Burgtheater

Ja es umgibt uns eine neue Welt! Torquato Tasso, Johann Wolfang Goethe
Christopher Nell (c) Georg Soulek

Peter Handke
‹Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße›

Claus Peymann hat, seit der „Publikumsbeschimpfung“ 1966 im Frankfurter Theater am Turm, bereits insgesamt zehn Stücke von Peter Handke uraufgeführt. „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“ ist seine fünfte Handke-Uraufführung am Burgtheater.

Endlich wieder ein neues Theaterstück von einem der größten Autoren unserer Zeit: Peter Handke!

„Der Held heißt ›Ich‹, er ist eine Mittelgestalt zwischen Caliban und Prospero, ein Monstrum, ein Irrer, ein Tier und zugleich ein Zauberer.“ So beschreibt Peter Handke seinen „Helden“. Dieser wandelt sich vom »Ich-Erzähler« in »Ich, den Dramatischen« – ein kühner literarischer Coup, den Christopher Nell vielbejubelt und bestaunt auf der Bühne umsetzt: Er sitzt, geht, steht, träumt, zaubert, verzweifelt, wütet, tobt und – erzählt, von seiner Landstraße. Diese Straße ist sein Reich, der »letzte freie Weg in die Welt, der letzte nichtverstaatlichte, nichtvergesellschaftete, nichtgeographierte, nichtgeologisierte, nichtbotanisierte, nichtgegoogelte, nichtöffentliche und nichtprivate Weg auf Erden.« Und den will er verteidigen, einer gegen alle.

Doch die »Unschuldigen«, geführt von ihrem An- und Wortführer und dessen Frau, die „ein bisschen wie Lady Macbeth“ ist, nehmen die Straße in Beschlag, formieren sich auf ihr, hinterlassen ihre Spuren. Dabei wollen sie nichts böses, sind einfach nur da, unschuldig wie sie sind. Unter ihnen auch die »Unbekannte von der Landstraße«, die Schöne, »die erhoffte, seit jeher ersehnte«. Doch ›Ich‹ erkennt sie erst, als es zu spät ist, als sie ihn – nicht nur bildlich – vor den Kopf stößt.
Am Ende alles nur ein Traum?

In Handkes neuem Stück geht es um die Auseinandersetzung des Einzelnen mit der Gesellschaft, um (Nicht-)Kommunikation, um Zuhören und Erinnern – in einer Welt, in der „alles verschwindet“, alte Werte, wahre Freundschaft und Liebe verloren gehen.
„Wie den Weg behaupten?“, fragt der Erzähler. Wie das ICH behaupten?
Wie als Menetekel erzählt Handke auch vom Krieg, der längst begonnen hat, auch bei uns, in unserer Welt des schönen, unschuldigen Scheins.

Koproduktion des Burgtheaters und des Berliner Ensembles

"Ich" im Wechsel zwischen "Ich, Erzähler" und "Ich, der Dramatische"
Christopher Nell

Die Unschuldigen, nicht wenige
Krista Birkner
Fabian Stromberger
Franz J. Csencsits
Anatol Käbisch
Hans Dieter Knebel
Benedikt Paulun
Hermann Scheidleder

Der Wortführer der Unschuldigen oder: Häuptling / Capo
Martin Schwab

unter ihnen mein Doppelgänger
Felix Strobel
Fabian Stromberger

Die Wortführerin der Unschuldigen oder: Häuptlingsfrau/Häuptlingin/Frau
Maria Happel

Die Unbekannte von der Landstraße
Regina Fritsch

Regie: Claus Peymann

Bühne: Karl-Ernst Herrmann

Kostüme: Margit Koppendorfer

Dramaturgie: Jutta Ferbers, Anke Geidel

Licht: Friedrich Rom, Karl-Ernst Herrmann

Musikalische Mitarbeit: Moritz Eggert

Geräusche/Töne: David Müllner

Oktober

Montag, 03.10.2016 | 19.30 UhrBurgtheaterKarten

Freitag, 07.10.2016 | 19.30 UhrBurgtheaterKarten

Eine drei Stunden währende Hommage an Poesie und Fantasie. (Stuttgarter Nachrichten)

Das Reizvolle an Handkes neuem Stück ist die spielerische Ironie, mit der alles Gesagte sofort relativiert, zurückgenommen oder gebrochen wird. Das Unbehagliche an diesem Text ist die untergründig pulsierende Aggression gegen die Eindringlinge, die „Unhiesigen“, die fremd sind im Reich der poetischen Weltbetrachtung und darum am besten sofort davongejagt werden sollten. (FAZ)

Was war das alles nun eigentlich: ein Drama oder eine Wahrheitssuche? Handke blieb wieder ganz in seinem eigenen poetischen Kosmos. (Deutschlandfunk)

Es ist eine große Hommage an das Erzählen, an das Spielen, ans Theater, an die Sprache, an die Poesie, das Zaubern und Verzaubertwerden. Eine Hommage an den Traum und ans Träumen. Es geht weniger um das, was passiert, sondern um das, was passieren könnte. (Kurier)

Peymann wirbelt den dichten Text kunstvoll auf. (Die Presse)

Er widmet sich nicht einer möglichen oder scheinbaren Aktualität, sondern dem „präzisen Tiefentraum vom Menschsein“, wie Handke sein Stück selbst charakterisiert hatte. (APA)

Der Bühnenbildner hat für seine zigste Zusammenarbeit mit dem Regisseur ein wunderschönes Himmelszelt aufgezogen, unter dessen changierenden Farben sich das Poem entfaltet, in bedächtigem Rhythmus, drei Stunden lang. Lang genug, dass man sich gründlich daran sattsehen kann. (NZZ)

Selten hat sich der empfindsame Wüterich Handke so komisch selbstkarikiert wie in diesen Tiraden seines vom 36jährigen Christopher Nell famos interpretierten dramatischen Ichs. (Bayerischer Rundfunk)

Der bald 80-jährige Peymann zaubert mit der Hilfe seines kongenialen Bühnenbildners Karl-Ernst Herrmann starke Bilder auf die Bühne. Der Demonstrationszug der „Unschuldigen“ auf der Landstraße hält Transparente wie „Freiheit, Gleichheit, Informiertheit“ dem Zuschauer entgegen. Das sind Bilder, die nur schwer aus dem Kopf zu kriegen sind, Regietheater im besten Sinne des Wortes. (Handelsblatt)

Finaler Jubel des Publikums, mit dem Unterton von retrospektiver Wertschätzung. (Osterösterreichische Nachrichten)

Einhelligen Jubel gab es nach der Uraufführung von Peter Handkes neuem Stück [...]. Zwei Altmeister, Claus Peymann als Regisseur und Karl-Ernst Herrmann (Bühne) haben es den Theater-Jungspunden noch einmal gezeigt. (Neue Kronenzeitung)

Zum Glanzstück geriet an der Burg Claus Peymanns Uraufführung von Peter Handkes jüngstem Stück. (Kleine Zeitung)

Und das macht ja einen Reiz aus des Stücks, dass man sich fragt, welche Geschichte sich da auftun könnte, und dass sich einer erlaubt, in Flüchtigkeit zu schwelgen und natürlich auch davon zu erzählen, dass die Unschuldigen, die Mehrheit wohl doch nicht immer wirklich unschuldig sind. Ein Stück frei von Theatermoden und Wünschen der Kommunalpolitik an das Theater. (Stuttgarter Nachrichten)

Eigentlich ist Peter Handkes Text [...] eher eine Art räsonierender Lebenssinn-Monolog. Regisseur Claus Peymann hat ihn aber mit einer unaufgeregten Lockerheit schwungvoll auf die Bühne des Wiener Burgtheater gebracht. Bei der Uraufführung gab es viel Beifall. (Deutschlandfunk)

Von ihm gilt als gesichert, dass noch niemals ein Zuschauer seine Karte wegen Langeweile zurückgegeben hat. Der größtmögliche Unterhalter inszenierte den größtmöglichen Langeweiler – man durfte gespannt sein. (Die Welt)

Claus Peymann, ein Meister im Aufnehmen von literarischen Routen, rückt das alles ins rechte Licht: Wie aus dem Nichts lässt er dank Karl-Ernst Herrmanns Meisterschaft in Sachen Atmosphären die Landstraße als weißes Band erscheinen. Darüber schickt er durchaus skurrile wie groteske Typen, ohne je das Handke-Wort abzuschneiden. Stimmungen werden von ihm wie gehabt erfühlt, perfekt in Szene gesetzt. (Neue Kronenzeitung)

Christopher Nell spielt ihn als schizoid gestörten Jungeremiten mit Allmachtsphantasien und Herscherallüren, ein rumpelstilzendes Übermenschlein in Schlabberhosen, halb gut-mütiger Tippelbruder, halb Amokläufer in Wartestellung, eine Mischung aus Eichendorffschelm, Taugenichts und Scorseses Travis Bickle. Am Berliner Ensemble war Nell Robert Wilsons Mephistopheles und Leander Haußmanns Hamlet. Jetzt ist er Peymanns Wiener Taxi Driver der Landstraße. (FAZ)

Er heißt Christopher Nell und leistet mehr als Klaus Maria Brandauer in sechs Stunden „König Lear“. Nell ist jung, ein hilfloses Bürschchen, mehr Kind als Mann, und Peymann schafft es, ihn zur unumstößlichen Säule des Ganzen werden zu lassen. Man fragt sich, wie das möglich war. Ein Wunder geradezu. (Die Welt)

Christopher Nell, den Peymann aus Berlin für die Hauptrolle als Handkes doppeltes Alter Ego mitbrachte, ist ein fantastischer Schauspieler, ein magischer Schalk, ein Puck in Handke-Verkleidung, der uns in Nachtgesichten unseres eignen Hirnes Dichten zeigt. (Kurier)

Das sind großartige Szenen von Nell und Schwab. Happel liefert ein Meisterstück an Lust und Spiel, das zur Todesfuge wird. (Die Presse)

Auch Regina Fritsch als „Unbekannte“ überzeugte am Premierenabend als Verkörperung des Geheimnisvollen. (Orf.at)

Nur Martin Schwab – mit grauen Indianer-Zopf als „Häuptling“ der Unschuldigen – scheint wirklich in sich hineinzuhorchen, wenn er am versöhnungsseligen, von Peymann stark gekürzten Ende seine Kindheitserinnerungen hervorholt. (Spiegel online)

In Christopher Nell, in dessen Rolle des „Ich“ naturgemäß viel von Handke selbst steckt, besitzt er einen großartigen Hauptdarsteller. Mit beweglicher Körpersprache und komödiantischem Ernst bedient er Handkes Bedeutungstexte und lockert sie zugleich auf. (Deutschlandfunk)

Eine zauberhafte, seltene Erscheinung ist Fritsch – prägnant und unheimlich präsent. (Die Presse)

Peymann hat für seine Inszenierung, eine Koproduktion mit dem Berliner Ensemble, ein ideales Ensemble gefunden. Allen voran mit dem bejubelten Christopher Nell: ein Suchender, musikalisch und verletzlich, spielt sich in die Herzen des Wiener Publikums. [...] Peymann sah und sieht stets den Menschen, die hinter den Kunstfiguren der Dichter stecken. Das ist ihm immer gelungen, auch hier. (Neue Kronenzeitung)

Nell ist grandios als leidenschaftlich klagende, tanzende, singende, im glücklich verliebte und doch Erlösung erträumende Hauptfigur, die sich aus zweien speist: „Ich, Erzähler“ und „Ich, der Dramatische“. Es ist Handkes gespaltenes Ich, das im Laufe des Abends auch noch einen nicht zu vertreibenden Doppelgänger bekommt. (Oberösterreichische Nachrichten)

Peymann zieht einfach alle Register, um den Zuschauer ununterbrochen abzulenken, zu beeindrucken, in den Theatersessel zu pressen. Dafür hat er sich wieder, klar, seine besten Schauspieler der Burg geholt, die von früher, und durch ein paar wenige neue ergänzt. Maria Happel besetzt er mit sicherer Hand als Rampensau. Sie muss Handkes Fantasie von der Ur-Frau, Ur-Nutte, Ur-Schlampe geben, und das lässt sie sich nicht zweimal sagen. (Die Welt)

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