‹Helena›
von Euripides
Übersetzung aus dem Altgriechischen von Peter Handke
Es war alles ganz anders. Helena hat sich nie mit Paris eingelassen. Ein „Luftbild“, eine virtuelle Helena, wurde nach Troja entführt. Die leiblich authentische Helena wurde von den Göttern auf eine Insel Ägyptens gebracht und unter den Schutz des dortigen Königs gestellt. Euripides, der individualisierende Neuerer der antiken Dramatiker, hat mit seinem Helena-Stück nur noch teilweise ein antikes Drama geschrieben. Bürgerliches Ehestück und ein wenig Mantel- und Degen-Entführungsromantik sind auch darin enthalten.
Helenas ägyptischer Schutzherr ist gestorben. Sie ist an dessen Grab geflüchtet, um den Zudringlichkeiten seines Sohnes zu entgehen. Denn immer noch will sie Menelaos treu bleiben, auch wenn er nicht mehr lebte. Sie hat erfahren, dass der Krieg zu Ende, dass Troja zerstört ist, dass ihr Name von den Griechen gehasst wird. Da trifft sie am Grab ihren Mann Menelaos wieder, der mit seinem Schiff und mit Helena auf der Insel gelandet ist, und der sie, die wirkliche, nicht erkennt. Wem soll er jetzt verzeihen und für wen wurde der Krieg geführt? Kann man sich mit einem Namen versöhnen? Ein Paar, das sich nach Verwerfungen und langer Trennung wieder trifft, sich neu ineinander verliebt, ist das Zentrum dieses Stückes, das die privaten, individuellen, inneren Konflikte als Kriege und als Eifersuchtsspiele der Götter veräußerlicht. Das wieder versöhnte Paar muss dem ägyptischen Königssohn entfliehen, der Helena besitzen und alle Griechen töten will.
Peter Handke hat dieses unbekannt gebliebene Helena-Stück für Luc Bondy neu übersetzt.
Regie: Luc Bondy Biografie
Bühne: Karl-Ernst Herrmann
Kostüme: Milena Canonero
Dramaturgie: Dieter Sturm
Eine Koproduktion mit den Wiener Festwochen
Premiere: 9. Juni 2010 im Burgtheater






