Burgtheater

Du liebe Zeit. Liebe Zeit? Peter Handke. Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße

Elfriede Jelinek
‹Schatten (Eurydike sagt)›

Elfriede Jelinek verleiht nicht dem längst geschaffenen Mythos des Orpheus ihre Sprache sondern sie gibt erstmals Eurydike eine eigene Stimme. Aus dem Schattenreich des Hades spricht die Nymphe gegen ihr tödliches Dasein als Sehnsuchtsobjekt an: „ Die intensive, infolge ihrer Unstillbarkeit stets anwachsende Sehsuchtsbesetzung von mir, dem vermißten, verlorenen Objekt, wird dieselben ökonomischen Bedingungen herstellen wie die Schmerzbesetzung einer verletzten Körperstelle, also stellen Sie sich vor, es wird ihm so weh tun wie mir der Biß dieser Schlange oder was das ist, das mich jetzt getötet hat, aua!“
Der Text handelt nicht nur von Mänaden, Apoll, Klageliedern und dem Dualismus zwischen Licht und Schatten sondern ebenso von Trauerarbeit, Depression, dem Unbewussten und setzt sich in diesem Kontext intensiv mit der Existenz einer Schreibenden auseinander: “Mein Schreiben, das rinnt wohl auch, so empfinde ich es, wissen Sie, mein Mann hingegen singt. Auf seinem eigenen Soundtrack eilt er dahin. Das hat ihn berühmt gemacht. Bevor er zu singen begonnen hat, war die Stille etwas Großes, etwas Heiliges, jetzt gibt es sie nicht mehr, mit seiner Stimme hat er die Stille durchdrungen und sie vernichtet. Ich bin stiller geblieben. Ich schreibe, wen interessierts. Wissen Sie, das geht so: Aus meinem Rohr tritt Flüssigkeit aus, es fließt auf ein weißes Blatt Papier, ich rinne aus.“


Uraufführung der Theaterfassung
SCHATTEN (Eurydike sagt)
von Elfriede Jelinek

Regie: Matthias Hartmann
Bühne: Johannes Schütz
Kostüme: Tina Kloempken

Premiere am 17. Jänner 2013 im Akademietheater

Suche im Spielplan



  • Bundestheater-Holding
  • Burgtheater
  • Staatsoper
  • Das Ballett
  • Volksoper
  • Art for Art/Theaterservice