Burgtheater

Ja es umgibt uns eine neue Welt! Torquato Tasso, Johann Wolfang Goethe
Ensemble (c) Reinhard Werner

Harold Pinter
‹Party Time›

„Alles, was wir verlangen, ist, dass die öffentlichen Dienste dieses Landes ihren gewohnten Gang gehen, ihren sicheren und geregelten Gang, und dass der gewöhnliche Bürger seiner Arbeit und seiner Freizeit ungestört nachgehen darf.“

Eine entvölkerte Stadt irgendwo in Mitteleuropa. In den Straßen patrouillieren Soldaten, der Verkehr ist zusammengebrochen. Nachrichtensperre. In einem exklusiven Club für die gehobene Gesellschaft ist unterdessen „Party time“. Die Mitglieder dieser „happy few“ scheinen unbeeindruckt von den Vorgängen in ihrer Umgebung, sie plaudern, prahlen und protzen mit Affären, Eroberungen,
Geschäften.

Die Beziehungen zwischen Männern und Frauen sind von Kälte und Berechnung geprägt – Sex ist Macht- und Unterdrückungsspiel. Die wenigen Versuche, einander aufrichtig zu begegnen, scheitern an Angst und gegenseitigem Misstrauen.

Harold Pinter beschreibt in seinem 1991 entstandenen Stück eine herrschende Elite, die sich ihrer verkommenen Moral rühmt. Geheimhaltung und Repression sind die politischen Werkzeuge dieser Clique. Wer nicht konform geht, begibt sich in Lebensgefahr. Doch in den Straßen droht der Aufstand – wer ist das Volk?


Mit freundlicher Unterstützung der Brillenmanufaktur Schau Schau

Regie: Miloš Lolić

Bühne: Sabine Kohlstedt

Kostüme: Janina Brinkmann

Licht: Norbert Gottwald

Dramaturgie: Eva-Maria Voigtländer

Die Technobeats wummern. Als Miloš Lolić in den 1990ern in Belgrad heranwuchs, schwelte in den Straßen der Krieg. Die Clubs der Stadt wurden seiner Generation zur Zuflucht: aufgelöst in den Herzschlägen der Bässe konnten er und die anderen Jungen sich hier selbst vergessen, die Welt abstreifen. Mit dieser biografischen Referenz eröffnet der 36-Jährige seine Inszenierung von Harold Pinters Party Time. Jene aber, die im Burgtheater-Kasino zur dröhnenden Musik zucken, sind keine Unschuldigen. […]
Das hervorragend besetzte Ensemble führt das Setting hart an die Groteske, macht es aber nie unglaubwürdig. (Der Standard)

Regisseur Miloš Lolić inszeniert Harold Pinters Stück im Burgtheater-Kasino als eine famose Klimax von der Dekadenz in den Niedergang. […]
Lolić verbindet in seiner Inszenierung Poesie und starke Effekte mit interpretatorischer Schärfe. (Der Standard online)

Miloš Lolić inszeniert die österreichische Erstaufführung des Einakters als groteske Flucht vor einer bitteren Realität. (APA)

Vor einem Vierteljahrhundert wurde Pinters „Party Time“ in London uraufgeführt. Der Text aber wirkt wie eine Momentaufnahme aus der Gegenwart. Eine kleine Gruppe von Privilegierten hat sich in einer Wohnung zurückgezogen und macht Party. Man trinkt, man feiert sich und den eigenen Wohlstand und verdrängt, dass draußen der Ausnahmezustand herrscht. (News)

Lolić lässt Pinters Einakter über die Amüsierflucht einer korrumpierten Mittelschicht in einer westlichen Diktatur gleich in drei Versionen ablaufen. Womit klar zum Ausdruck kommt, dass das Wegschauen vor jeglicher gesellschaftlicher Realität zum Maß aller Dinge geworden ist. Ein resignativer Ansatz, dem Darsteller wie Stefanie Dvorak, Philipp Hauß, Mavie Hörbiger oder Michael Masula zum Durchbruch verhelfen. (Kleine Zeitung)

Absurdes schimmert in Harold Pinters „Party Time“ nur schwach durch, dafür sorgt der junge Regisseur Miloš Lolić mit seinen Menschenarrangements auf fast leerer Spielfläche: eine Ensembleleistung. (Kronen Zeitung)

Der Regisseur Miloš Lolić lässt sie ihre Gespräche permanent wiederholen und selbst in Extremlagen noch führen und überführt sie so ihrer Oberflächlichkeit. Eine recht spaßige Angelegenheit über das ignorierte Grauen. (Falter)

Regisseur Miloš Lolić [...] zeigt in seiner Inszenierung von Harold Pinters „Party Time“ [...] mehr als die Abschottung der Reichen, ihm geht es um die Darstellung der emotionalen Kälte einer wohlstandsverwahrlosten, empathielosen Gesellschaft, deren einzige Werte Macht, Geld und Sex sind. (Die Furche)

Alles ist gut, wenn der Beat lauter ist als die Welt da draußen. Gespräche sind an der Oberfläche zu halten, sonst droht der Absturz. [...]
Das nur 26 Seiten umfassende Stück [...] ist zwar schon 1991 entstanden, könnte aber genauso gut im Lichte der aktuellen weltpolitischen Verunsicherung geschrieben worden sein. [...]
Der Bühnenraum bleibt bis auf ein mobiles, einstöckiges Gerüst leer. Sabine Kohlstedt (Bühne) hat damit ein eindringliches Bild für die - fragile - Inselbildung der Elite geschaffen. [...]
Lolić hat das Absurde von Pinters Original durch seine Verdreifachung und damit einhergehender Dekonstruktion noch einmal zugespitzt. [...] Langer Applaus für ein an seine körperlichen Grenzen gehendes Ensemble und einen Regisseur, der tief in diesen Text eingedrungen ist und dessen Eingeweide quasi auf dem Silbertablett präsentiert. (APA)

Aus dem Ensemble ragen Philipp Hauß ganz grau in grau und Stefanie Dvorak mit Tigerprint und Latexstrümpfen hervor. (Wiener Zeitung )

Michael Masula erzählt als Gastgeber mit ironischer Miene von Golf- und Bootausflügen, gibt aber seinen Gelderwerb nicht preis; Elisabeth Augustin als Dame Melissa beklagt schmallippig, dass ihre Limousine an einer Straßensperre aufgehalten wurde. Aber auch Stefanie Dvorak als Liz, ein Mädchen mit feuerroter Krause, Minirock und Plastikstrümpfen erfreut. (Die Presse)

Die einzige ehrliche Stimme, die von Dusty (fabelhaft, Mavie Hörbiger), die sich um ihren Bruder sorgt, wird von ihrem Mann (ausgezeichnet, Philipp Hauß) zum Verstummen gebracht. (News.at)

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