Burgtheater

Du liebe Zeit. Liebe Zeit? Peter Handke. Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße
August Diehl, Nicholas Ofczarek in DIESE GESCHICHTE VON IHNEN, Fotograf Bernd Uhlig

John Hopkins
‹Diese Geschichte von Ihnen›

Deutsch von Michael Eberth

„Bei jedem Menschen gibt es einen Punkt ... ab dem er sich nichts mehr gefallen lässt. Von da an wird zurückgeschlagen.“

Es ist drei Uhr nachts. Johnson kommt von einem Verhör nach Hause, bei dem er einen Menschen zu Tode geprügelt hat. Er ist völlig überzeugt, den Mann erwischt zu haben, der für eine Serie von Kinderschändungen verantwortlich ist. Doch hat er Recht? Ist Baxter wirklich der Mann, den sie suchten? Während des Verhörs, das als Rückblende am Ende von John Hopkins’ Drama spielt, bohrt sich der Polizist, besessen von dem Wunsch, einen Verbrecher zu überführen, in einem brisanten Gemisch aus begründetem Verdacht, blanker Empörung und unkontrollierter Projektion in den Verdächtigen hinein, bis die Gewalt explodiert.

Der Drehbuchautor John Hopkins (u.a. James Bond 007 - Feuerball) debütierte 1968 mit Diese Geschichte von Ihnen als Theaterautor. Das Stück wurde 1974 von Sidney Lumet unter dem Titel Sein Leben in meiner Gewalt mit Sean Connery in der Hauptrolle verfilmt.


In dieser Produktion wird aus künstlerischen Gründen auf der Bühne geraucht.

Regie: Andrea Breth

Bühne: Martin Zehetgruber

Kostüme: Moidele Bickel

Musik: Bert Wrede

Licht: Friedrich Rom

Dramaturgie: Klaus Missbach

Juni

Freitag, 24.06.2016 | 19.30 UhrAkademietheaterKarten

Grandiose Schauspieler unter Andrea Breths Regie machen aus John Hopkins' Drama „Diese Geschichte von Ihnen“ ein großes Wiener Theaterereignis. [...]
Andrea Breth gelingt im Wiener Akademietheater eine Inszenierung, die wie aus der Zeit gefallen wirkt mit ihrer ruhigen Konzentration auf die Figuren und ihre Konflikte. [...]
Das Bühnenbild von Martin Zehetgruber schwelgt zunächst in Birminghamer Barock, aber der Vorgang, den Nicholas Ofczarek zusammen mit Andrea Breth fulminant auf die Bühne bringt, ist zeitlos: Ein Mensch wird gezwungen, sich selbst zu erkennen, und erblickt mehr, als er zu ertragen vermag. [...]
Ofczarek spielt das virtuos: Der Polizist, der den Vergewaltiger beneidet, weil der erlebt, was er selbst sich nur vorzustellen traut. Ofczareks explodierende Gewaltbereitschaft, seine Weinerlichkeit und schmierige Jovialität treffen im dritten Akt auf August Diehls brillante Verkörperung von Baxter, der genießt, was er erleidet. Nervös-blasiert, hochreflektiert und bösartig. (FAZ)

Den Bad Sergeant spielt Nicholas Ofczarek, und es gibt derzeit nur wenige Schauspieler, die für diese Rolle besser geeignet wären. Er bringt nicht nur die spieltechnischen Voraussetzungen mit, sondern auch die gefährliche Präsenz purer physischer Gewalt und den Mut zum Ekelhaften. [...]
Diehl wirkt dünnhäutig und blass wie ein Gespenst und balanciert die Figur so gespenstisch gut zwischen Aggression und Verzweiflung, dass ihr alles zuzutrauen ist. Aber: Ob er's war, ist gar nicht die Frage. (Süddeutsche Zeitung)

Mit ihrer Inszenierung tut Regisseurin Andrea Breth das einzig Richtige: Sie inszeniert die Nachtfahrt einer geschundenen Polizistenseele als nüchternen Totentanz. Ein Riesenwurf und eine Gipfelleistung von Nicholas Ofczarek. [...] Koch ist auf den vielen Stationen des Breth-Theaters der stets korrekte, von seiner Unduldsamkeit wie von einem Laster geplagte Technokrat der Macht. (Der Standard)

Ein Polizist schlägt einen Verdächtigen tot, den er für schuldig hält – und schafft die ideale Ausgangslage für eine großartige Theateraufführung. Mit dabei: Nicholas Ofczarek und August Diehl. (NZZ)

Wie August Diehl und Nicholas Ofczarek sich gegenüberstehen, sich mit Worten zu bekämpfen und zu vernichten suchen, gehört zu jenen Theatermomenten flackernder Eindringlichkeit, die man so schnell nicht vergisst. (Wiener Zeitung)

Andrea Breth hat ein vergessenes Gebrauchstheaterstück gehoben, um mit dessen Figuren den menschlichen Hunger nach Anerkennung und Vergeltung zu erforschen. Vielleicht glaubt man nicht alles, was auf der Bühne behauptet wird aber wie es behauptet wird, ist sehenswert und fesselnd. Wo andere Regisseure und Spieler Gewalt auftrumpfend und laut oder noch eher ironisch-ausweichend umspielen, da hat dieses Ensemble den Hässlichkeits-Mut, sich der Warnung »Umkehr ist nicht möglich« zu widersetzen, welche aller Gewalt innewohnt. Sie hören die Warnung und gehen trotzdem weiter. (Die Zeit)

Andrea Breth inszenierte das Drama „Diese Geschichte von Ihnen“ ungeheuer intensiv – Nicholas Ofczarek brilliert, besonders im Finale mit August Diehl. [...] Andrea Breth hat, wie die stark bejubelte Premiere [...] zeigte, das auf einer Bühne Mögliche aus diesem Seelendrama herausgeholt – ein Crescendo, mit Ofczarek stets im Mittelpunkt. Er vollbringt eine gewaltige Leistung, auch physisch. Drei Stunden arbeitet er sich mit wachsender Intensität an je einem Partner ab – bis zur Schmerzgrenze. (Die Presse)

Wie grausam hier Lust, Schmerz und Tod zusammenhängen, zeigt das virtuose Spiel der beiden Kontrahenten im dritten Akt. Ofczarek variiert souverän zwischen Verständnis und Verachtung, innerer Not und äußerer Stärke, während August Diehls zurückgenommene Eleganz die Abgründe der undurchsichtigen Figur des Baxter auffächert.
Hier begegnen einander nicht nur zwei Psychopathen auf Augenhöhe, hier konfrontiert Breth zwei virtuose Schauspieler, die hochdramatisch Psychoanalyse pur betreiben. (Salzburger Nachrichten)

Regisseurin Andrea Breth inszeniert die Begegnung dieser Männer als fast zärtlichen Tanz der Gewalt. (Kurier)

Es ist ein Abend der extremen Körperlichkeit, wie geschaffen für die intensive Bühnenpräsenz von Nicholas Ofczarek, dessen Spiel keine Sekunde Pause kennt, und der diese Aufführung führt und prägt. [...] So kann das Urteil eindeutig ausfallen: großer Jubel und viele Bravos für das ganze Team, vor allem aber für Ausnahmeschauspieler Nicholas Ofczarek. (APA)

Der Schlussakt mit August Diehl und Nicholas Ofczarek gerät zu einem der verstörendsten Versuche des Theaters über die Obszönität der Folter seit Peter Zadeks Inszenierung von Sarah Kanes „Gesäubert“ Ende der 1990er Jahre. Fern von fast allen Splattermomenten speist sich seine Wirkung allein durch die Andeutung des Wissens der Schauspieler, wie man Menschen wirklich quälen kann. Diehls Figur des Tatverdächtigen wird zum Wechselbalg der Figurenerfindung: Mal Joker, mal Jesus, unter Schlägen wimmernd und unerwartet hohnlachend, spielt er dem dissoziierenden Bewusstsein seines Peinigers den ganz persönlichen David-Lynch-Film. Seit ihrer Arbeit an Kleists „Prinz von Homburg“ haben Andrea Breth und August Diehl unser Wissen über die Arbeit des Schauspielers erweitert. Die Geschichte des Theaters ist noch nicht zu Ende. (TAZ)

Unglaublich, wie es Andrea Breth und ihrem Ensemble gelingt, die Spannung aufzubauen und zu halten. Ganz selten sieht man wie hier Darsteller am Werk, die in jeder Sekunde wissen, warum sie was auf der Bühne tun. Eine grandiose Theaterproduktion, die man nicht versäumen sollte. [...]
Wunderbar zugleich konzentriert wie beiläufig stellt Andrea Clausen als Frau des Sergeants deren innere Leere aus. Überragend, wie Nicholas 0fczarek so massig wie kräftig, so gewalttätig aufbrausend wie in sich zusammenfallend, so selbstbewusst wie verzweifelt als Sergeant Johnson agiert. Wenn er den Chefinspektor, der ihn nach dem Tod des Verdächtigen kritisch befragt, mit dem Satz „So helfen sie mir doch“ anfleht, zieht sich dieser auf seinen Rang zurück. [...]
Aufregend und körperlich heftig an Grenzen gehend kämpfen dann die beiden gegeneinander: Der vielleicht unschuldige, als pädophiler Mörder verhaftete Baxter, den August Diehl immer wieder aus der Sicherheit des sozial und intellektuell Überlegenen kippen lässt, und dagegen Nicholas Ofczarek als Sergeant, der mit Worten, Psychospielchen und immer mehr körperlicher Gewalt gegen den ihm analytisch überlegenen Gefangenen agiert. (Deutschlandfunk)

Andrea Breth zeigt einen Psychothriller als grandioses Schauspielertheater mit Nicholas Ofczarek und August Diehl als Opfer und mutmaßlicher Täter. Roland Koch und Andrea Clausen ergänzen sehr gut. (News)

Das Bühnenbild von Martin Zehetgruber lässt die Rohheit und psychische Gebrochenheit des Polizisten immer augenscheinlicher werden. Das Wohnzimmer vom Anfang ist vollgestellt mit den Porzellanfiguren von Mädchen, eine dieser „niedlichen Scheiß-Porzellan-Tussis“ zerschlägt Johnson im Rausch. Zum Schluss ist die Bühne kahl. (Falter)

Der Raum von Martin Zehetgruber nähert sich raffiniert dieser komplexen Geschichte an, zeigt changierende Außen- und Innenansichten, die auch psychologische Räume darstellen. (Salzburger Nachrichten)

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