Burgtheater

Ja es umgibt uns eine neue Welt! Torquato Tasso, Johann Wolfang Goethe
Joachim Meyerhoff (c) Reinhard Werner

nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Melle
‹Die Welt im Rücken›

„Etwas stimmte nicht, und zwar grundlegend, bis in die Basis, bis ins Wesen der Dinge hinein."

Ein Mann dreht durch. Er ist der Verrückte, der den Verkehr beschimpft, sich für den neuen Messias hält und behauptet, mit Madonna geschlafen zu haben. Pralles Leben, nächte- und tagelang Party, alles auf einmal, jetzt, sofort. Was ihn umgibt, spricht zu ihm, Aufstand der Zeichen aus Werbung, Nachrichten, Alltag – alles meint ihn, er ist der Mittelpunkt des Universums.

Faszinierend, wild, unberechenbar und gefährlich. Das Weltreich mit drei Buchstaben: ICH. Den Exzessen folgt der Absturz, die Depression. Selbstmordversuche, immer wieder Psychiatrie. Er verliert Freunde, seine Wohnung, sein Hab und Gut, sich selbst. Was hat Bestand?

Thomas Melle ist manisch-depressiv, die genaue Diagnose: Bipolare Störung der Klasse I, die schwere Variante. Und er ist Autor dieses Romans, beschreibt drei manische Phasen von ungewöhnlich langer Dauer und ihre Folgen. Er sucht und findet eine Sprache für Mitteilungen aus dieser psychischen Hölle, in der jede Kontinuität und Sicherheit des Lebens zerfetzt, zersplittert, zerschreddert wird. Eine glühende Chronik auf höchster Temperatur. Er lässt keine Peinlichkeiten aus, benennt die Scham, die der Manie folgt: Was habe ich getan? War das wirklich ich? Wie erzählt man von sich als einem Idioten? Melle schreibt über Melle, wie ein Schauspieler, der sich selbst spielt. Drama in einer Person, die es in mindestens dreifacher Ausgabe gibt: den Maniker („der Rowdy“), den Depressiven („die Leiche“), den zwischenzeitlich Geheilten, sich selbst fremd und misstrauend.

Der Gestörte ist die Störung im System, das nur den Nutzen, die Nützlichkeit und die Selbstoptimierung heiligt: "Es gibt eine These, nach der hängt Bipolarität mit einer sonstigen Tendenz zur Überanpassung zusammen: Man will es den Mitmenschen allzu recht machen, bis man erschlagen wird von allen Ansprüchen. Zwischen diesen Polen, Überanpassung und Individualitätstrotz, knallt es hin und her."

Thomas Melle, 1975 in Bonn geboren, studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Philosophie in Tübingen, Austin (Texas) und Berlin. Er ist mehrfach ausgezeichneter Autor von Theaterstücken, Erzählungen und Romanen. Sein Debütroman „Sickster“ (2011) wurde ebenso für den Deutschen Buchpreis nominiert, wie die nachfolgenden „3000 Euro“ und „Die Welt im Rücken“, die beide auf der Shortlist standen. Thomas Melle lebt in Berlin.


Interview: Hollywood'sche Heldenreise
Anlässlich der Bühnenadaption von „Die Welt im Rücken“ sprach Florian Hirsch mit Thomas Melle
zum Interview

Regie: Jan Bosse

Bühne: Stéphane Laimé

Kostüme: Kathrin Plath

Musik: Arno Kraehahn

Licht: Peter Bandl

Dramaturgie: Gabriella Bußacker

März

Samstag, 25.03.2017 | 19.30 UhrAkademietheaterKarten

April

Samstag, 01.04.2017 | 19.30 UhrAkademietheaterKarten

Donnerstag, 13.04.2017 | 20.00 UhrAkademietheaterKarten

Mittwoch, 19.04.2017 | 20.00 UhrAkademietheaterKarten

Samstag, 22.04.2017 | 20.00 UhrAkademietheaterKarten

Jan Bosse inszenierte [...] ein fiebriges, bildstarkes Roadmovie über eine bipolare Störung. Joachim Meyerhoff ist phänomenal. [...] Das Publikum raste: Standing Ovations für Meyerhoffs Virtuosen-Stück. (Die Presse)

Ein Triumph für Joachim Meyerhoff, der auf der Bühne nahezu Übermenschliches leistet. (FAZ)

Jubelorkan für ein exemplarisches Theatersolo: Joachim Meyerhoff gibt in der Bühnenadaption von Thomas Melles Roman einen bipolar Erkrankten. (Der Standard)

Joachim Meyerhoff begeistert in Thomas Melles „Die Welt im Rücken“ mit einem Parforceritt. [...] Ungemein zwingende und immer durch den Text legitimierte Metaphern für die Bipolarität, die Gratwanderung zwischen Manie und Depression, die Höhenflüge und die Höllenfahrten hat Regisseur Jan Bosse zusammen mit seinem langjährigen Bühnenbildner Stéphane Laimé gefunden. (Kurier)

Joachim Meyerhoff bringt die Bekenntnisse eines Manisch-Depressiven in Theaterform: [...] Höllenfahrten von fantastischer Hochstimmung zu schwarzen Phasen und retour vollbringt Joachim Meyerhoff drei Stunden lang auf der Bühne. [...] Jan Bosse packt die Erfahrungen Thomas Melles in Bilder, macht sie bekömmlich und unterhaltsam. [...] Standing Ovations. (Salzburger Nachrichten)

Wir erleben einen Joachim Meyerhoff, der [...] über sich hinauswächst. Monologisierend trägt er uns durch die einander abwechselnden Phasen von Euphorie und absoluter Niedergeschlagenheit. [...] Den orkanartigen Beifall am Premierenabend überstand [Melle] gerührt lächelnd. (Falter)

Wie bringt man eine manische Depression auf die Theaterbühne? Der Regisseur Jan Bosse und sein Darsteller Joachim Meyerhoff wagen den Grenzgang, Thomas Melles gefeierten Prosatext zum Solo zu verdichten. Das Resultat ist ein Beispiel packenden Schauspielertheaters. (Kronen Zeitung Nachtkritik)

Eine außergewöhnliche Spiel-Entäußerung: Joachim Meyerhoff als vielgestaltiges Ich in „Die Welt im Rücken“. [...] Eine Achterbahnfahrt durch Norm und Wahn: Thomas Melles bewegende Erzählung über bipolare Identität als Theaterereignis. (Tiroler Tageszeitung)

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