Burgtheater

Ja es umgibt uns eine neue Welt! Torquato Tasso, Johann Wolfang Goethe
Sabine Haupt (c) Georg Soulek

Sibylle Berg
‹Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen›

„So richtig verstanden, was das mit dem Sex sein soll, hat doch keiner, den ich kenne.“

Sie sind klug, gut ausgebildet und auf Selbstoptimierung bedacht. Sie verkaufen selbstgekochtes Viagra im Internet und steigern den Marktwert ihres Körpers im Fitnessstudio, obwohl sie denMarkt verachten. Sie riskieren nichts, weder in der Politik noch in der Liebe. Mitgefühl, Solidarität, Respekt? Überholte Werte einer Generation, die sie verachten. Sie kommunizieren per Skype, SMS, Chat oder Handy, und doch bleibt da ein Gefühl von überwältigender Einsamkeit.

Eine Frau bilanziert ihr bisheriges Leben: früher Mitglied einer knallharten Mädchengang, heute friedliches Urban Knitting, früher unbeholfenes Knutschen mit Jungs, heute Gender-Fragen und die Projekte „Sex“ und „Liebe“ mit Männern oder Frauen, früher hochfliegende Ideale, heute Pragmatismus. Gefühl ist etwas, das man hauptsächlich aus Filmen kennt, Familie ein antiquiertes Konzept, für Sehnsucht ist kein Platz im Leben. Doch immer lauert draußen die Welt, stellt Forderungen, diktiert Bilder, denen man unmöglich genügen kann, hält gnadenlos den Läufer am Laufen …

Ein „wildes Schelmenstück über das Lebensgefühl in der Zentrifuge der Wohlstandsgesellschaft“ nannte die Fachzeitschrift „Theater heute“ Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen und kürte es zum besten deutschsprachigen Stück des Jahres 2014. Lustvoll, furios, tempo- und pointenreich geht die Autorin gegen die Zumutungen unserer Welt an; was übrigbleibt, ist eine diffuse Angst, die weh tut, egal ob man 25 oder 52 ist: Angst „dass alles so bleiben könnte, wie es ist: grau“.

Regie: Martina Gredler

Bühne: Jura Gröschl

Kostüme: Moana Stemberger

Video: Sophie Lux

Sounddesign: Raimund Hornich

Licht: Ivan Manojlovic

Dramaturgie: Hans Mrak

März

Samstag, 04.03.2017 | 20.30 UhrVestibülKarten

Dienstag, 07.03.2017 | 20.30 UhrVestibülKarten

Donnerstag, 30.03.2017 | 20.30 UhrVestibülKarten

Sibylle Bergs wahnwitziger Befund zur Lage: eine rasante Gesellschaftskritik, bravourös formuliert von Sabine Haupt. (Kurier)

Sibylle Bergs „Es sagt mir nichts . . .“ wird von Martina Gredler intelligent inszeniert, von Sabine Haupt auf der intimen Bühne fantastisch umgesetzt. (Die Presse)

Es ist eine formidable Leistung Haupts, diese 90 Monolog-Minuten zu stemmen: manisch, panisch, höchst überdrüssig-zeitgenössisch. Immer nah dran am Nervenzusammenbruch. Wer sagt, dass Theater (immer) bequem sein kann/muss/soll/darf. (Der Standard)

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Ist das nicht ein bisschen fad, all der beiläufige Trash, das Geplapper, das man heute ohnehin jederzeit in der Öffentlichkeit mitbekommt, wenn Zeitgenossen ihre Intimitäten ins Handy plärren? Nein, es ist spannend und toll, wenn die Dramatikerin Sibylle Berg solch beiläufigen Zeitgeist in ihrem Drama [...] zynisch-absurd einfängt. Eine Einsame legt hier los, sie zeigt ihren Überdruss an dieser die Entfremdung fördernden Welt, entblößt ihre Sehnsüchte und lässt tief blicken. [...]
Martina Gredler hat nun diesen unterhaltsamen Text intelligent und abwechslungsreich an der Burg inszeniert, vor allem aber setzt Sabine Haupt diese Arbeit in einem furiosen Solo auf dieser kleinen Nebenbühne um. (Die Presse)

Eineinhalb Stunden turnt die fabelhafte Sabine Haupt als namenlose Mitdreißigerin über die gepolsterte Bühne des Burgtheater-Vestibüls (Bühne: Jura Gröschl) und formuliert Invektiven gegen die Sinnlosigkeit des Daseins, gespickt mit Erste-Welt-Problemen. [...]
Berg, die als Autorin in deutschen Medien omnipräsent ist, redet nicht nur viel, sondern hat auch viel zu sagen. Ihr ursprünglich für das Berliner Gorki Theater geschriebene Stück ist ein kluger, teils heiterer, teils abgründiger Befund zu unserer Gesellschaft. [...]
War Bergs Stück in Berlin als vierstimmiger, grandioser Frauen-Chor zu sehen, so macht Regisseurin Martina Gredler den Text nun zur One-Woman-Show. Eine schlüssige Entscheidung. Allerdings auch eine Tour-de-Force, die Sabine Haupt jedoch glänzend bewältigt. (Kurier)

Mit Regisseurin Martina Gredler erschuf [...] [Sabine Haupt] für die österreichische Erstaufführung eine Art weiblichen Kasperl in Akrobatenkostüm, ein zwischen Handy und Bildschirm hin und her rasendes Wesen, das sich dem Wodka hingibt, über andere echauffiert. Haupt wird zur modernen Ritterin der traurigen Gestalt, kämpft gegen die Mühlen der Realität. (Kronen Zeitung)

Und man muss gleich feststellen, dass es sich um eine Meisterleistung der Konzentration, der Differenzierung, der Ironie handelt, die [...] [Sabine Haupt] hier bietet, in bewusster sprachlicher Vielfalt von Akzenten hier und dort. Dazu [...] in silbernen Metallic-Strumpfhosen und rosa „heißem Höschen“ darüber (Kostüm: Moana Stemberger), wilden roten Haaren und perfekten Showeinlagen. Und dabei doch kein leeres Virtuosenstück – was man auch nicht übel nähme, angesichts von so viel stupendem Können. [...]
Regisseurin Martina Gredler lässt ihre Darstellerin im wahrsten Wortsinn schwanken – sie balanciert auf gefüllten Säcken (Bühne: Jura Gröschl), sie strampelt zwischen Dialog mit dem Publikum, zwischen Skype, SMS-Lesen, Chat und Telefon hin und her, bis zur Verzweiflung gehetzt, aber plötzlich verwirrt hilflos, wenn niemand sich meldet. [...]
Eines jedenfalls scheint fest zu stehen: In Wien ist das kein Wutfrauen-Stück (wie es in Berlin gelegentlich bezeichnet wurde), weit eher eine Studie der Hilflosigkeit angesichts dessen, was das Leben ist und was man damit anfängt. [...] Das Stück [...] hat genug Substanz, und vor allem: Es hat die Darstellerin, die es trägt. Für diese war der Applaus so stürmisch wie verdient. (Der Neue Merker)

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