Burgtheater

Ja es umgibt uns eine neue Welt! Torquato Tasso, Johann Wolfang Goethe
Merlin Sandmeyer in der herzerlfresser (c) Marcella Ruiz Cruz

Ferdinand Schmalz
‹der herzerlfresser›

wiener roh(fleisch)fassung

„Die Grillen werden singen von der Liebe. Und die Herzen werden zirpen bis sie platzen.“

Der Gangsterer Andi entdeckt im Sumpf eine weibliche Leiche. Das Herz ist ihr herausgerissen. Der Sumpf ist aber gar nicht mehr so sumpfig, wie er früher einmal war. Alles ist frisch zubetoniert. Ein Einkaufsparadies ist auf ihm entstanden, an einem verkehrsgünstigen, zukunftsorientierten Standort in der Region mit Arbeitsplätzen, Wachstumsperspektiven. Die Eröffnung steht bevor. Da kommt so eine Frauenleiche reichlich ungelegen. Und dann wird noch eine zweite Dame ohne Herz gefunden. Heimlich im Moor entsorgen, so heißt die Krisenstrategie des Bürgermeisters, der den Gangsterer Andi mit der Leichenbeseitigung beauftragt. Und während das Eröffnungsfest zum Kaufrausch lädt, dringt der Sumpf durch alle Ritzen. Beim Tanz zur munteren Musik schlagen die einen Herzen höher und die anderen gar nicht mehr. Ein Schuss und Schluss.

Im herzerlfresser erinnert Ferdinand Schmalz an eine grausame Mordserie aus dem steirischen Mürztal vor fast 250 Jahren. Der Legende nach war der Knecht und Kartenspieler Paul Reininger von dem Wahn besessen, sieben noch warme Mädchenherzen verschlingen zu müssen. Ferdinand Schmalz holt diese düstere Überlieferung in eine heutige Kleinstadt und überprüft an ihr die Liebe in Zeiten des Neoliberalismus.

Nach am beispiel der butter und dosenfleisch ist der herzerlfresser das dritte Stück des Grazer Autors am Burgtheater. Ferdinand Schmalz gewann 2012 den Retzhofer Dramapreis und wurde 2014 von „Theater heute“ zum Nachwuchsautor des Jahres gewählt.

gansterer andi
Merlin Sandmeyer

acker rudi
Johann Adam Oest

fauna florentina
Irina Sulaver

pfeil herbert
Sebastian Wendelin

fußpflege irene
Peter Knaack

und
Marlene Grois
Philine Hofmann
Esther Leoni
Daria Lik
Ylva-Maj Rohsmann
Franziska Stadler

Regie: Alexander Wiegold

Bühne: Katrin Brack

Kostüme: Lane Schäfer

Musik: Hannes Gwisdek

Chorarrangement: Bernhard Moshammer

Choreographie: Daniela Mühlbauer

Licht: Michael Hofer

Dramaturgie: Klaus Missbach

März

Sonntag, 26.03.2017 | 19.00 UhrAkademietheaterKarten

April

Dienstag, 25.04.2017 | 20.00 UhrAkademietheaterKarten

Alexander Wiegold [hat] so zügig wie hintersinnig inszeniert: Kannibalismus kann auch lustig sein. (Die Presse)

Regisseur Alexander Wiegold [...] verzichtet darauf, der abgründigen Deftigkeit des Stücks mit allzu lauten Mitteln zu begegnen. (Tiroler Tageszeitung)

Es zahlt sich aus, dieses Kammerspiel zu sehen, in dem ein jeder der Darsteller auf seine eigene Art glänzen kann. (Die Presse)

Jubel für den jugendlichen Dramatiker. (Der Standard)

Schmalz peppt das tragische Geschehen der Tötungsdelikte des historischen Herzerlfressers mit subkutaner, zeitgeistiger Gesellschaftskritik auf. (European Cultural News)

Schmalz thematisiert recht listig und in der anarchisch grundierten Volkstheatersprache in der Tradition eines Ödön von Horvath oder Helmut Qualtinger manche brennende Gegenwartsfrage. (Kleine Zeitung Steiermark)

Es gelingt [Alexander Wiegold], die blutrünstigen Taten durch die Überzeichnung der Figuren und durch gekonnte, humorvolle, schauspielerische Einsätze, konsumierbar zu machen. (European Cultural News)

- - -

Morden und Entsorgen ist hier, wie gesagt, jugendfrei, im Mittelpunkt steht das Zwischenmenschliche, in witziger, treffsicherer, verspielter Sprache ausgebreitet. (Die Presse)

Oest, Sandmeyer, Irina Sulaver, Sebastian Wendelin und Peter Knaack als transsexuelle Fußpflegerin hauchen einem eher kleinen Stück größeres Bühnenleben ein. (Kleine Zeitung Steiermark)

Peter Knaack ist als Irene eine Wucht, komisch und tragisch zugleich. Irina Sulaver ist als Dorf-Außenseiterin Irene herrlich merkwürdig, Johann Adam Oest ist ein von unterdrückten Sehnsüchten gebeutelter Bürgermeister. Sehr stark auch Merlin Sandmeyer als ehrgeiziger, verliebter Wachmann und Sebastian Wendelin als unheimlicher ... ja, das dürfen wir hier nicht verraten, sonst schlachten wir die Pointe. (Kurier)

Aus dem fünfköpfigen Ensemble [...] sticht Peter Knaack hervor, der die Fußpflegerin Irene auf berückende Weise zu verkörpern weiß. Wie Knaack in zuckerlrosa Kittelschürze am Boden kniet, anderen die Füße wäscht und wirklich jedem gut zuredet, hat viel tragikomische Grandezza. (Wiener Zeitung)

Einmalig, wie Johann Adam Oest seinen Bürgermeister mit einer nicht enden wollenden Larmoyanz und viel Selbstmitleid ausstattet. Lachmuskelfordernd agiert Peter Knaack als „irene“. Schon wenige Augenblicke nach seinem ersten Auftritt in dieser Transvestie-Rolle hat er das Publikum auf seiner Seite. (European Cultural News)

Oests Bürgermeister ist der wahre Schatz dieser [...] Aufführung. Er schnappt und bibbert – ein Pappkamerad auf der Suche nach menschlicher Wärme, der nach den Brosamen des Glücks pickt und hackt. In die Arme von (falschen) Damen kippt er beseligt, als wäre unser aller Leben nur ein Vorspiel zu einem traumlosen Schlaf ohne Erwachen. (Der Standard)

Bühnenbildnerin Katrin Brack hat die Spielfläche in einen Wald der Illusionen verwandelt: Von hoch oben hängt eine Unmenge glitzernder, blauer Girlanden herab, Sumpf und Kauftempel in einem illustrierend. (Die Presse)

Das Bühnenbild von Katrin Brack ist eine mächtige Ansage. (Wiener Zeitung)

Unzählige Glitzergirlanden bilden einen blauen Lianenwald. Grillen und Olme vervollständigen die nächtliche Kulisse zirpend und quakend (Bühne: die ingeniöse Bilderfinderin Katrin Brack). (Der Standard)

Suche im Spielplan



  • Bundestheater-Holding
  • Burgtheater
  • Staatsoper
  • Das Ballett
  • Volksoper
  • Art for Art/Theaterservice