Burgtheater

zwischen Zeit Traum Burg Macht Mensch

Geschäftsbericht 2008/09

So leben wir
und nehmen immer Abschied
so leben wir
und nehmen immer Abschied
wir, Zuschauer überall,
dem allen zugewandt und
nie hinaus!
Uns überfüllts.
Wir ordnens.
Es zerfällt.
Wir ordnens wieder
und zerfallen selbst.


Rainer Maria Rilke



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Vorwort

Die zehnte und letzte Spielzeit der Direktion von Klaus Bachler war geprägt von drei grossen Abschiedsprojekten im Burgtheater. Franz Wittenbrink inszenierte einen musikalischen Abend mit dem Titel SO LEBEN WIR UND NEHMEN IMMER ABSCHIED, die bildende Künstlerin Carmen Brucic verwandelte das gesamte Burgtheater inklusive aller Nebenräume für den Kongress SYMMETRIEN DES ABSCHIEDS in eine Art Gesamt-Installation, in der sich das Ensemble des Burgtheaters gemeinsam mit internationalen Künstlern, Wissenschaftlern und Experten verschiedenster Disziplinen mit dem Thema Abschied beschäftigte. Schließlich realisierte der Theatermacher Christoph Schlingensief mit seiner READYMADEOPER MEA CULPA ein großes musikalisch-szenisches Oratorium zum Thema Abschied von der Welt. Diese dritte Regiearbeit von Christoph Schlingensief am Burgtheater sorgte wieder für internationale Aufmerksamkeit und positiven „Rumor“ im internationalen Feuilleton.

Im Akademietheater fand der Shakespeare-Zyklus mit der Inszenierung von MACBETH seinen Abschluss. Der künstlerische Höhepunkt in der Akademie war aber ohne Zweifel die Eröffnungspremiere von Karl Schönherrs WEIBSTEUFEL in der Inszenierung von Martin Kušej. Eine Produktion, die zu den zehn besten Aufführungen des Jahres zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde und weitere internationale Gastspieleinladungen nach sich zog.

In der Saison 2008/2009 wurden in 841 Vorstellungen 374.403 Zuschauer erreicht, davon im Burgtheater 235.825, im Akademietheater 115.997, im Kasino 15.091 und im Vestibül 7.490. Die Gesamtauslastung aller Bühnen betrug 79,88% .

Besonders hoch war das Publikumsinteresse an Gastspielen des Burgtheaters. Insgesamt 27 Vorstellungen im Rahmen von 13 Gastspieleinladungen - nach Berlin, Duisburg, Mülheim und Prag, außerdem in die Schweiz, nach Liechtenstein, Italien und Polen – erreichten eine Besucherzahl von 15.856, das entspricht einer Platzausnutzung von 92,4%.

Die bereits in den Spielzeiten 2006/2007 und 2007/ 2008 äußerst erfolgreiche Aktion, bei der mit Unterstützung von MAGNA SchülerInnen und Lehrlinge aus den Bundesländern kostenlos ins Burgtheater eingeladen werden, wurde auch 2008/2009 fortgesetzt - es wurden 1.136 Magna Schülerkarten in Anspruch genommen.
Die Anzahl der SchülerInnen- und StudentInnenkarten hielt mit 24.274 Karten das Vorjahresniveau. Dies ist unter anderem ein Ergebnis der kontinuierlichen Bemühungen in enger Verbindung mit über 1000 KontaktlehrerInnen, die selbst äußerst zahlreich die Möglichkeiten von Besuchen unserer Vorstellungen und den damit verbundenen Informations- und Wissenstransfer nutzen.

Dass die Umsatzerlöse im Jahr 2008/2009 um T. € 953 unter den Werten des Vorjahres liegen, hängt mit den außergewöhnlichen hohen Mieteinnahmen zusammen, die durch die EURO’08 erzielt werden konnten.

Aufgrund der Entwicklung der Basisabgeltung der Bundestheater lagen die Subventionen 2008/2009 mit dem auf die Burgtheater GmbH entfallenden Anteil von Mio. € 45,93 um T. € 32 über dem Vorjahreswert.

Bei den Einnahmen aus dem Cash-Sponsoring (bargeldlose, auf Gegengeschäften beruhende Partnerschaften wie zum Beispiel mit dem Sponsor AUDI finden hier keinen Niederschlag) konnte 2008/2009 mit T € 823 nach dem Rekordjahr 2007/2008 beinahe wieder der Wert der Saison 2006/2007 (T. € 855) erreicht werden. Rechnet man die mit Hilfe der Bundestheater-Holding lukrierten Mittel zur Errichtung des „Angelika Prokopp-Foyer – Klimtraum“ hinzu, so bewegen sich die Einnahmen aus diesem Titel wieder deutlich jenseits der Millionengrenze. Dies ist angesichts der erheblichen Einschränkung des Handlungsspielraumes durch das Antikorruptionsgesetz in seiner damalig geltenden Fassung und des Beginns einer als historisch zu bezeichnenden weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise durchaus positiv zu bewerten.

Durch die im Rahmen der seitens des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst beauftragten Evaluierung geforderte Auflösung der Kapitalrücklagen – im überwiegenden Maße im Geschäftsjahr 2008/2009 – wurde ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt.

Klaus Bachler, Mag. Silvia Stantejsky

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