‹Kakanien - Neue Republik der Dichter›
Ein Redezyklus
Seit dem Herbst 1989, also seit 20 Jahren, ist Österreich nicht mehr der Kleinstaat im äußersten Osten der sogenannten freien Welt. Und mit der EU-Osterweiterung ist Österreich heuer noch dezidierter vom Rand Richtung Mitte der europäischen Landkarte gewandert. Aber ist es deshalb schon bedeutend?
Ein Wirtschaftsraum macht auf Anhieb noch keinen Kulturraum, der Verzicht auf Passkontrollen allein weitet noch nicht den Horizont. Was verleiht einem modernen Staat denn überhaupt Bedeutung? Ein möglichst großes Bruttoinlandsprodukt? Der Besitz nuklearer Sprengköpfe? Eine kulturelle Leitfunktion? Bedeutung, so die These des Projekts Kakanien, entsteht durch den Abgleich mehrerer Perspektiven, durch kulturellen Austausch und Vernetzung mit Nachbarn.
Immerhin erinnert die Einbindung neuer Staaten an eine frühere Ordnung: Sieben der zwölf neuen EU-Mitglieder sind ehemalige Teile der Donau-Monarchie. Die neu geregelte Nachbarschaft zu Tschechien, Ungarn, Polen, Slowenien, Slowakei, Bulgarien und Rumänien lässt in Gemäuern wie jenem des Burgtheaters ein besonderes Echo anklingen, den Widerhall einer Zeit, die die Größendimension solcher Kulturtempel erst ins rechte Licht rückt.
Zwar war das Kakanien, das Robert Musil beschreibt, ein müde gewordener, repressiver und kriegsdurstiger Verwaltungsriese, aber eben nicht nur. Noch in ihren letzten Zügen brachte die Doppelmonarchie Dichtergrößen und Kulturblüten hervor, deren Prägung und Wirkung den gesamten Donauraum umfassten. Auch dem neuen Wirtschaftsraum soll deshalb ein geistiges Organ zur Seite gestellt werden, eine neu gegründete Republik der Dichter.
Mit einem Zyklus von Ansprachen namhafter Schriftstellerinnen und Schriftsteller soll dafür der Grundstein gelegt werden. Während eines Jahres hält jeden Monat ein Gast aus der geistigen Umgebung Österreichs im Burgtheater eine Rede: Dabei geht es um mentale Gemeinsamkeiten und Andersheiten, um kulturelle Kollisionen und Synergien, um ethische Ansprüche und Visionen, die mit der neuen Nachbarschaft einhergehen.
Eingeleitet wird der Reigen durch den österreichischen Schriftsteller Peter Turrini.






