Burgtheater

Ja es umgibt uns eine neue Welt! Torquato Tasso, Johann Wolfang Goethe
Catrin Striebeck, Maria Happel, Sylvie Rohrer, Kirsten Dene, Frida-Lovisa Hamann, Katharina Lorenz (c) Georg Soulek

Jenny Erpenbeck, Nino Haratischwili, Elfriede Jelinek, Terézia Mora, Sofi Oksanen
‹Ein europäisches Abendmahl›

„Reichtum sitzt still, der Hunger wandert.“

Mari ist weit herumgekommen. Sie war schon fast auf jedem Kontinent, von der Antarktis mal abgesehen. Inzwischen geht sie kaum noch vor die Tür, nur noch zum Einkaufen, obwohl an beiden Eingängen des Supermarkts gebettelt wird. Mary packt in London ihre Koffer. Sie will nach Kiew fliegen, um Darja, ihre Eizellenspenderin, kennenzulernen. Als Mary früher in der Schule gefragt wurde, was sie werden möchte, hatte sie geantwortet „Mutter“. Darja braucht das Geld. Marusja ist Putzfrau im Gemeindehaus, das jetzt ein Flüchtlingsheim ist. Sie lebt schon lange hier im Westen, hat die Sprache gelernt, auch die kompliziertesten Wörter. Die Leute hier bezeichnet sie als die „Eingeborenen“ und „man muss besser sein, als die hier“, ist ihr Leitspruch. Jetzt muss sie leider erfahren, dass das „naivna“ war. Die Frau aus Österreich kämpft mit dem Stier Europa und die Frau im Bikini hat Angst, auf die Straße zu gehen, Angst ins Schwimmbad zu gehen. Sie kann nicht schlafen. Irgendetwas muss ihr gegen ihre Angst einfallen.

Fünf Autorinnen aus fünf Ländern haben Frauenfiguren für diesen Abend geschrieben, die sich mit unserer Lage in Europa heute auseinandersetzen. Das europäische Abendmahl ist kein mageres pseudofeministisches Manifest, sondern ein subjektiver, manchmal schwarzhumoriger Gang durch den Herrschaftsdiskurs und eine Bestandsaufnahme zu der sich verändernden Situation in Europa heute – bevor die Tafel womöglich endgültig abgeräumt wird.

Terézia Mora
Mari
Kirsten Dene

Elfriede Jelinek
Frau aus Österreich
Sylvie Rohrer
Frida-Lovisa Hamann

Nino Haratischwili
Marusja
Maria Happel

Sofi Oksanen
Darja und Mary
Catrin Striebeck
Katharina Lorenz

Jenny Erpenbeck
Frau im Bikini
Frida-Lovisa Hamann

Regie: Barbara Frey

Bühne: Martin Zehetgruber

Kostüme: Esther Geremus

Licht: Friedrich Rom

Dramaturgie: Klaus Missbach

März

Freitag, 24.03.2017 | 20.00 UhrAkademietheaterKarten

Freitag, 31.03.2017 | 20.00 UhrAkademietheaterKarten

April

Sonntag, 09.04.2017 | 19.00 UhrAkademietheaterKarten

Dienstag, 11.04.2017 | 20.00 UhrAkademietheaterKarten

Donnerstag, 27.04.2017 | 20.00 UhrAkademietheaterKarten

Mai

Mittwoch, 03.05.2017 | 20.00 UhrAkademietheaterKarten

Die Uraufführung des Auftragswerks »Ein europäisches Abendmahl« im Akademietheater überzeugt durch Konzentration wie auch Vielfalt. [...] Ein toller Theaterabend, der wirklich zu Herzen geht. (Die Presse)

Ein grandioses Text-Menü, exzellent zubereitet. [...] Und fünf hochkarätige Autorinnen [...] sorgen mit ihren Texten dafür, dass dieses „europäische Abendmahl“ schon jetzt Anspruch auf eines der Glanzstücke dieses Jahres hat. Obwohl an der Festung Europa der Lack völlig ab ist. (Kleine Zeitung)

Barbara Frey [...] darf sich zu Recht über die große Zustimmung des Premierenpublikums freuen. Ihr und dem Ensemble gelang ein intensiver Abend mit einigem Nachklang. (Tiroler Tageszeitung)

„Ein europäisches Abendmahl“ erweist sich als so feinsinniger wie tiefgründiger Abend, der ein Nachdenken über Europa von randständiger Perspektive aus forciert. (Wiener Zeitung)

Schauplatz ist das schon halb eingestürzte Haus Europa (Bühne: Martin Zehetgruber) in der heutigen Vorverfallszeit. Der weibliche, aber nicht dogmatisch feministische Blick bewährt sich an einem aufwandlos spannenden Abend, der das Theater dorthin zurückführt, wo man es gern öfter hätte: zur puren Schauspielkunst. (Kronenzeitung Nachtkritik)

Eine kleine, wortfeine Sicht auf das Europa, wie es heute (so geworden) ist. Subjektiv, nachvollziehbar, geschliffen. (Dresdner Neueste Nachrichten)

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Es ist meisterhaft, wie Mora die aktuelle Stimmung wiedergibt, Hoffnungen wie Pessimismus andeutet, Hilfsbereitschaft und kalkulierte Ablehnung mischt. Dene bringt dieses feine Gewebe fabelhaft zur Sprache. [...]
Sylvie Rohrer und Frida-Lovisa Hamann tragen vokal-artistisch perfekt eine scharfe Suada von Elfriede Jelinek vor und sehen dabei aus wie Karikaturen der Dichterin. [...]
Happel als Putzfrau aus dem Osten [...] ist nicht nur dramaturgisch der Mittelpunkt dieses Abends. Fantastisch, wie aus dem vorsichtigen Beginn ein Furioso wird, wie aus einer fleißigen, extrem anpassungswilligen Immigrantin eine xenophobe Giftmischerin wird! (Die Presse)

In der präzisen wie pointierten Inszenierung von Barbara Frey sitzt Kirsten Dene ganz allein auf der Bühne [...]. Mit diesem Monolog voll bitterem Witz, von Dene beiläufig interpretiert, spricht Mora viele Probleme an [...]. Zudem fungiert der Text in der von Frey kurzfristig umgestellten Abfolge als Wegweiser. [...]
Maria Happel sprüht im grenzgenialen Glitzer-Outfit (von Esther Geremus) eifrig Gift, sie erinnert an Werner Schwabs Klofrau Mariedl in „Die Präsidentinnen“ – und berührt als gebrochene Frau. (Kurier)

Für den wohl besten Gang des furiosen Text-Menüs sorgt die gebürtige Ungarin Terézia Mora, die in Kirsten Dene zudem eine großartige Protagonistin findet. Boshaft, sarkastisch und entlarvend lässt eine Pseudo-Kosmopolitin nach und nach ihren Vorurteilen und ihrem Rassismus freien Lauf, streut aber auch weise Erkenntnisse und kluge Sprichwörter in ihre moralische Kreuz- und Querfahrt ein. (Kleine Zeitung)

Die verzaubernde Kirsten Dene als lebensweise Emigrantin im Strom der Zeitenwende; die elementare Maria Happel als maximalassimilierte Putzfrau im Flüchtlingsheim; Katharina Lorenz und Catrin Striebeck als darbende ukrainische Eizellenspenderin und ihre englische Auftraggeberin; Frida-Lovisa Hamann als paralysierte junge Frau: Sie verantworten einen sentimentalen und witzigen, todtraurigen und skurrilen Abend – vielleicht schon das Requiem auf eine große politische Vision. [...]
Die Nobelpreisträgerin schrieb für das Projekt als Einzige keinen neuen Text, weshalb die Regisseurin Barbara Frey auf den Epilog zum Flüchtlingsstück „Die Schutzbefohlenen“ zurückgriff: ein extraterrestrischer Wutschwall, den Sylvie Rohrer virtuos umsetzt. (Kronenzeitung Nachtkritik)

Schlaflos in Berlin ist die „Frau im Bikini“ in Jenny Erpenbecks Textbeitrag zu „Ein europäisches Abendmahl“. Angst und das Gefühl der Lähmung bestimmen Tag - wie Nachtträume einer jungen Frau mitten in Europa (eindrucksvoll: Frida Lovisa Hamann). [...]
Eine ukrainische Eizelle soll in der Szene, die die finnisch-estnische Schriftstellerin Sofi Oksanen beigesteuert hat, den Weg ins goldene Westeuropa finden. [...] Catrin Striebeck (Mary) und Katharina Lorenz (Darja), berührend und traurig, sind diese beiden Frauen, deren Nöte ihre ungleichen Welt-Umgebungen spiegeln. (Tiroler Tageszeitung)

In der westlichen Kulturgeschichte spielt das festliche Gelage eine zentrale Rolle: Platons „Gastmahl“ ist eine der einflussreichsten Schriften des Philosophen, und Leonardo da Vincis „Letztes Abendmahl“ ist auch kein ganz unbekanntes Gemälde. Frauen als Gäste sucht man bei diesen Festzusammenkünften indes vergebens; sie waren nicht vorgesehen. Eine Korrektur dieses allzu deutlichen Gefälles strebt die jüngste Premiere am Akademietheater an. (Wiener Zeitung)

Den Anfang macht Kirsten Dene, die sich auf einen Stuhl setzt, einen grandios koketten Blick ins Publikum wirft und dann ganz ruhig beginnt, Terezia Moras Monolog einer Frau namens Mari zu sprechen. Sie kam als „Illegale" aus dem Osten, war später viel auf Reisen, hat geheiratet und eine Tochter großgezogen. Inzwidiert in den USA, und Mari hat sich von der Welt zurückgezogen. Viel weiter als bis zum nächsten Block reicht ihr Radius nicht zum nächsten Block reicht ihr Radius nicht mehr; auch eine gelungene Integration schützt nicht vor Alterseinsamkeit. Eine Zeit lang hat Mari einem jungen Syrer Deutschunterricht gegeben. „Europa ist eine fürsorgliche Mutter", hat der einmal zu ihr gesagt. Worauf sie antwortete: „Und ein kleiner, eisbedeckter Mond." Nach dieser schönen Ouvertüre geht's mit Jelinek weiter. [...]
Ihre Angst und ihre Wut lebt Marusja in Form von offenem Rassismus aus; die Flüchtlinge bezeichnet sie als „Affen", „Barbaren" und Dass sie eine ihr besonders verhasste Asylwerberin am Ende sogar vergiften will, ist dann etwas dick aufgetragen, trotzdem ist Haratischwilis böser Monolog der Höhepunkt des 95 Minuten kurzen Abends, woran auch die herrlich vitale Maria Happel großen Anteil hat. (Süddeutsche Zeitung)

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