Burgtheater

Ja es umgibt uns eine neue Welt! Torquato Tasso, Johann Wolfang Goethe
Daniel Sträßer, Jasna Fritzi Bauer

‹Die Reise nach Petuschki›

nach Wenedikt Jerofejew

„Fahr nach Petuschki, fahr doch! Petuschki – das ist deine Rettung und deine Glückseligkeit. Fahr los!“ Wenja also fährt los.

Wie sollte er auch nicht auf die Engel hören? Die Zugfahrt kann er zwar nicht bezahlen, aber der Schaffner will gar kein Geld, sondern in Wodka vergolten werden – und der geht Wenja selten aus. Mit den anderen Reisenden streitet er
darüber, ob Goethe ebenso ein Alkoholiker war wie Schiller und wie man am besten mit Schluckauf umgeht; man sinniert über die Sozialdemokraten und tauscht neue Cocktailrezepte aus. Doch fährt der Zug nicht plötzlich in die falsche Richtung?
Wenja ist ein Geschichtenerzähler und Säufer in einer aussichtslosen Lage – auf der Suche nach Erlösung.
Der Schriftsteller Wenedikt Jerofejew teilt mit seiner Hauptfigur neben dem Vornamen auch den Alkoholismus, sein 1969 verfasster Roman, den er selbst als „Poem“ bezeichnete, war in der Sowjetunion lange verboten.

Regie: Felicitas Braun

Bühne: Sonja Böhm

Kostüme: Aleksandra Kica

Musik: Robert Zimmermann

„Wenja“ ist zwar der Protagonist des Romans, durch die zunehmende Benebelung spielen seine Halluzinationen allerdings zusehends die Hauptrolle. Und für dieses Drumherum sorgt auf der Bühne Jasna Fritzi Bauer im Alleingang.
Die quirlige Schweizerin spielt sämtliche Nebenfiguren und Fabelwesen, steuert mit einem Overhead-Projektor das Licht und bemalt die darauf liegenden Folien. Bauer wechselt immer wieder die Verkleidung, versorgt den Reisenden literweise mit Alkohol, verteilt die Requisiten auf der Bühne und lässt es sogar schneien. Kurz: Sie verkörpert gewissermaßen „das Theater“ [...]. Noch wichtiger: Sie unterstützt die lethargisch wirkende Hauptfigur nicht nur als Helferlein, sondern mit enormer Bühnenpräsenz.
Felicitas Braun setzt das Collagenhafte des Romans in ihrer ersten Regiearbeit am Burgtheater mit viel Fantasie und Mut zu improvisiert wirkenden Einfällen um. Musikalisch untermalt wird das skurrile Nicht-Geschehen mit Ukulele-Klängen und Liedern aus der russischen Folklore („Kalinka“) und aus der Popkultur („All the Things She Said“ von t.A.T.u.). Was „Reise nach Petuschki“ zugleich zum Lob und zum Abgesang auf die rauschhafte Jugend macht. [...]
Ein Hinweis noch: Früher kommen! Vor dem Beginn der eigentlichen Aufführung hält Jasna Fritzi Bauer einen erfrischenden Vortrag über "Das Bild der Eisenbahn in der russischen Literatur". Nüchtern wirkt an diesem Abend nicht einmal der wissenschaftliche Text eines Slawisten und Osteuropahistorikers. (Kurier)

Aus Texten von Wenedikt Jerofejew [...] haben die Regisseurin Felizitas Braun und die beiden exzellenten Schauspieler Jasna Fritzi Bauer und Daniel Sträßer einen kurzen Abend zusammengestellt, der zwei Personen in ständiger Verwandlung zeigt. [...] Komische, typisch russisch absurde Kombinationen führen die beiden auf genial-absurde Weise vor, die zum Lachen anregen soll. Das Lachen bleibt einem aber zuletzt im Halse stecken. Mit wenigen Requisiten (Bühne: Sonja Böhm) und Kostümverwandlungen (Aleksandra Kica) vollzieht sich dieser immer grotesker werdende Abend. Man kann die beiden Akteure nur bewundern. (Kronen Zeitung)

Suche im Spielplan



  • Bundestheater-Holding
  • Burgtheater
  • Staatsoper
  • Das Ballett
  • Volksoper
  • Art for Art/Theaterservice