Burgtheater

Ja es umgibt uns eine neue Welt! Torquato Tasso, Johann Wolfang Goethe

Karl Kraus
‹Die letzten Tage der Menschheit›

Koproduktion mit den Salzburger Festspielen

„Die unwahrscheinlichsten Taten, die hier gemeldet werden, sind wirklich geschehen; ich habe gemalt, was sie nur taten.“

Karl Kraus’ während des 1. Weltkriegs entstandener literarisch-theatraler „Angsttraum“ montiert dokumentarisches Material wie Zeitungsmeldungen und Feldpostbriefe mit operettenhaften Gesangseinlagen und surrealistischen Erscheinungen zu einem Pandämonium aus über 200 lose verknüpften Szenen. Der Weltkrieg erweist sich dabei immer auch als Krieg der Worte, die moderne Wissenschaft als Schöpferin einer Todesmaschinerie. Die monumentale Tragödie, „deren untergehender Held die Menschheit ist“, konzentriert sich vor allem auf die Heimatfront, das Wiener (und Berliner) Hinterland mit seinen Lügen verkaufenden Journalisten, Drückebergern und Kriegsgewinnlern jedweder Couleur. Wie ein Ankläger vor dem Jüngsten Gericht sammelt Kraus Beweis um Beweis – für Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gegen die Wahrheit und, nicht zuletzt, gegen die Sprache.

„Die Welt geht unter, und man wird es nicht wissen.“

Nestroy-Preisträger Georg Schmiedleitner, der im Burgtheater mit großem Erfolg Der Zerrissene inszenierte, bringt mit seinem in unzähligen Rollen agierenden Ensemble Kraus’ Marstheater in einer neuen Fassung auf die Bühne – 100 Jahre nach dem Attentat von Sarajevo wird das Burgtheater zur „Versuchsstation des Weltuntergangs“.

"Dieser Abend ist kein Vergnügen, sondern eine Anstrengung, die sich lohnt… Zu verdanken ist dies einer bestechend klaren Umsetzung und einem Ensemble, das die vielen, vielen Figuren messerschaf zeichnet. Eine Lektion in Geschichte als umjubelter Theaterabend!" ORF

Mit freundlicher Unterstützung der Hutmanufaktur Mühlbauer, Frack & Co und der Schuhmanufaktur Ludwig Reiter.

Koproduktion mit den Salzburger Festspielen


In dieser Produktion wird aus künstlerischen Gründen auf der Bühne geraucht.

Regie: Georg Schmiedleitner

Bühne: Volker Hintermeier

Kostüme: Tina Kloempken

Licht: Peter Bandl, Volker Hintermeier

Komposition: Tommy Hojsa, Matthias Jakisic

Dramaturgie: Florian Hirsch

Hundert kleinere Einfälle hat Schmiedleitner zu einem stimmigen Ganzen verbunden. Das Ensemble [...] spielt um sein Leben. Kraus‘ Sprache dröhnt in den Ohren. [...] Niemand wird die „Letzten Tage“ zur Gänze ausschöpfen. Aber zu zeigen, dass die letzten Tage noch immer (und lange) andauern und somit bestenfalls die vorletzten sind: Das verstand Schmiedleitner glänzend. (Der Standard)

Auf plakative Bebilderung von Kriegsgräueln oder historisierende k.u.k Ausstattung hat Schmiedleitner [...] verzichtet - seine „Letzten Tage der Menschheit“ sind der Versuch einer zeitlosen Endzeit und die Reduktion des Stücks auf die archaische Theatertragödie. (ORF online)

In nur vier Monaten vollbrachte [Georg Schmiedleitner] mit dem Dramaturgen Florian Hirsch, dem Bühnenbauer Volker Hintermeier, den Musikmachern Tommy Hojsa und Matthias Jakisic als Helfern und dem [...] Ensemble ein kleines Wunder. (Wiener Zeitung)

Georg Schmiedtleitner [...], verdichtet [...] das Weltkriegsdrama auf ein vierstündiges Szenen-Konzentrat, das doch den ganzen Kraus enthält. [...] Mit Hintersinn entwirft die Regie eine Szenerie, deren Witz dort anfängt, wo der Spaß aufhört - und just hinter dieser Grenze, jenseits des lustigen Kabaretts mit billigen Schenkelklopfern, spielt sich auch das dreizehnköpfige Ensemble mit bemerkenswerter Sachlichkeit durchs Pandämonium der Figuren: Realsatire, ätzend und bitterböse das Lachen erstickend. [...]
Diese „Letzten Tage der Menschheit“ erzählen mehr vom Ersten Weltkrieg als manche wissenschaftliche Abhandlung. Dank Karl Kraus - und dank Georg Schmiedleitner, der die Maßlosigkeit mit Umsicht gebändigt hat. (Stuttgarter Zeitung)

Ein vom Publikum gefeierter Theaterabend, der von brennender Aktualität ist. (Augsburger Allgemeine)

Der Transfer der „Letzten Tage der Menschheit“ von den Salzburger Festspielen ans Burgtheater gelingt. Georg Schmiedleitner inszeniert ein düsteres Untergangsstück am Rande des Abgrunds. (Die Furche)

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Was macht den Unterschied aus zwischen einer guten und einer hinreißenden Theateraufführung? Oft nur ein paar Vorstellungen und zusätzliche Probentage. Diesen Effekt kann man [...] bei „Die letzten Tage der Menschheit“ überprüfen: Auf dem Weg von den Salzburger Festspielen ins Wiener Burgtheater wurde aus einer guten Aufführung eine sensationelle. Die Inszenierung ist unterwegs gewachsen und groß geworden. [...] Der große Unterschied zwischen den beiden Premieren: Diesmal traute sich das Team, Witziges sehr witzig, Tragisches sehr tragisch, Bösartiges sehr bösartig zu erzählen. Davon profitierten nicht nur die Szenen mit Dörte Lyssewski als kriegsgeile Reporterin Schalek und die Nörgler/Optimist-Doppelconferencen mit Dietmar König und Gregor Bloéb, sondern die ganze Aufführung, die plötzlich, befreit vom seriösen Einheitston, einen ungeheuren Sog entwickelte. Aus dem großartigen Ensemble seien willkürlich hervorgehoben: Peter Matic (etwa als untoter Kaiser), Elisabeth Orth (etwa als Lehrer), Christoph Krutzler (etwa als Ganghofer) oder Laurence Rupp (etwa als sterbender Soldat). (Der Kurier)

Georg Schmiedleitner [...] nutzt die Tiefe und Raffinesse der großen Drehbühne vortrefflich. Schmiedleitner und Dramaturg Florian Hirsch kürzten die 200 Szenen reiche Vorlage [...]. Vier Jahre Krieg spiegeln sich in vier Stunden Spieldauer, musikalisch unterstützt von einer scheppernden Blasmusikkapelle als Bild für Patriotismus und Nationalismus. Nach der Pause hebt Schmiedleitner das Drama mit dem Bob Dylan-Protestsong „Masters of War“ aus seiner Zeit und referiert auf eine allgemeine Apokalypse. [...] Elisabeth Orth [überzeugt] als kriegsverherrlichender Conrad von Hötzendorf beim Studium der militärischen Karte. Dieser soll vom Hoffotografen Skolik abgelichtet werden, „nur ein historischer Moment“ betont Stefanie Dvorak in der Hosenrolle und sorgt für einen wunderbaren Theateraugenblick. Auch Dörte Lyssewski brilliert als kühne Kriegsberichterstatterin, stets mit chicer Pelzmütze auf dem eleganten Kopf. Lyssewski changiert zwischen eiskalter Sensationsgier und den Zuschreibungen der Männer, die sie als eitles Aushängeschild der allgemeinen (Kriegs)-Lüsternheit heruntermachen – um von der eigenen abzulenken. Grandios gelingt auch jene Szene, in der vier Politiker-Gattinnen zanken: zwei besserwisserische Vertreterinnen der „Rohö“ (= Reichsorganisation der Hausfrauen Österreichs) bewerfen die Konkurrentinnen der „Gekawe“ (= Großeinkaufsgenossenschaft der Kaufleute) schließlich mit Lebensmitteln. Szenenbeifall erntete Peter Matic als untoter Kaiser Franz Joseph mit dem „lebenslänglichen Couplet“. Matic zeigt den Kaiser als Attrappe statt als Herrscher [...]. (Die Furche)

„Der Nörgler“ (Dietmar König) vergeht schier vor Unrast und Ungeduld. Der Kahlkopf ist mit der Gesellschaft eines fettig grinsenden „Optimisten“ (Gregor Bloéb) gestraft. Seine pointierten Widerworte gegen den Krieg werden vom Lärm einer Blasmusikkapelle zugedeckt, die aus der Unterbühne ans Licht fährt (Postmusik Salzburg, Ausstattung: Volker Hintermeier). [...]
Als Funeralreporterin hat Alice Schalek (Dörte Lyssewski) ihren ersten kolossalen Auftritt. Wie eine Totengöttin schreitet Kraus‘ geschworene Feindin durch das Hinterland. Mit rotweinschwerer Stimme deklamiert sie im grauen Rock der Entsagung ihre Frontberichte. Sie hantiert - später einmal - mit einer Schriftrolle voller Blut- und Eroberungsprosa wie mit einem Priesterinnengewand.
[...] Burgtheatersprecher wie Peter Matic verstehen es meisterhaft, die Spottgeburten aus Papier und Dreck, die Kraus nicht ersonnen, sondern lediglich zitiert hat, zum Leben zu erwecken. [...] Wie überhaupt die Karikaturen ein zähes, widersetzliches Eigenleben behaupten, bis an die Zähne mit Sprache bewaffnet, die nie nur als lokales Idiom zu verstehen ist.
Elisabeth Orth gibt eine steingraue Figur des Schreckens, die als Conrad von Hötzendorf die Landkarte Italiens in den Schmutz tritt, die als Lehrer Zehetbauer [...] die jüdischen Schüler von einst mit dem Gehstock fuchtelnd bedroht. Krutzler wiederum imponiert als Viktualienhändler Chramosta, der das übermächtige Qualtinger-Vorbild subversiv umgeht, indem er sich ganz schrecklich kleinmacht. (Der Standard)

Blähsucht, Hohlheit, Grobheit, Täuschung, Selbsttäuschung, Kurzschluss und Zerfall - in der vierstündigen Fassung destilliert sich die Kraus’sche Analyse dessen, was der Krieg mit der Sprache macht und wie umgekehrt die Sprache Krieg macht und vorantreibt, schlüssig heraus. Auch die Auswahl von rund 50 Szenen ist auf diese Kernthese hin ausgelegt, und so finden sich neben den wohlbekannten Klassikern der „Letzten Tage“ auch einige weniger geläufige Charaktere und Szenen in dieser Bearbeitung.
Als kabarettistische Nummernrevue, wie man das Stück gern anlegt, sieht Schmiedleitner seinen Abend aber ganz und gar nicht, auch wenn trotzdem so einiges das Publikum amüsieren darf: Es sind groteske Momente, in denen die Absurdität der Sprache durch die Übersetzung in bizarre Bilder noch verdeutlicht werden [...].
Der rote Faden in Schmiedleitners Inszenierung sind die Szenen, in denen Nörgler (Dietmar König) und Optimist (Gregor Bloeb) gemeinsam als satirische Kommentatoren auftreten, sowie jene der Kriegsberichterstatterin Alice Schalek (von Dörte Lyssewski in großartiger Selbstherrlichkeit gespielt). [...]
Alle anderen Schauspieler des 16-köpfigen Ensembles changieren zwischen mehreren (teils wiederkehrenden) Rollen und geben mitsammen eine grandiose Hurra-Patrioten-Gesellschaft der Wiener Sirk-Ecke (ein zur Jahrhundertwende legendärer Treffplatz am Ring) ab [...].
Als naive, überforderte und realitätsverweigernde Kaiser sind Bernd Birkhahn und Peter Matic zu sehen - letzterer brilliert als nicht sterben wollender, coupletsingender Franz Josef. Elisabeth Orth gibt, nicht weniger grandios, unter anderem den boshaften Volksschullehrer und den von Eitelkeit zerfressenen Generalstabschef Conrad von Hötzendorf, der auf der Karte von Italien tanzt und für den Hoffotografen Skolik (Stefanie Dvorak) posiert. Dvorak, Orth, Alexandra Henkel und Petra Morze dürfen sich auch im herrlichen Zickenkrieg zwischen Hausfrauen in Rage spielen.
Trotz aller Satire und Überhöhung holt Schmiedleitner die „Letzten Tage“ immer schnell auf den Boden der Brutalität zurück, lässt Szenen nahtlos ineinander übergehen und sorgt mit der genauso kargen wie trefflichen Ausstattung von Hintermeier und Kloempken dafür, dass das apokalyptische Szenario immer präsent bleibt. Wabernde Nebelschwaden ziehen über die anfangs fast leere Bühne, auf der sich später immer wieder hohe Gerüste und verschiebbare Showtreppen zur Kulisse für ein eindrucksvolles Bildertheater arrangieren werden - alles in Schwarz-Weiß, abwechselnd schaurig finster und in grelles Scheinwerferlicht getaucht. (ORF online)

Die letzten Tage der Menschheit vollziehen sich hier in der Nacht. Volker Hintermeier hat die Bühne bis auf ein paar hohe Gestelle, eine bewegliche Wand sowie Tische und Sesseln leer geräumt. Meist wird im Halbdunkel gespielt, nur manchmal hellen Scheinwerfer die Szene auf, Lichtblitze blenden auch das Publikum. Vorne an der Rampe ist die Front. Da rattert es, da wird bombardiert, eine kleine Combo besorgt die Geräusche. [...] Dietmar König [legt] als der Nörgler los. Dieses Alter Ego von Kraus ereifert sich anfangs minutenlang im Monolog über die Kriegslüsternen. Wird er gehört? Gewaltig setzt die Postmusik Salzburg ein, die Drehbühne fährt hoch. Mit Märschen und Walzern begleitet die Blasmusik diesen Abend. Gegen so viel patriotischen Lärm kommt der Nörgler ebenso wenig an wie gegen den Optimisten, der von Gregor Bloéb liebevoll als grinsender Trottel gegeben wird. [...]
Christoph Krutzler verkörpert bestens den gemeinen Hofrat, der sich auf Stöcken an die Rampe vorarbeitet. In der Brutalität als Viktualienhändler oder als Offizier erinnert er tatsächlich an Qualtinger. Gemütlichkeit wird rasch zum Hass. Die Schauspieler müssen allesamt große Wandlungsfähigkeit zeigen, sie spielen insgesamt 86 Rollen. Bernd Birkhahn fällt vor allem in preußischen Gestalten positiv auf, Sven Dolinsksi, Laurence Rupp und Thomas Reisinger übernehmen vorwiegend leidende Soldaten, Schüler, Reporter. Nur der Nörgler, der Optimist und die Schalek sind Soloparts.
Aus diesem Trio ragt Dörte Lyssewski als Schalek heraus. Sie gibt eine schrille Interpretation der Kriegsreporterin der „Presse“. Diese Pelzhauben-Trägerin robbt sich an die Front heran, verbindet Geilheit und Krieg mit religiöser Inbrunst. [...]
Etwas dezenter, selbst im Ordinären, legt Elisabeth Orth ihre Rollen an. Sie macht das treffsicher, ob sie nun den patriotischen Lehrer Zehetbauer gibt oder den eitlen Feldherrn Conrad von Hötzendorf, der mit einer gewaltigen Landkarte Italiens für ein Foto posiert. Auch Peter Matić zählt zu den Stärken dieses Abends [...] als gnadenloser Offizier an der Front, der in Serie Todesurteile vollstrecken lässt. Da sieht man dann das Böse, das in beiläufigen Sätzen ins Ungeheure wächst. (Die Presse)

Deshalb setzt die Regie nun stark auf die Sprache, deshalb ist sie nah an Kraus dran - und deshalb schickt sie den immerzu, scharf richtenden Autor, der die Gesellschaft mit den Mitteln der Sprachkritik entlarven wollte, zu Beginn der Inszenierung höchstpersönlich auf die im Dämmerlicht liegende Bühne.
Aus der Tiefe des Raums tritt der Schauspieler Dietmar König. Er ist der „Nörgler“, der sich mit dem „Optimisten“ von Gregor Bloéb, leitmotivisch durch die Kriegsetappen ziehend, Wortgefechte liefert - und als Nörgler ist er unverkennbar das Alter Ego von Karl Kraus. [...]
Von den fünfhundert Rollen sind rund hundert geblieben, [...] immerfort schälen sich kleine Szenen und große Figuren aus dem Dunkel [...]. Da ist die von Dörte Lyssewski mit divenhafter Arroganz gespielte Schalek, eine real existierende Kriegsreporterin, die in ihren Feuilletons von der reinigenden Kraft des Krieges schwärmt. Da ist der von Christoph Krutzler mit Feistheit verkörperte Offizier, der sich die Ordnung der Deutschen herbeiwünscht. Und da ist Gregor Bloéb, der den „Optimisten“ gibt und am Ende der Inszenierung - sarkastischer Besetzungswitz - in die Rolle des Generals schlüpft und sich mit Schandtaten brüstet: Mit Wiener Schmäh plaudert er frohgemut über die Morde, Hinrichtungen und Vergewaltigungen, die er hinter sich hat. Er will uns zum Komplizen machen - und jagt als Bestie doch Schauer über den Rücken. (Stuttgarter Zeitung)

Ein Arbeitssieg gegen das Textmonster: [...] Die 13 Schauspieler hat Schmiedleitner [...] fantastisch zu den 56 Rollen des Abends geleitet. Vorne weg ist Dörte Lyssewski eine rauschhaft sensationsgeile Kriegsberichterstatterin Schalek, die gar nicht genug Blut lecken kann. Elisabeth Orth brilliert als bösartiger Volksschullehrer und als verwirrter General Hötzendorf. Peter Matic ist neben acht weiteren Rollen ein Kaiser Franz Joseph von Gottes Gnaden, der selbstvergessen und quasi tot seine köstlichen „Mir bleibt auch nix erspart“-Couplets seufzt. Petra Morzé ist in ihren sechs Rollen von der Hofrätin Schwarz-Gelber bis zur Frau Pollatschek von der Rohö (Reichsorganisation der Hausfrauen Österreichs) tolles Prachtweib und famose Selbstzerfleischerin. Dietmar König wird als glänzender „Nörgler“ seinem Gegenüber Gregor Bloéb („Optimist“) zum Verhängnis. (OÖ Nachrichten)

Satirischer Ernst ist als Schranke aufzubauen gegen das Lachen und Heulen, gegen die bunte Typenrevue. Das gelingt der Regie, wenn sie die Szenen an der Ringstraße statt als Corso als Stakkato-Chor auflöst. Oder gar von Stefanie Dvorak allein rappen lässt. Schmiedleitner bricht die Klischees von Endzeitstimmung und Tanz auf dem Vulkan mit Quältönen der allgegenwärtigen Musikanten. [...]
Im Auftritt der Schauspielerin Ritter (Alexandra Henkel) passt alles zusammen: Naturkindehrlichkeit, Divagehabe, Existenzängste schließlich, mit denen sie von Presseerpressern kleingemacht wird. (Wiener Zeitung)

Georg Schmiedleitner hat eine hoch seriöse, über weite Strecken packende Inszenierung gebaut, die zum Ende hin immer schrecklicher, böser, gefährlicher wird.
Er wurde dabei von einem grandiosen Ensemble unterstützt. Als Erster sei Christoph Krutzler genannt: Krutzler [...] trifft den lauernden Kraus-Ton am besten, seine Rollen-Interpretationen sind brillant, böse und komisch zugleich. Elisabeth Orth (etwa als hilflose Bestie von einem Lehrer) und Peter Matić (etwa als untoter Kaiser Franz Joseph) sind hinreißend. Stefanie Dvorak fällt z. B. mit einem furiosen Solo auf, in dem sie voller Panik in kürzester Zeit durch Dutzende Rollen irrt.
Die große Dörte Lyssewski ist als hetzerische Kriegsreporterin Alice Schalek das Zentrum der Aufführung [...]. Ohne Einschränkung gut sind auch alle anderen: Sven Dolinski, Laurence Rupp, Bernd Birkhan, Alexandra Henkel, Petra Morzé und Thomas Reisinger. (Kurier)

Zudem endet die Szene in famoser Schauspielerei: Dörte Lyssewski als sensationsgierige Schalek lässt sich da von Christoph Krutzler als doppelt widerlichem - sex- wie gewaltlüsternem - Feldkurat anfeuern. Zum Schießen erzeugt sie mit Mimik, Geste und Lauten, die von der Tontechnik verstärkt werden, eine grandios schauderbare Ballerei.
In zweierlei Hinsicht ist diese Szene typisch für diese Neuinszenierung: [...] Erstens werfen sich die Schauspieler mit erstaunlicher Verve in die 56 Rollen [...].
Zweitens wagen Regisseur Georg Schmiedleitner und Dramaturg Florian Hirsch einen mutigen und oft deftigen Zugriff auf das riesige Werk. [...]
Ungewöhnlich kräftig ist die Musik. Nach einem einleitenden Redeschwall des Nörglers [...] gelingt eine der besten szenischen Einfälle des Abends: Zuerst sind nur die blechernen Öffnungen von Blasinstrumenten sowie Musikerhüte zu sehen, dann schraubt sich die Postmusik Salzburg auf der sich drehenden, sich hebenden Bühne herauf und übertönt mit unerbittlicher, lauter Fröhlichkeit alle Gräuel. Ja, im Österreichischen gibt es offenbar eine volkstümliche, archaische Kraft gegen alles Furchtbare. [...]
Lichtblicke dieser neuen „Letzten Tage der Menschheit“ bieten einige Schauspieler, deren szenisches Können in dem weiten, von Bühnenbildner Volker Hintermeier fast roh belassenen, schwarzen Raum gut zur Geltung kommt.
Elisabeth Orth bringt sieben Rollen zum Funkeln, sei es Conrad von Hötzendorf oder Mariechen Wahnschaffe, das Mädel, das mit ihrem Bruder Willichen - gespielt von Peter Matic - beim Weltkrieg-Spielen in Streit geraten ist [...].
Famos wird‘s auch, wenn Stefanie Dvorak, Alexandra Henkel, Elisabeth Orth und Petra Morzé als zankende Hausfrauen brillieren. Allein, mit welch brachialer Wut Petra Morzé das Wort „Rohö“ - Kürzel für Reichsorganisation der Hausfrauen Österreichs - ihrer Feindin von der Gekawe ins Gesicht schleudert!
Dietmar König als Nörgler setzt in langen Monologen und in Dialogen mit dem Optimisten schier unendliche, immer wieder auch exaltierende Zornesenergie frei. Gregor Bloéb beweist mit stetig breitem Lächeln sein Optimistsein. (Salzburger Nachrichten)

Eine sehr vitale, effektvoll und einfallsreich choreografierte, mit starken Schauspielmomenten nur so gespickte Inszenierung. Organisch fügen sich die Szenen zu einem gut rhythmisierten Ganzen. [...]
Das großartige Ensemble des Burgtheaters - mit den beiden großen alten Schauspielern Peter Matic und Elisabeth Orth - glänzt durch pausenlosen Rollenwechsel und präzises Spiel. [...] Dörte Lyssewski gibt dieser kalten Kassandra der Kriegsbegeisterung eine Gestalt, die man so schnell nicht vergisst. [...]
Die Inszenierung wird nach der Pause intensiver, schmerzlicher und bitterer. Das Publikum hat nun weniger (befreiend) zu lachen. Die Regie nimmt das Tempo heraus, es wird schwärzer und abgründiger, die gut konsumierbare Schutzhülle über dem nackten Grauen reißt auf. Dazu genügt es, aus Soldatenbriefen zu lesen.
Kaiser Franz Joseph ist ein zitterndes, selbstgerechtes Greisenbündel, ein Untoter, der die ganze innere Hohlheit der Monarchie vor Augen führt, so wie Peter Matic ihn spielt. [...]
Mit den Worten „Kopf hoch!“ und Geschützdonner endet ein vom Publikum gefeierter Theaterabend, der von brennender Aktualität ist. (Augsburger Allgemeine)

Regisseur Georg Schmiedleitner [will] eine Gesellschaft im Vernichtungsrausch vorführen: nicht auf dem Schlachtfeld, sondern im Privaten, zu Hause, im Hinterland.
[...] Dreizehn Schauspieler schlüpfen mit der Rasanz einer Nummernrevue in sämtliche Rollen. Ganz auf plakativen Kanonendonner mag Schmiedleitner nicht verzichten, letztlich aber lässt er die Sprache sprechen.
Das sind bei Karl Kraus entlarvende Zitate aus Zeitungen, militärische Tagesbefehle, Ge-richtsurteile und eine Fülle an Bonmots und grandiosen Mono- und Dialogen [...]. Das hat Unterhaltungswert, ist präzise getaktet auf einer sparsam möblierten Bühne (Volker Hintermeier) mit mehrstöckigen Metalletagen, Showtreppe, Rolltischen und mobilen Scheinwerfern. Geht aber unter die Haut. (Heilbronner Stimme)

Eine groß besetzte Blaskapelle schraubt sich langsam auf der Drehbühne hoch und spielt, was das Zeug hält. [...] Es ist die Postmusik Salzburg, die das klassische Marschrepertoire ihres Genres beherrscht, die aber auch zeitgemäße Klangcluster umsetzen kann, die auch liegend spielen kann. Diese Formation sorgt immer wieder für bild- und klangmächtige Einschübe genauso wie wiederkehrende dumpfe Schläge, die den gesamten Theaterraum zum Vibrieren bringen. (Stuttgarter Nachrichten)

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