Burgtheater

Ja es umgibt uns eine neue Welt! Torquato Tasso, Johann Wolfang Goethe
(c) Georg Soulek

Johann Wolfgang Goethe
‹Torquato Tasso›

„Frei will ich sein im Denken und im Dichten
Im Handeln schränkt die Welt genug uns ein.“

Ein lichter Frühlingstag auf Belriguardo, dem Lustschloss des Herzogs von Ferrara: Der Dichter Torquato Tasso, der gleichsam als artist-in-residence am Hof von Alfons II. lebt, hat sein neues Epos Das befreite Jerusalem vollendet und überreicht es nun seinem Mäzen. Noch bevor irgendjemand das Werk gelesen hat, setzt Leonore, die Schwester des Herzogs, ihm dafür Vorschusslorbeeren auf. Man pflegt wieder einmal kunstsinnige Konversation, als Antonio in die Idylle hereinbricht. Obgleich dieser alles tut, um Tasso zu verletzen, versucht der Dichter, die Freundschaft des weltgewandten Diplomaten zu gewinnen. Doch nach weiteren Attacken Antonios gegen Kunst und Wissenschaft und vor allem auch gegen Tasso persönlich eskaliert die Situation – Tasso zieht den Degen, wider alle höfischen Regeln. Diesen Tabubruch muss der Herzog, eher mildgestimmt, mit Hausarrest bestrafen. Der Künstler wähnt sich gefangen und, zerfressen von Misstrauen, überflüssig in der Welt – im Gegensatz zum mit beiden Beinen im Leben stehenden Realpolitiker Antonio. Vom Herzog fordert er sein Epos zurück, um in Rom daran feilen zu können, doch Alfons, der schließlich dafür bezahlt hat, verspricht ihm bloß eine Kopie. Tasso, immer am Rande der Selbstverbrennung, begeht die nächste Grenzüberschreitung – mit einem Kuss.

Goethes Künstlerdrama ist vielleicht sein persönlichstes Stück: „ein gesteigerter Werther“, „Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“. Es erzählt in meisterhaft-strenger Versform von der „Disproportion des Talents mit dem Leben“, von Kunst und Markt, Genies und Staatsmännern, Macht und Ohnmacht.

Alfons der Zweite, Herzog von Ferrara
Ignaz Kirchner

Leonore von Este, seine Schwester
Andrea Wenzl

Leonore Sanvitale, Gräfin von Scandiano
Dorothee Hartinger

Torquato Tasso, Hofdichter
Philipp Hauß

Antonio Montecatino, Staatssekretär
Ole Lagerpusch

Musiker
Friederike Bernhardt

Regie: Martin Laberenz

Bühnenbild: Volker Hintermeier

Kostüme: Aino Laberenz

Musik: Friederike Bernhardt

Licht: Peter Bandl

Dramaturgie: Florian Hirsch

April

Freitag, 07.04.2017 | 20.00 UhrBurgtheaterKarten

Mai

Mittwoch, 03.05.2017 | 19.30 UhrBurgtheaterKarten

Martin Laberenz lässt Goethes streitende Prinzipien am Burgtheater Wien erhaben aufeinanderprallen. (nachtkritik.de)

Die Hauptattraktion sind die fünf Schauspieler, die Laberenz durch seine zweistündige Inszenierung rasen lässt. (APA)

Edler Dichterfürst oder bloß Fürstendichter. Burg-Debüt mit „Torquato Tasso“: der aufregende Blick des Regisseurs Martin Laberenz auf Goethes Künstlerdrama. (Tiroler Tageszeitung)

Großartige Schauspieler. (Kurier)

Dekonstruktion ist Programm. L‘art pour l‘art auf der ganzen Linie, angefangen bei den fantasievollen bis ironischen Kostümen von [...] Aino Laberenz über besagte Kunsthallen-Drehbühne bis hin zur live am Bühnenrand eingespielten Musik von Friederike Bernhardt, die das Geschehen mit ihren subtilen elektronischen Beats verstärkt. (APA)

Regisseur Laberenz setzt einiges daran, um das Stück aus seiner historischen Umklammerung zu lösen, ohne es dabei aber zu verraten. Mit wenigen Drehungen holt er die Frauenfiguren aus der emanzipatorischen Versenkung, macht dem schweren Versmaß Luft. (Der Standard)

Und so bleibt es, diesen „Torquato Tasso“ als Gesamtkunstwerk wirken zu lassen, ohne ihn zu Fassen bekommen zu wollen. Martin Laberenz verzichtet vollkommen darauf, irgendwelche Anknüpfungspunkte an heutige Abhängigkeitsverhältnisse oder innere Abgründe über die Bühnenrampe hinaus herzustellen. Und hält uns dabei doch einen Spiegel vor. (Tiroler Tageszeitung)

Philipp Hauß als teddybärhafter Tasso, der mit seinen Wünschen kämpft wie mit seiner rutschenden Brille. [...] Großartig! (Kurier)

Philipp Hauß, endlich wieder seinem Talent entsprechend eingesetzt, ist der schwierigen, weil in seiner Selbstbespiegelung ambivalenten Person des Torquato Tasso mehr als gewachsen. Er schafft es, die von der Regie geforderten ironischen Brüche zu bedienen, ohne die Figur zu verraten. (Tiroler Tageszeitung)

Philipp Hauß [spielt] den Tasso in seinen Zyklen von Depression, Größenwahn und finaler Paranoia fast komödiantisch. (Die Welt)

Ihn übertrifft in der Artistik Philipp Hauß, der auf dem Höhepunkt des Dramas, bereits isoliert, einen unglaublich rasanten Sprachschwall der Verlassenheit produziert. Das wird zu Recht mit Zwischenapplaus bedacht. Hauß geht souverän mit der Sprache um, er entlockt ihr auch Komik, wo man sie kaum vermutet hätte. (Die Presse)

Der Genuss, mit Goethes Versen auf den Lippen aus dem Bad zu steigen, ist der Gräfin Leonore der großartigen Dorothee Hartinger anzumerken und die Prinzessin der Andrea Wenzl ist sowohl tiefstimmig-selbstbewusste junge Frau wie berührende Verliebte. (Tiroler Tageszeitung)

Und die Prinzessin? Sie kümmert die Etikette kaum. Andrea Wenzl spuckt die Worte aus wie andauerndes Schmollwerk. Ihre Leonore von Este ist ein Girlie, das nicht nur nicht weiß, was sich ziemt, sondern, im Gegenteil, dem Tasso selbstbestimmt an die Wäsche geht. (Die Presse)

Vor allem aber Andrea Wenzl und Dorothee Hartinger als die beiden Leonores, die unter Aufbietung all ihrer erotischen und intriganten Künste um Seele und Körper des Dichters ringen und dabei immer näher an den Rand des Nervenzusammenbruchs geraten. Großartig! (Kurier)

Burggast Ole Lagerpusch verkörpert als fahriger, trotz seiner Sicherheit skrupulöser Antonio eindrücklich Tassos Gegenspieler und Ignaz Kirchners Alfons, vordergründig wohlwollend, zeigt fabelhaft, wenn er vor dem Spiegel lorbeerbekränzt Dichterposen übt, den allmächtigen Herrscher. Sehenswert. (Tiroler Tageszeitung)

Ole Lagerpusch gibt einen verhaltensauffälligen Staatssekretär, der sich an der unterschwellig bedrohlichen Synthesizer-Musik Friederike Bernhardts orientiert. [...] Dieser Antonio macht den strengen Vers zum Rapp. (Die Presse)

Ignaz Kirchner als Fürst, der daran leidet, dass er im Gegensatz zum Künstler nie Applaus bekommen wird. Ole Lagerpusch als verklemmter Staatssekretär, der seine Gefühle hinter seinem Schnurrbart verstecken will. [...] Großartig! (Kurier)

Am Burgtheater [...] hat der junge Regisseur Martin Laberenz das abstrakte Stück jetzt in eine Art Installation verwandelt – und die Regler für alle Elemente hochgedreht, die nichts mit Sprache zu tun haben: Bühne, Sound, Kostüme. [...] Goethes Dramentext ist also gleich mehrfach verpackt, und die Verpackung ist toll. (Die Welt)

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