbergsgäste in Ulm, Hochzeitsgesellschaft in Wien, Schöne Welt von Prag: Von der Jungen Burg des Burgtheaters
Sophie-Christine Behnke
Aaron Friesz
Johannes Hoff
Anna Hofmann
Amrei Keul
Sebastian Radon
Noah Saavedra
Florenze Schüssler
Larissa Semke
Genet Zegay

Musiker
Karsten Riedel
Thomas Hojsa
Bernhard Moshammer

Regie: Matthias Hartmann

Bühnenbild: Stéphane Laimé

Kostüme: Victoria Behr

Musik: Karsten Riedel, Tommy Hojsa, Bernhard Moshammer, nach Motiven von Adolf Müller

Zusätzliche Liedtexte: Nicolaus Haag, Bernhard Moshammer

Licht: Peter Bandl

Dramaturgie: Andreas Erdmann

Jänner

Samstag, 07.01.2017 | 20.00 UhrBurgtheaterKarten

Sonntag, 22.01.2017 | 16.00 UhrBurgtheaterKarten

Pressestimmen zur Premiere am Burgtheater:

Matthias Hartmanns opulente „Lumpazivagabundus“-Inszenierung [...]: Ein amüsantes Spektakel mit toller Musik und drei markanten Protagonisten. [...]
Sein Nestroy ist [...] erfreulich eigenständig, weit weg von alt-wienerischem Kitsch, Achim Bennings frostigen Kreationen, aber auch ohne Regietheatergags. Die Aufführung wirkt seriös, humorvoll aus der Geschichte, dem Stück, der Historie heraus entwickelt und aktualisiert. Zu sehen ist eine Gesellschaft, die Winner und Loser erbarmungslos entzweite. Eine dumme Comedy ist das nicht. [...]
Besonders erfreulich sind der wilde Disco-Start mit Stroboskopgeflimmer und der Schluss, wenn die zwei Lumpen, Knieriem und Zwirn, aus einem Puppenhaus herausschauen wie auf den alten Fotos, auf denen die Leute durch Löcher aus einer mit Kostümen bemalten Wand in die Kamera sahen; sie wollten nobel, nicht realistisch aussehen. Wunderbar ist auch die Szene, in der der stockbesoffene Knieriem, von Leim eingesperrt, die Rigipswand zerschlägt und dahinter das Wirtshaus erscheint, in dem „Sierra Madre“ gegrölt wird. Da ersteht in wenigen Strichen eine ganze Kultur schlichter, ja auch billiger Unterhaltung von Ferienklubs am Meer bis zum Musikantenstadel. Karsten Riedels Musikmix aus rauem Punk, Balladen und Volksmusik ist erneut großartig gelungen. Aus Adolf Müllers Leierkasten zaubert Riedel ein wahres Feuerwerk schriller und schräger Töne, das biedermeierliche Original mischt er fröhlich und sarkastisch auf. Phänomenal ist der Knieriem von Nicholas Ofczarek: die Studie eines Alkoholikers, ein delirierender Träumer – und dabei auch noch komisch. Etwas fremd wirkt der Zwirn von Michael Maertens mit seinem manierierten Meckern. So scharf ins Widerwärtige zugespitzt war dieser Hallodri noch nie zu sehen. Florian Teichtmeister macht aus dem netten Leim einen gnadenlosen Gutmenschen. Originell: der spastische Lumpazi (Max Mayer), der seinen Teufelshuf in Damenschuhen verbirgt. Maria Happel hatte als Fee Fortuna, eine Angela-Merkel-Parodie, viele Lacher auf ihrer Seite. Auch Mavie Hörbiger ist witzig als Amorosa, eine schlaue, schicke Tussi, und als schäumende Braut, die den falschen Ehemann erwischt hat, den weniger reichen.
[...] Hermann Scheidleder als Strudl gefällt dank sparsam dosierter Komik. Auch Branko Samarovski ist in seinen diversen Rollen goldrichtig. Dieser Nestroy zwischen Zeitgeist und Popkultur ist nicht rundum gelungen, aber etwas Neues. (Die Presse)

Wenn Nicholas Ofczarek Knieriems grimmig-trauriges Angst-Lied vom Weltuntergang anstimmt, ist das erstens die Wahrheit und zweitens ein österreichisches Drama. Er kann nicht anders, er wird halt gern rauschig und infolgedessen fuchtig. Selbst Michael Mertens, der im ersten Teil viel wiehert und greint, gewinnt an Intensität: Eine wandelnde Tragödie der Beziehungsunfähigkeit. Authentisch: Florian Teichmeiter als Leim. (Kurier)

Pressestimmen zur Premiere bei den Salzburger Festspielen:

Ofczareks Schusterbursche Knieriem aber brüllt und prügelt sich den Weg ins Offene frei, indem er Wände niederreißt: ein schmutziger Outlaw. Ausgerechnet diesem Säufer und Altpunk gehört die Sympathie des Regisseurs Hartmann. Das ist der Witz und die Überraschung dieser Aufführung. Es sind nicht der Spaß und die Versöhnung, die ihn reizen, sondern die bösen Geister, die stets verneinen. (Der Spiegel)

Hartmann entwirft eine harte, gnadenlose Studie einer Gesellschaft, in der man nur die Wahl hat zwischen einer eisigen, kapitalistischen, buchstäblich kleinkarierten (Kostüme: Victoria Behr) Spießerhölle im IKEA-Format – oder der Selbstzerstörung. (Kurier)

Ofczarek entwickelt sich immer mehr zum maßgeblichen österreichischen Volksschauspieler, in ihm sind Fritz Muliar, Otto Schenk, Attila und Paul Hörbiger, Helmut Qualtinger und sogar Hans Moser aufgehoben. Er hat das Zeug, die Tradition fortzusetzen [...]. (Die Zeit)

An diesen Säufer wird man sich erinnern [...]: Er springt jeder Silbe in den Nacken, packt und würgt sie, dass es ist, als sei ein Raubtier seinem Käfig entsprungen [...]. Er ist von jenem hintergründigen Witz aller Untergeher durchdrungen, die auf eine hoffenswerte Zukunft für sich selbst und den Planeten nicht mehr zählen [...]. Er ist der Schustergeselle Knieriem, den Nicholas Ofczarek zum Weltwegsäufer, zum Grossfürsten seines eigenen Freiheitsreiches erhebt. (NZZ)

Matthias Hartmann kann Kunst, er kann aber auch Komik. Mit seiner Version von Johann Nestroys „Lumpazivagabundus“ nimmt er sogar die Kanzlerin [Angela Merkel] auf den Arm. Prall, schrill und schräg - eine gekonnte Inszenierung. (Deutschlandfunk)

Matthias Hartmann folgt Nestroys Vorlage ohne Extravaganzen und nutzt die Ansätze, die sie für Aktualisierungen gibt. Stéphane Laimé hilft ihm mit einer verspielt-witzigen Ausstattung. Er betont einen manieristischen Zug, der die ganze Inszenierung prägt. (Salzburger Nachrichten)

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Kurz: Dieser Theaterabend ist eine Provokation. Hartmann nimmt sich ein Stück aus dem Jahr 1833, das von Nestroy-Fans als bitterböse gerühmt wird – und macht daraus, wie es scheint, einen Exzess der Harmlosigkeit. Er erzählt das Märchen von den drei Kumpanen Leim, Zwirn und Knieriem [...] nicht als Horrorstück. Er tut so, als wäre die Story nichts anderes als Klamauk. Der Bühnenbildner Stéphane Laimé hat Hartmann eine hölzerne Wirtshauskulisse gebaut, die Kostümbildnerin Victoria Behr hat kreischbunte Kostüme entworfen, ein Musikantentrio bietet neben dem bei Nestroy üblichen Couplet-Geschrammel auch Schlager-Coverversionen von Werken wie „Bacardi Feeling“.
Lange Zeit ist das ein Brüll- und Lachtheater öligster Sorte. Viele Minuten lang spielt der Schauspieler Michael Maertens den Schneider Zwirn mit Schwuchtelmotorik; Nicholas Ofczarek torkelt sich als Schuster Knieriem durch die Paraderolle des Säufers mit dem Herzen am rechten Fleck; und Florian Teichtmeister dienert als Tischler Leim den Spießer hin, der vermutlich in jedem Halunken steckt. [...]
In Wahrheit aber will der Regisseur Matthias Hartmann mit seinem „Lumpazivagabundus“ gegen Ende ganz woanders hin – in ein Reich des grimmigen Ernstes. Nach der Pause treten seine Herumtreiberhelden plötzlich auf als schmerzgekrümmte Kreaturen. Die drei Gesellen sind jetzt Feinde. Jeder ist eingesperrt in seiner Egomanie, die Glückssuche hat sie in Monster verwandelt. Teichtmeisters Tischler Leim ist ein psychotischer Saubermann, Maertens’ Schneider Zwirn ein winselndes Gossentier, Ofczareks Schusterbursche Knieriem aber brüllt und prügelt sich den Weg ins Offene frei, indem er Wände niederreißt: ein schmutziger Outlaw.
Ausgerechnet diesem Säufer und Altpunk gehört die Sympathie des Regisseurs Hartmann. Das ist der Witz und die Überraschung dieser Aufführung. Es sind nicht der Spaß und die Versöhnung, die ihn reizen, sondern die bösen Geister, die stets verneinen. (Der Spiegel)

Michael Maertens in der Rolle des Schneidergesellen Zwirn [...] bündelt voller Enthusiasmus den österreichischen Argwohn gegenüber „dem“ Deutschen, er ist ein Pyrotechniker der Piefke-Klischees, er feuert sie glücklich in den österreichischen Abendhimmel und gibt den vorlauten Hochstapler, Windbeutel und Aufschneider, der sozusagen immer schon den Antwortbutton drückt, bevor das Schicksal, der große Quizmaster, überhaupt die Frage gestellt hat. [...]
Nicholas Ofczarek als Knieriem. Er hat schon in Hartmanns Wiener Inszenierung von Shakespeares „Was ihr wollt“ (2010) einem Trinker, dem Sir Toby von Rülps, die Ehre eines dunklen, würdevollen Auftritts gegeben, und nun tut er dasselbe mit dem Handwerksgesellen Knieriem. Diese Gestalt, gemeinhin als Rauschkugel, freier Geist und Stimmungsaufheller gespielt, verrät bei Ofczarek mit blutendem Herzen und schwimmendem Blick, was Unverwüstlichkeit in einer kleinbürgerlichen Gesellschaft kostet.
Ofczarek entwickelt sich immer mehr zum maßgeblichen österreichischen Volksschauspieler, in ihm sind Fritz Muliar, Otto Schenk, Attila und Paul Hörbiger, Helmut Qualtinger und sogar Hans Moser aufgehoben. Er hat das Zeug, die Tradition fortzusetzen [...]. (Die Zeit)

Matthias Hartmann ist der Spitzbube unter den Regisseuren. Er kann Kunst, er kann aber auch kasperln. Mit dem „Lumpazivagabundus“ [...] hat er das Publikum nach genau drei Minuten im Sack. Mit einem Auftritt von Maria Happel als Fee Fortuna mit Angela Merkels Topf-Frisur und unzweideutigen Gesten: Der Merkel-Coup gelingt glänzend, im Hintergrund prangt der Europa-Sternenkranz, Feenkönig Stellaris ist ebenfalls ein hochrangiger EU-Politiker. [...]
Um diese Spiel-im-Spiel-Handlung noch zu toppen [...] hat Bühnenbildner Stéphane Laimé die aufwendig konstruierten hölzernen Gerüste und Gestänge eines Vorstadttheaters in die Halle gesetzt. Bemalte Prospekte in Form von Wolken oder Wald werden hereingeschoben und spiegeln naive Volkstheater-Ästhetik vor, die aber jederzeit ironisch gebrochen ist, ob durch die Kostüme oder die Musik. [...] Die Inszenierung ist prall, schrill, schräg, hat jede Menge bonbonfarbene Schauwerte und vor allem drei Protagonisten, die der Ausstattungsorgie mit unglaublicher Bühnenpräsenz locker trotzen. Florian Teichtmeister ist der treuherzig verliebte Tischlergeselle Leim. Michael Maertens als Schneider Zwirn macht den Piefke mit Meckerstimme wie direkt bei Wilhelm Busch abgemalt. Dagegen ist Nicholas Ofczarek als Knierim ein unheimlich echt dauerbesoffen wirkender Melancholiker mit langem Schnauzer und Schlapphut und das wienerische Herz dieser Aufführung.
Die Drei sind hervorragende Comedians und bilden das Gerüst der atmosphärisch dichten [...] Inszenierung. (Deutschlandfunk)

Nicholas Ofczarek ist eine Wucht: Seine Darstellung des Schusters Knieriem in Nestroys böser Zauberposse offeriert eine präzise Studie des Alkoholismus fast bis zum Delirium. Mit bösen Augen und auch mit toten schaut dieser Knieriem über den Rand seines Bierkrugs in die Welt. Manchmal glänzen sie, aber das ist eine trügerische Hoffnung, denn dann rinnt aus ihnen schon der Schnaps heraus. [...] Dieser Schuster hat nichts Gemütliches. Er weiß um den eigenen Untergang, den er mit dem fantasierten Weltuntergang durch einen Kometen kaschiert. Da hilft kein Lotteriegewinn, da helfen keine sorgenden Freunde: „Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang.“ Knieriem ist das Gravitationszentrum in „Der böse Geist Lumpazivagabundus“, ein Moment der Wahrheit, obwohl er just in der Mitte fehlt. Johann Nestroy hat diese Rolle in seinem 1833 uraufgeführten Stück selbst gespielt. Publikumslieblinge wie die beiden Hörbiger oder auch Qualtinger folgten ihm nach. Jetzt hat sich auch Ofczarek in die Tradition gestellt, und er macht das fantastisch, ohne Kitsch, aber mit unheimlicher Gewaltbereitschaft und einem Stamperl Melancholie. Er kommt in dieser Inszenierung [...] Nestroys Bosheit nah. [...]
Die Bühne hat Stéphane Laimé als reizende Collage aus Holzgerüsten, biedermeierlichen Versatzstücken und ein wenig Pop gestaltet. Karsten Riedels Musik, die von Rock über Schlager bis zu Mozart und Jodlern vieles zitiert, passt zur Mehrzweck-Staffage. Und Charakterköpfe wie Branko Samarovski, André Meyer oder Hermann Scheidleder in verschiedenen Nebenrollen als Zauberer, Wirte, Diener auftreten zu lassen, ist purer Luxus. Die sind Treffer für jede Aufführung. Das gilt besonders für Maria Happel, hier in Dreifachrolle! Sie brilliert als falsche Signora, schwäbische Haushälterin – und Glücksfee. Da jauchzen die Leute, wenn diese Fortuna, personifiziert als Angela Merkel im Reich der Feen das Füllhorn für abgebrannte Prinzen ausschüttet. [...]
Nehmen wir zum Beispiel den arbeitsscheuen und nach Luxus gierenden Schürzenjäger Zwirn. Michael Maertens, in der Komik mit feinem Timing gesegnet, macht ihn zum hyperaktiv tänzelnden, meckernden Gecken mit Ziegenbart. [...] Happel hingegen führt als halbseidene Mama vorbildlich vor, wie Erotik funktioniert. Wenigstens erscheint [...] der Tischler Leim so brav, wie es angemessen ist. Florian Teichtmeister spielt ihn mit angenehmer Zurückhaltung und lässt Nestroy zu Wort kommen. [...]
Vor allem der Einstieg mit einem von Punk infizierten Feenreich, in dem die Jungen keine Zukunft sehen, die langhaarigen Alten ratlos danebenstehen, bringt die Geschichte auf einen – aktuellen – Punkt. Und der Schluss ist brutal herzig, ein scheinbares Idyll, in der die drei Handwerker aus einem großen Puppenhaus gucken. Leim schaut bieder, Zwirn scheint wieder auf dem Sprung, Knieriem kippt ein Glaserl. Als wäre bereits Weltuntergang. (Die Presse)

Fortuna (Maria Happel) aber gleitet als Angela Merkel durch die Kulissen. Die Frisur sitzt, die Perlenkette glänzt. Daumen und Handfläche werden absolut authentisch aneinandergelegt. Die ersten Lachstürme brausen durch die Salinenhalle. [...] Schuster Knieriem verweigert bekanntlich jede Arbeit mit Hinweis auf das Kommen des Kometen. Es ist Ofczarek selbst, der einem abgestürzten Himmelskörper gleicht. Mit hängenden Schnurrbartspitzen nimmt er die ganze Welt ins Visier. Es gibt nur kein Gegenüber für seine Wut, die er mit Bier und Schnaps herunterkühlt. Ofczarek ist ein herrlich depressiver Nestroy-Virtuose. Vielleicht entspringt Hartmanns Inszenierung auch nur Knieriems Delirium. Die Fratzen der hell toupierten Geister (Mitglieder der Jungen Burg) deuten darauf hin. [...] Tischler Leim (Florian Teichtmeister) gehört ganz der Welt der Wiener Nestroy-Tradition an. Er ist der Einzige, der seinen Lotteriegewinn sinnreich verwaltet. Man kann ihm dabei zusehen, wie ihn der Reichtum korrumpiert. Sein weiterer Lebensweg beschert ihm Golfhosen, eine fade Gemahlin (Katharina Knap) und ein trautes Glück unter Überwachungskamera-Augen. (Der Standard)

Das erste von zahlreichen Highlights [...]: Maria Happel gibt die Fee Fortuna als hinreißendes Angela-Merkel-Double, bemüht zu beweisen, dass man mit Geld die Dinge regeln kann. (ORF.at)

Ganz wunderbar gelingen dafür andere Szenen, vor allem, wenn Florian Teichtmeister als Leim beteiligt ist, der so etwas wie Wahrhaftigkeit bewahrt [...]. Seine Szenen mit der verloren geglaubten Liebsten (Katharina Knap) sind einfach auf eine zarte Weise schön. Und die mit Hermann Scheidleder [...] sind von einer hinreißenden, zurückgenommenen Komik. [...]
Grandios ist Nicholas Ofczareks Darstellung des Knieriem: Er entwirft schonungslos die Studie eines Alkoholikers im Endstadium, der brüllend und sabbernd zum Branntweiner kriecht.
Florian Teichtmeister ist stark, seine Verwandlung zum tiefgekühlten Spießer gelingt erschreckend gut. [...]
Das Schlussbild ist dann so großartig, dass einem der Atem wegbleibt: Die Köpfe von Leim, Zwirn und Knieriem stecken in einem Puppenhaus, wie mit Psychopharmaka sediert, zelebrieren sie ihr Spießeridyll. [...] Großer Jubel für das tolle Ensemble (vor allem für die Hauptdarsteller und Maria Happel) und die sensationell gute Live-Band rund um Karsten Riedel. (Kurier)

Den großen anderen Aspekt aber fängt Hartmann auf Stéphane Laimés Bühne beachtenswert ein: „Lumpazivagabundus“ ist ein Stück des lustvoll gewählten Untergangs. Zwei der drei Handwerksgesellen, die von der zynischen Obrigkeit der Feenwelt mit Wohlstand überschüttet werden, sind lieber Vagabunden als Legitimisten. Die in die EU verlegte Geisterwelt (brillant: Maria Happel als Angela Merkel) legitimiert sich aus Nestroys Technik der Travestie. Nicholas Ofczarek ist mit dem Knieriem im Gigantenformat eingetroffen. Dem vorzüglichen Florian Teichtmeister gelingt der Coup, denmeist blassen Gutmenschen Leim zum vormärzlichen Widerling zu ziselieren. Michael Maertens knackt die Sprachbarriere mit Texttreue und pantomimischem Genie. Glänzend: Mavie Hörbiger, Branko Samarovski und Hermann Scheidleder. (News)

Vor allem das überragende und stargespickte Schauspiel-Ensemble lässt die schrill-bunte und klamaukhafte Inszenierung überzeugen: Nicholas Ofczarek gibt mit tiefstem Wienerisch einen grandiosen Schustergesellen Knieriem, der sich irgendwo zwischen Helmut Qualtinger und Edmund „Mundl“ Sackbauer [...]. Sein versoffener Knieriem ist nicht nur komisch, sondern bekommt mit seiner fatalistischen Weltsicht – ein Komet wird bald eh alles zerstören – immer wieder echte Tiefe.
Michael Maertens gibt den gierig-triebhaften Schneider Zwirn mit überzogenem deutschen Akzent als schrägen, meckernden und leicht besserwisserischen Piefke, der sich aber durch nichts zu einem bürgerlichen Leben verführen lässt. Florian Teichtmeisters Tischlergeselle Leim, der als Einziger des Trios über die Liebe zu seiner Peppi schnell zum ordentlichen Leben findet, ist erst naiv und später im Spießerdress blasiert. [...] Die recht strenge Fortuna Maria Happel ist als Merkel-Persiflage mit steter Rauten-Handhaltung oder unbeholfener Jubel-Gestik wirklich witzig. (dpa)

Angela Merkel als huldvolle Kreditgeberin, großartig parodiert von Maria Happel, die später noch in anderen Absahner-Auftritten zu den komödiantischen Höhepunkten der Inszenierung beiträgt. (Süddeutsche Zeitung)

Victoria Behrs Epochen verschmelzende Kostüme erzählen stumm ganze Geschichten – etwa über den bürgerlichen Anpassungsdruck. Leim trägt das gleiche Jogging-Dress wie alle im Haus Hobelmann. Hermann Scheidleder ist ein rarer Solitär: ein Ensemblespieler der alten Schule, wenn für wenige Momente die Kunst mit aller Kraft in der feinsten Nuance losschlägt. Man muss ihn als düpierten Dickwanst im Hochzeiterfrack gesehen haben. (Wiener Zeitung)

Darin brilliert auch Maria Happel – als Merkel-Fortuna im Reifrock oder Schwarzwälder Haushälterin. Irrwitzige Kostüme (Victoria Behr) mit turmhohen Barockfrisuren über Nackt-Trikots bis rosa Mode-Perücken über Glitzerminis verblüffen. (Abendzeitung München)

Florian Teichtmeister als Leim [...] leidet zuerst an namenloser Liebes-Depression und kompensiert dann alles durch den Einstieg ins bürgerliche Leben, durch Heirat und Emsigkeit. In sportlichen Shorts und Turnschuhen, wie Parodien auf die Bürgerlichkeit der Wirtschaftswundergeneration kommen er und die Seinen daher, wogegen Kostümbildnerin Victoria Behr alle Kunst drauf verwendet hat, die Verlottertheit von Knieriem und Zwirn geradezu pedantisch umzusetzen. Jeder Fleck, jeder Riss in der Kleidung am rechten Platz! (Nachtkritik.de)

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