Burgtheater

Ja es umgibt uns eine neue Welt! Torquato Tasso, Johann Wolfang Goethe
Ensemble (c) Georg Soulek

Arthur Miller
‹Hexenjagd›

Deutsch von Hannelene Limpach und Dietrich Hilsdorf,
Mitarbeit: Alexander F. Hoffmann
Fassung Martin Kušej für das Burgtheater
Mitarbeit: Angela Obst

„Die Welt ist wahnsinnig geworden.“

Ein ausgelassenes, sexuell aufgeladenes Ritual junger Mädchen, eine Feier der Lebensgier wird zum Auftakt einer hysterischen Menschenjagd. Einige der Kinder werden nach einem heimlichen Treffen im Wald ohnmächtig oder krank. Da die Krankheiten von Ärzten nicht zu erklären sind, entsteht schnell das Gerücht von übernatürlichen Ereignissen, von Hexerei. Die Mädchen merken sehr schnell, dass sie selbst der Strafe entgehen können, wenn sie andere beschuldigen. Es wird Gericht abgehalten. Hauptzeugen sind die Mädchen, die bald den halben Ort als besessen ausrufen. Der Farmer John Proctor durchschaut jedoch die Lügen und warnt davor, den Anklagen der Mädchen Glauben zu schenken. Der Prozess der Hexenverurteilungen entwickelt eine rasende Eigendynamik, Denunziantentum und Rache gehen um. Längst geht es nicht mehr um Religion – die Repräsentanten des Staates verfolgen eine Strategie der Repression um jeden Preis.

Arthur Miller schildert in seinem 1953 – zur Zeit der McCarthy-Ära in den USA – uraufgeführten Stück über Ereignisse im Jahre 1692 die Abgründe einer Theokratie: religiöser Wahn, Bigotterie, Hass, Besitzansprüche und skrupelloses Gewinnstreben.




Mit freundlicher Unterstützung von


In dieser Produktion wird aus künstlerischen Gründen auf der Bühne geraucht.

Reverend Parris
Philipp Hauß

Abigail Williams
Andrea Wenzl

Ann Putnam
Sabine Haupt

Thomas Putnam
Dietmar König

Bettry Parris
Irina Sulaver

Mary Warren
Marie-Luise Stockinger

Giles Corey
Martin Schwab

Reverend John Hale
Florian Teichtmeister

John Proctor
Steven Scharf

Rebecca Nurse
Barbara de Koy

Elisabeth Proctor
Dörte Lyssewski

Herrick
Daniel Jesch

Richter Harthorne
Falk Rockstroh

Danforth, Stellvertreter des Gouverneurs
Michael Maertens

Tituba
Barbara Petritsch

Susanna Walcott
Lena Kalisch

Mercy Lewis
Christina Cervenka

Regie: Martin Kušej

Bühne: Martin Zehetgruber

Kostüme: Heide Kastler

Musik: Bert Wrede

Licht: Friedrich Rom

Dramaturgie: Eva-Maria Voigtländer

März

Mittwoch, 29.03.2017 | 19.00 UhrBurgtheaterKarten

April

Mittwoch, 05.04.2017 | 19.00 UhrBurgtheaterKarten

Sonntag, 30.04.2017 | 18.00 UhrBurgtheaterKarten

Mai

Montag, 01.05.2017 | 18.00 UhrBurgtheaterKarten

Martin Kušejs bemerkenswerte, genau gebaute, hoch musikalische – und ja: unbequeme – Inszenierung: [...] Eine schroffe, ungemütliche Aufführung, die zum besten gehört, was man seit Langem in Wien zu sehen bekam. (Kurier)

Eine rundum beeindruckend gelungene, kluge Produktion, das ist Burgtheater, wie man es sich wünscht. (Salzburger Nachrichten)

Burgtheater-Rückkehrer Martin Kušej inszeniert eindrücklich und alarmierend Arthur Millers monströse „Hexenjagd“. [...] Gelungen ist ein bestechend dichter, in seiner fiebrigen, gelegentlich von Bert Wredes dunklen Klängen durchdrungenen Stille selten ergreifender Abend. (Tiroler Tageszeitung)

Martin Kušej inszeniert Arthur Millers „Hexenjagd“ als eisige Talfahrt, [...] mit großem Ensemble und starken Momenten. (Die Presse)

Martin Kušej hat zusammen mit einer starken Schauspieltruppe eine ruhige, beklemmende, hochkonzentrierte Inszenierung erarbeitet, eine Inszenierung, die Millers Stück präzise – fast möchte man sagen: viviseziert. (Deutschlandfunk)

Jubel für Martin Kušejs grandiose Burgtheater-Inszenierung von Millers „Hexenjagd“. (Österreich)

Bestechendes Ensemble. (SZ)

In Martin Zehetgrubers Ausstattung beschwört Regisseur Martin Kušej einen dunklen, leisen, verstörenden Albtraum, ohne Aktualisierungsplattitüden zu bemühen. Großartig: Florian Teichtmeister, Dörte Lyssewski, Barbara Petritsch, Steven Scharf, Ignaz Kirchner, Michael Maertens und Martin Schwab. (Kronenzeitung Nachtkritik)

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Martin Kušej lässt [...] diese Geschichte in angemessener, quälender Langsamkeit erzählen – in einem Wald aus Kreuzen (Bühnenbild: der geniale Martin Zehetgruber). Die Absurdität des Geschehens, die Verzweiflung derjenigen, die völlig unschuldig zermahlen werden, die Bösartigkeit derer, die sich darauf verstehen, den Massenwahn zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen, wird so erfahrbar. (Kurier)

Wie Martin Kušej das Szene für Szene aufschichtet, zwischendurch geradezu lakonisch erzählt, in eher leisem Ton, ja sogar mit der Wirkung von Generalpausen [...] geradezu musikalisch inszeniert, entwickelt einen enormen Sog. Die individuellen Stärken innerhalb des großen Ensembles werden virtuos eingesetzt. (Salzburger Nachrichten)

Regisseur Kušej vermeidet allzu simple Gegenwartsbezüge. Er inszeniert das Spektakel [...] radikal unterkühlt und nüchtern, als Talfahrt mit angezogener Handbremse. Darin liegt zugleich die Stärke und Schwäche dieses Abends. (Wiener Zeitung)

Kušej geht mit diesem spektakulären Stoff voll heiligem Ernst um, aus 17 Darstellern (von gut einem Dutzend Statisten ergänzt) formt er mit Liebe zum Detail kernige Charaktere, von denen die meisten starke Szenen schaffen. (Die Presse)

Kušej verzichtet auf sich anbietende Aktualisierungen und Effekte, er befragt in ernster Genauigkeit Millers Text, der in diesem Verfahren für die Schauspieler zur zweiten Haut wird. (Tiroler Tageszeitung)

Auf Martin Zehetgrubers schwarzer Bühne stehen riesige, schwarze Holzkreuze, unter denen 15 nackte Mädchen sich selbst befriedigen. Mit dieser tollen Szene beginnt der radikale Kärntner Bühnenvisionär Martin Kušej seine grandiose Burgtheater-Inszenierung von Arthur Millers 1953 während McCarthys Kommunisten-Hatz uraufgeführtem Klassiker des US-Theaters, Hexenjagd. (Österreich)

Gespielt wird erstklassig. Stellvertretend für das ausgezeichnete Ensemble seien erwähnt: Steven Scharf, er ist ein wortkarger, in seinem Opfergang berührender John Proctor; Dörte Lyssewski ist wunderbar als seine betrogene, tapfere Frau. Andrea Wenzl fasziniert als in ihrer Eifersucht alles zerstörende Abigail. Großartig auch Marie-Luise Stockinger als Mary Warren im Zwiespalt zwischen Mut und Angst.
Ganz großartig sind auch Michael Maertens als in die eigene Bedeutung verliebter Inquisitor, der die Wahrheit erkennt, aber nicht zugeben kann, dass er sich geirrt hat; und Florian Teichtmeister als Exorzist, der eine Lawine in Gang setzt, die er selbst nicht mehr stoppen kann. (Kurier)

Martin Zehetgruber lässt die düstere Drehbühne in einem Meer von riesigen Holzkreuzen nicht nur für Vampire bedrohlich wirken. Während des Prozessgeschehens wandelt sich die Szenerie zu einem von unterhalb der Kreuzarme mittels Neonröhren lichtdurchfluteten, beklemmenden Verhandlungssaal [...]
Dörte Lyssewski ist an diesem Abend als gefangene misshandelte Ehefrau kaum wiederzuerkennen. Abgeklärt, ohne jede Hoffnung sitzt ihre Elizabeth, mittlerweile mit Babybauch gesegnet, da und spricht die Worte: „Du bist ein guter Mensch. Tu, was du willst. Lasse niemanden Richter über dich sein!“, mit Hingebung aus. [...]
Figurenzeichnung beherrscht Martin Kušej. So ist die in Rotlicht getauchte Szene zwischen John und Abigail, der Andrea Wenzl eine träumerische, oft ans Manische grenzende Präsenz verleiht, stimmig und, wenngleich negativ, stimmungsvoll. (FAZ)

Den Kern des Dramas bildet eine Dreiecksgeschichte: [...] Das komplexe Geflecht, das sie verbindet, arbeiten die drei Schauspieler schön heraus: Wenzl spielt eine zutiefst verletzte Liebhaberin, die Amok läuft; Lyssewski gestaltet das stimmige Porträt einer Frau, die der Vertrauensverlust nicht gebrochen, sondern selbständiger gemacht hat. Und der erstmals an der Burg engagierte Scharf ist mit seinem weichen, natürlichen Spiel das vitale Zentrum des Abends.
Philipp Hauß als verklemmter Pfarrer, Florian Teichtmeister als kettenrauchender Exorzist mit Gewissensbissen, Michael Maertens als selbstgefällig nölender Inquisitor: Schauspielerisch ist die Inszenierung stark. (SZ)

Es setzt fabelhaft verdichtete Szenen und ein Burg-Ensemble in Bestform: Michael Maertens führt als Stellvertreter des Gouverneurs die Gerichtsverhandlungen mit schneidender Schärfe, zusammengebissenen Zähnen; als Richter Hathorne verbreitet Ignaz Kirchner schmallippig Angst und Schrecken; Florian Teichtmeister verzweifelt als Reverend John Hale nach allen Regeln der Kunst. Das berührende Porträt einer kantigen Bäuerin, die aus Eifersucht als Hexe angeklagt wird, entwirft Dörte Lyssewski; Steven Scharf als ihr Ehemann schlägt bemerkenswerte Volten, und unter den Darstellerinnen der Mädchen sticht Marie-Luise Stockinger heraus. (Wiener Zeitung)

Die Momente der Verzauberung, die sich mit Fortgang des Abends sogar häufen, [...] sind nicht nur auf das emotional dominante Trio beschränkt (Wenzl als sinister berechnende Abigail, Scharf als sonderlicher Proctor, Lyssewski als seine wahrlich tragische Frau), sondern aufs ganze Ensemble: Marie-Luise Stockinger spielt die wankelmütige Mary Warren mit exzessivem Einsatz, Martin Schwab brilliert als Querulant Giles Corey, der seine Familie naiv plappernd ins Unglück bringt, Ignaz Kirchner als Richter Tod.
Exzellent spielt Florian Teichtmeister den Reverend Hale, der erst als forscher wiewohl nervös kettenrauchender Hexenjäger auftritt, sich aber wandelt. [...]
Michael Maertens liefert als gnadenloser, glatter Danforth ein Kabinettstück, er wirkt mit seinem Zynismus unter verschreckten Puritanern wie ein Fremdkörper, wie ein Populist aus höchst modernen Zeiten. (Die Presse)

Einen großen Anteil an der immer dichter und düsterer werdenden Atmosphäre hatte das eindringliche Bühnenbild von Martin Zehetgruber, auch wenn man anfangs den Wald aus Dutzenden kolossalen Kreuzen als dick aufgetragen empfinden konnte. Zusehends erschloss die Drehbühne neue Räume, ausgeklügelt war auch das Licht (Friedrich Rom), während der Hausgeräuschedesigner Bert Wrede Szenenpausen mit Wummern anreicherte. (Salzburger Nachrichten)

Und so hat Bühnenbildner Martin Zehetgruber ein schönes Symbol für die unerbittliche Theokratie der Puritaner über die Drehbühne verteilt: schlichte, aber erdrückend riesige schwarze Holzkreuze. Sie sind Wald, Farm, und Gefängnis zugleich. Vor allem aber sind sie, mit grellem Neonlicht versehen, die Balken, die den Gerichtssaal stützen: das christlich-fanatische Gebälk, aus dem das Recht gebaut ist. (nachtkritik.de)

Die neuenglische Massenpsychose des Jahres 1692, hier wütet sie in einem Wald aus wuchtigen Betonkreuzen, den Bühnenbildner Martin Zehetgruber auf die Burgbühne gewuchtet hat. Es ist eine düstere Welt, in der sich der mörderische Aberwitz der Salemer Hexenverfolgung vollzieht. [...]
Aus einem durch die Bank spektakulären Ensemble ragen Steven Scharf als widerständiger Landwirt Proctor und Michael Maertens als eitler Hexenjäger Danforth heraus. (Deutschlandfunk)

Ein dunkler Wald aus riesengroßen Kreuzen, von Martin Zehetgruber auf die Drehbühne des Burgtheaters gepflanzt, dient je nach Ausleuchtung als Gerichtssaal oder Gefängnis und bildet den eindrücklichen Spielboden für ein dem Stück und der Regie selbstbewusst folgendes Ensemble.
Besitzer des Wortes sind die Pfarrer und die Richter, die in Gestalt von Michael Maertens und Ignaz Kirchner anzugtragende, gewandte Dialektiker des Todes sind und selbst den Kirchenherren das Fürchten lehren.
Philipp Hauß ist einer davon, sein sehr genau gestalteter Reverend Parris, bigott und gierig, wird angesichts der noch höheren Instanzen feige einbrechen, während Florian Teichtmeister, ebenso differenziert, den zur hochnotpeinlichen Untersuchung gerufenen Exorzismus-Spezialisten Reverend Hale verkörpert, der den Wahnsinn im eigenen Tun erkennt und die Leben der Verurteilten retten möchte.
John und Elizabeth Proctor, von Burg-Gast Steven Scharf und Dörte Lyssewski mit atemberaubend zurückhaltender Intensität in ihrer Verstörung darüber glaubhaft gemacht, welche Folgen Johns Abenteuer mit der jungen Abigail zeitigt.
Eine beeindruckende Andrea Wenzl ist diese nicht vom Teufel, sondern von abgöttischer Liebe Besessene, die aus Eigeninteresse auch Elizabeth als Hexe denunziert und den Mädchen, allen voran der naiven Mary Warren (eine Glanzleistung des neuen Ensemblemitglieds Marie-Luise Stockinger), ihr Lügengebäude aufzwingt. (Tiroler Tageszeitung)

Im Gerichtssaal spielt dann Marie-Luise Stockinger ganz faszinierend den Zwiespalt der Mary Warren, die nicht mehr lügen will, aber begreifen muss, dass es um ihre eigene Haut geht, wenn sie auf der Wahrheit besteht – und wahnwitzig in die Gruppe zurückkehrt, um sich selbst zu retten. (Der Neue Merker)

Kušej belässt die Auseinandersetzung mit Hysterie, Massenwahn, Meinungsdiktatur und Denunziation in einer Zeit vor der Aufklärung und die wirkt nur durch die Kostüme (Heide Kastler) verdammt heutig. (Kleine Zeitung Kärnten)

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