Burgtheater

Ja es umgibt uns eine neue Welt! Torquato Tasso, Johann Wolfang Goethe
Joachim Meyerhoff, Marta Kizyma (c) Reinhard Werner

Molière
‹Der eingebildete Kranke›

Übersetzung und Neufassung von Sabrina Zwach

Molières „eingebildeter Kranker“ Argan ist ein Hypochonder: er zieht Ärzte zu Rate, die ihm wiederum geduldig und gerne überflüssige Behandlungen gegen überteuerte Rechnungen verschreiben.

Ein Arzt im Hause wäre fein, denkt Argan und möchte deshalb seine Tochter mit einem solchen verheiraten. Die ist jedoch in Cléante verliebt – und die Komödie nimmt ihren Lauf: Die Familie versucht Argan vom Wahn der Hypochondrie zu befreien, Argan wiederum erkennt trotz Wahn die Liebe seiner Tochter und Geldgier seiner Frau. Am Ende beschließt Argan, selbst Arzt zu werden, und die Tochter darf heiraten, wen sie will, Hauptsache er wird Arzt.

Unter dem Rippenknorpel, dem griechischen „chondros“, vermutete man einst den Ursprung der Hypochondrie. In der gleichen Region sitzt der Schmerz, der bei allzu heftiger Beanspruchung des Lachmuskels entsteht. Diese Diagnose wird dem Publikum der Inszenierungen von Herbert Fritsch häufig gestellt. Lachen heilt, was auch immer.


Wir danken der Manufaktur für historische Tasteninstrumente Fa. Neupert in Bamberg für die freundliche Unterstützung.

Argan
Joachim Meyerhoff

Toinette, Argands Dienstmädchen
Markus Meyer

Bélinde, dessen zweite Frau
Dorothee Hartinger

Angélique, Argans Tochter
Marie-Luise Stockinger

Louision, ihre kleine Schwester
Marta Kizyma

Cléanthe
Laurence Rupp

Dr. Diafoirus
Ignaz Kirchner

Thomas Diafoirus, dessen Sohn
Simon Jensen

Dr. Purgon, Argans Arzt
Johann Adam Oest

Fleurant, Apotheker
Hermann Scheidleder

Herr de Bonnefois, Notar
Hermann Scheidleder

Regie und Bühne: Herbert Fritsch

Kostüme: Victoria Behr

Musik: Ingo Günther

Licht: Friedrich Rom

Dramaturgie: Sabrina Zwach

Dezember

Samstag, 17.12.2016 | 18.00 UhrBurgtheaterKarten

Jänner

Freitag, 13.01.2017 | 19.30 UhrBurgtheaterKarten

Sonntag, 15.01.2017 | 19.00 UhrBurgtheaterKarten

Dienstag, 31.01.2017 | 20.00 UhrBurgtheaterKarten

Commedia dell‘Arte meets Punk – und alle scheinen ihren Spaß zu haben. So etwas hat man am Burgtheater in den 270 Jahren seines Bestehens noch nicht gesehen. Das Publikum quittierte den bizarren Abend mit Beifallsstürmen für Regisseur und Ensemble. (Bayrischer Rundfunk)

Getragen wird dieser wilde Abend, den man lieben oder hassen kann, der aber sicher nicht kalt lässt, von einem grandiosen Ensemble, mit dem Fritsch sichtbar intensiv gearbeitet hat. Jede Figur sitzt, jeder einzelne der Akteure hat ein charakteristisches Sprach- und Bewegungsproblem, dass es eine Freude ist. (APA)

Ungesunder Teint, gelenksteife Körper: Herbert Fritsch macht aus Molières „Der eingebildete Kranke“ eine höllisch-heitere neue Burgtheaterproduktion. (Der Standard)

Herbert Fritschs hinreißend infantile Inszenierung von Molières „Eingebildetem Kranken“ feiert die Heilkraft des Lachens. (Kurier)

Herbert Fritsch, der einerseits nicht müde wird, ein sinnlich-sinnfreies Theater zu propagieren, trifft anderseits mit „Der eingebildete Kranke“ einen wunden Punkt unserer Zeit und betreibt also, hübsch nebenbei, Gesellschaftskritik, die ans Eingeweide, pardon: Eingemachte geht. Argan wird bei ihm zum prototypischen Helden unseres Gesundheitswahns, der ja eine Pathologie der Sonderklasse darstellt. [...] (NZZ)

„Der eingebildete Kranke leidet schwer und an nichts – außer am Zwang zur Selbsterhaltung, zum Plusmachen, an Geiz, Gier und Triebverzicht, am Anständigseinmüssen. [...] Regisseur Herbert Fritsch praktiziert am Wiener Burgtheater eine wunderbare Kur, die das Theater beflügelt und seine Selbstheilungskräfte freisetzt. (taz)

Écriture automatique hat man das automatisierte Schreiben in der Literatur genannt. Fritsch und seine famosen Wiener Schauspieler versuchen sich jetzt an einem automatisierten Schauspiel. Inklusive Wiederholungsschleifen, Leerläufen und offenkundiger Systemfehler. [...]
Der unnötige Respekt vor den Autoritäten der Medizin erscheint genauso obsolet wie vor den Konventionen des Theaters. Das zu demonstrieren (und mit einer überbordenden Lust am Spiel zu exerzieren), ist keine kleine Leistung dieses Abends [...]. (Theater heute)

[E]ine unverwechselbare, knallbunte Bonbonniere à la Herbert Fritsch. Dessen Inszenierungen sind ein radikaler Gegenentwurf zu allem, was gegenwärtig im Theater den Ton angibt. (Die Furche)

Tanz gegen Angst und Tod – „Der eingebildete Kranke“ von Molière als fulminante Trash-Komödie am Burgtheater. (News.at)

Herbert Fritsch [...] hat, nach Christoph Marthaler, dem Theater wiedergegeben, was ihm als Folge einer Betrachtungsweise, die nur nach dem tieferen Sinn und der Bedeutung für die Gegenwart fragt, abhanden zu kommen droht: das Körperliche. (Stuttgarter Zeitung)

Bestechend und ein Heilmittel gegen billigen Klamauk, der in einer dermaßen beflügelten Herangehensweise droht, ist die Eleganz, die der Regisseur bewusst einfordert. (Tiroler Tageszeitung)

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Regisseur Herbert Fritsch scheut auch vor billigstem Klamauk nicht zurück – das verschlägt manch einem Burgtheaterabonnenten zunächst einmal den Atem [...]. Aber wenn man sich auf die quietschbunte Trash-Ästhetik des Herbert Fritsch und die entfesselte Komödiantik des Ensembles erst einmal eingelassen hat, kommt man aus dem Lachen nur mehr schwer heraus, wobei man gern und häufig auch weit unter Niveau lacht. (Bayrischer Rundfunk)

Fritsch nimmt ausgerechnet die ausgestorbene Genrebezeichnung „Ballettkomödie“ als Antriebsmoment seiner Arbeit. Molière erlaubt ihm endlich, allein mit der Musik der Sprache und der Körper zu spielen, ohne Augenblicke von Schwere, die in manchen seiner vorangegangenen Arbeiten bei allem Esprit immer wieder doch aufschienen. Seine SchauspielerInnen entwickeln ihre „Figur aus Bewegungsmustern, Marotten, Stereotypen und allem, was die Körper sonst noch der Erfüllung gesellschaftlicher Rollenerwartungen unbewusst entgegensetzen. Choreografisches Theater, in dem manche regelrecht um ihr Leben tanzen. [...] Große Schauspieler (etwa Johann Adam Oest oder Ignaz Kirchner) genießen den elaborierten Irrsinn in kleinsten Rollen. Herbert Fritsch hat dem Theater Hanswurst zurückgebracht. Der ist entgegen anderslautenden Meldungen eine feinsinnig begabte, kluge Person. (taz)

Es ist das große Verdienst von Fritschs hinreißend blöder, unwiderstehlich infantiler, wohltuend unsubtiler Inszenierung, dass sie tatsächlich den Sieg des Lachens über die Angst feiert. „Heiltheater“ nannte Fritsch im KURIER-Interview seine Arbeit, und betonte, er wolle den Terroristen den „Freiraum“ des Theaters entgegensetzen. Das ist ein völlig richtiger Gedanke: „Terror“ bedeutet übersetzt Angst, und Angst ist humorlöslich. (Kurier)

Und doch tönt und fiepst, jault und kreischt es, als ob nicht nur die Cembali per Midi-Signal ferngesteuert würden, sondern die gesamte Molièrsche Meute. [...] Joachim Meyerhoff ist im Burgtheater dieser moribunde, mit erstaunlichen Bewegungskräften gesegnete Hysteriker. Ein Krankheitsanbeter in Ganzkörperunterwäsche. Mottengleich umkreist ihn die mit nosferatuhaften Fingernägeln und Latexmäntelchen ausgestattete Ärzteschaft. [...]
Nach einem Ausfall von Caroline Peters einige Tage vor der Premiere übernahm Markus Meyer ihre Rolle. Er ist das bebende Epizentrum dieser Inszenierung. Wie kein anderer übersetzt er Ingo Günthers Cembalikompositionen in konkrete Bewegungsmuster, wiegt sich in seinem gift-grünen Rüschenkostüm im Takt der Musik, springt mit ihr um die Wette, legt eine Einlage nach der anderen hin. In Fritschs hysterischer Komödienwelt, in der Worte Verschubmasse sind und kein sprachlicher Kalauer [...] ausgelassen wird, liegt es am Dienstmädchen in Drag, die Ordnung der Dinge wieder herzustellen. (Theater heute)

Da wäre der angstelektrifizierte Körper Argans (Joachim Meyerhoff mit klistiertauglicher Hose), der großräumig liebestaumelnde Leib von Tochter Angélique (Marie-Luise Stockinger), und da wären auch die vergnüglich-strategischen Zuckungen des Dienstmädchens Toinette, die Markus Meyer, Komödienhero der Stunde, im Sturm genommen hat (er war für die in den Endproben verunfallte Caroline Peters eingesprungen). (Der Standard)

Wenn man es am Theater krachen lässt, dann ordentlich, dann am besten so wie Herbert Fritsch. [...] „Der eingebildete Kranke“ mit Joachim Meyerhoff als Hypochonder Argan gerät zur bösen Satire über die Macht der Ärzte und den Kampf gegen Angst vor Krankheit und Tod. (News.at)

Darüber hinaus zeugt sein körperbetontes, oft artistisches Theater der Übertreibungen von großer Virtuosität und einem enormen handwerklichen Raffinement. Auch wenn der Witz, die Komik, der Humor mitunter überbordend, derb oder mit dem Holzhammer in Szene gesetzt sein mögen, Fritschs Arbeiten sind überaus fein justierte Spaß-Maschinen von höchster Präzision.
[...] rechts und links sowie mittig [stehen] je ein selbstspielendes Cembalo. Und diese Cembali werden [...] nicht nur die Szenen mit barocken Klängen, atonalen Trillern und aberwitzigen Tremoli untermalen, sondern sie geben, wie von Geisterhand bewegt, den Takt, den mechanischen Rhythmus der Inszenierung vor.
Damit fokussiert Fritsch Molières Komödie um den eingebildeten Kranken Argan [...] nicht als psychologische Charakterkomödie, sondern als comédie-ballet. (Die Furche)

Regisseur Herbert Fritsch vollbringt als Heilpraktiker wahre Wunderdinge. Er ließ das Original durch eine an Wortwitz und Gegenwartsbezügen reiche Neufassung von Sabrina Zwach entstauben und verwandelt das ehrenwerte Theater in ein Tollhaus mit völlig entfesselten Akteurinnen und Akteuren, die Pfauenräder von sprühender, bizarrer und skurriler Buntheit schlagen. [...]
Geboten wird, in historischen Kostümen, eine völlig schräge Mischung aus zeitgemäßer Commedia dell‘(Un-)Arte, Slapstick und Reifrock-Revue, mit Mini-Operetteneinlagen, balletthaften Verrenkungen und Situationskomik, reich an staubtrockener Giftigkeit und verdrehten Sprachspielen. (Kleine Zeitung Steiermark)

Joachim Meyerhoff [...] formt seinen Argan mit ungeheurem Sprachwitz und einer wunderbar abstrusen Körperlichkeit. An seiner virtuosen Feindbegegnung mit dem Cembalo hätte Jacques Tati große Freude gehabt! Als kluges Dienstmädchen Toinette sprang kurzfristig Markus Meyer für die verunfallte Caroline Peters ein. Ihm ist nicht nur aufgrund seiner tanzartistischen Einlagen zu gratulieren, sein falscher Arzt im Trude-„Weil ich so sexy bin“-Herr-Jargon ist berückend. Hochaufragend ist die rosa Rokokofrisur der intriganten Gattin Bélinde, die Dorothee Hartinger kunstfertig mit konsequent falscher Betonung ausstattet. Ferngesteuert wie nach einem heftigen (Barock?-)Clubbing flattert eine tolle Marie-Luise Stockinger durch die Szenerie. Als Argans Töchterchen Angélique möchte sie lieber den Schauspieler Cléanthe (Laurence Rupp gibt ihn als Sprach-Sohn aus Kaisermühlen!) als Dr. Diafoirus‘ (der grandiose Ignaz Kirchner) spießigen Spross Thomas (Simon Jensen, ein glaubhaftes Ekelpaket) ehelichen. Marta Kizyma (Schwesterchen Louison), Johann Adam Oest als Leibarzt Purgon und Hermann Scheidleder als Notar und Apotheker ergänzen ein Ensemble, dessen spürbare Spielfreude zu stürmischem Applaus allen Anlass gab. (Tiroler Tageszeitung)

Die größte Leistung des Abends bringt jedoch Markus Meyer, der für die in den Endproben verletzungsbedingt ausgefallene Caroline Peters als Dienstmädchen Toinette eingesprungen ist. Seine pikierte, vulgäre Interpretation der treuen Dienerin, die im Hintergrund die Fäden in der Hand hält, zieht die Blicke des Publikums nicht selten von Meyerhoff ab. Fritsch hat ihre Figur zudem mit der Rolle von Argans Bruder Beralde verwoben, was zu annähernder Dauerpräsenz auf der Bühne führt. (APA)

Ignaz Kirchner und Adam Oest zeigen diese Wesen dämonisch als wären sie einer amerikanischen Horror-Serie entsprungen.
Gespielt wird mit Präzison und höchster Virtuosität. Markus Meyer hat von Caroline Peters, die sich während der Proben verletzt hat, die Rolle des Dienstmädchens Toinette übernommen. Wie Meyer in Frauenkleidern agiert, mit Tanzschritten seine, pardon, ihre Behauptungen betont, hat Leinwandformat. [...] Joachim Meyerhoff fasziniert als Hypochonder Argon. Virtuos bedient er seinen Körper wie ein Instrument. Jede Miene, jedes Augenspiel, jeder Ton gibt die Ängste und Verblendungen dieser Figur wieder. (News.at)

Joachim Meyerhoff spielt hier, brillant wie immer, den multimaladen Argan [...]. Er ist in seinem vergleichsweise zurückhaltenden Vor-Sich-Hinleiden, das von Schüben absurden Slapsticks rund um eins der drei selbstspielenden Cembali unterbrochen wird, fast schon ein Ruhepol im aufgedrehten restlichen Ensemble. Vor allem Markus Meyer glänzt als Gegenpol Toinette in einer Rokoko-Robe aus grünen Gummihandschuhlatex-Volants mit rasendem körperlichen Travestie-Spiel. Viel passiert hier über die Bewegung, Marie-Luise Stockinger als Argans Tochter Angelique etwa schüttelt beständig den ganzen Körper, als wäre ihr ein Metronom für Technomusik eingebaut. Dorothee Hartinger als Argans doppelgesichtige Frau Belinde hingegen schwebt in ihrem gigantischen Reifrock in Rosa heimtückisch einher. [...] Argans Familie ist mit blendend bunter Barocküppigkeit ausgestattet (Kostüme: Victoria Behr), während die scharlatanischen Ärzte (Ignaz Kirchner, Johann Adam Oest) wie Zombies über die Bühne wackeln und bizarr lange Fingernägel haben, die eine erfolgreiche Behandlung ohnehin von vornherein ausschließen. Herbert Fritsch hat sehr sinnlich inszeniert: Viel Humor kommt hier über die Musik, eine Art Faux-Barock-Stummfilm-Soundtrack (Ingo Günther), und von der Optik, etwa wenn Hermann Scheidleder als Notar-Sitzriese unter wogenden Volants in Steingrau auf die Bühne - die übrigens nur mit einfärbbaren Röntgenbildern dekoriert ist - rollt. (Wiener Zeitung)

Was für Bilder. Das grausliche Ärztequartett wie ein Trupp aasfressender Krähen; Argan, als eingebildeter Kranker ihr Opfer, in schmutzigweiss flatternder, stilecht historischer Ganzkörperunterwäsche samt Schnüren und Bändern: Einmal mehr zeigt die Kostümkünstlerin Viktoria Behr, was sie kann. [...] Den Barockrahmen in heutigem Design bildet die Bühne oder besser ein vervielfachtes Bühnenportal, das als Kulisse genügt. Seinen Minimalismus indessen lebt Fritsch, wie immer sein eigener Bühnenbildner, entsprechend der barocktypischen rhetorischen Figur des Oxymoron aus: mit Üppigkeit. In allen Farben des Prismas lässt er das Portal zu Beginn blinken, auf dem später, grau in grau oder ausnahmsweise rot, Röntgenbilder des menschlichen Skeletts erscheinen. [...] Das Theater als Schlund und Verdauungstrakt, anders gesagt: als Darm mit Charme. Bravo. (NZZ)

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