Burgtheater

Menschen ertragen ihr Leben nur mit Hoffnung. Sibylle Berg. Und jetzt: die Welt!

Kakanien - Neue Heimaten

Weh dem, der keine Heimat hat. Heimat ist, wo niemand war und je sein wird. Heimat ist die Übereinstimmung mit der kleinen Welt. Heimat ist zum Plural geworden. Heimat ist eine überaus paradoxe Idee. Heimat sind die Menschen, für die man Verantwortung trägt. Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat.

Man sieht, die Meinungen zum Thema „Heimat“ gehen auseinander – was sicher auch bei der nun fortgesetzten Kakanien-Reihe nicht anders sein wird. Ursprünglich Vielvölkermonarchie, dann Opfer bzw. Mitläufer gleich zweier verschiedener totalitärer Systeme in Folge, nach dem Mauerfall Brandherd ethnischer Konflikte, heute teils schon in die EU eingegliedert – das ist Kakanien.
Was erzählen uns Bewohner dieses eigentümlichen, ausufernden Raums? Was bedeutet Heimat für Schriftsteller, Künstler, Wissenschaftler? Sie beantworten die Frage ganz persönlich ihrem Gastgeber, einem Burgschauspieler. Gemeinsam wird im Laufe des Abends die jeweilige persönliche und literarische Heimat erforscht. Von bulgarischer Burlesque über ungarischen Hip-Hop bis hin zu istrischer Fischsuppe ist alles möglich. Jede Folge setzt dabei einen neuen literarischen und geographischen Schwerpunkt.


Eine Kooperation mit

Medienpartner: Die Presse


Folge 6:
präsentiert von Sabine Haupt
mit Marjana Gaponenko, Jurko Prochasko und Bernhard Moshammer

Ukraine am Wendepunkt

Am 8. Mai 2014 um 20 Uhr im Kasino

Sabine Haupt, Marjana Gaponenko, Jurko Prochasko, Bernd Moshammer (c) Georg Soulek

„WIR VERSTEHEN NICHT, WARUM WIR HIER FÜR DIE EUROPÄISCHEN IDEALE KÄMPFEN – UND NIEMAND UNTERSTÜTZT UNS.“

Sabine Haupt lädt zwei ukrainische Autoren zu einem literarischen Abend über Sprache, Heimat und Identität.
„Die Ukraine war für mich bis vor kurzem die Symbiose zwischen der Hochkultur skythischer Krieger und Nomaden und der Erdverbundenheit der friedliebenden Slawen. Heute symbolisiert sie den verzweifelten Wunsch, in Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und Demokratie zu leben und erinnert so eindringlich an die Grundwerte der westlichen Welt“ sagt die in Odessa geborene und in Wien lebende und seit ihrem sechzehnten Lebensjahr auf Deutsch schreibende ukrainische Schriftstellerin Marjana Gaponenko.

Jurko Prochasko – ein ukrainischer Schriftsteller, Essayist und Übersetzer aus Lemberg, der neben Robert Musil („Der Mann ohne Eigenschaften“), u. a. Werke von Joseph Roth, Franz Kafka, Rainer Maria Rilke und Heinrich von Kleist ins Ukrainische übersetzt hat - wünscht sich europäische Unterstützung im Kampf um die langersehnte Veränderung und Rechtstaatlichkeit für sein - mittlerweile gespaltenes und an den Rand gedrängtes Land. In seinem bereits 1997 erschienen Essay („Die Ukraine: Rand oder Land?“) reflektiert er die Etymologie des Namens UKRAINA= GRENZLAND, RANDGEBIET und weist Europa auf die Bedeutung seiner „Ränder“ hin. Wer sich selbst zum Zentrum erklärt, entwertet die Ränder zur Peripherie, erklärt Grenzen zur Endstation und beraubt sich der Möglichkeit, deren Potentiale wahrzunehmen.

Ausgehend von der Novelle „Die Büste des Kaisers“ - einer melancholischen Betrachtung über die Fragwürdigkeit nationaler Tugenden, die Heimatlosen und Wanderer im Werk, des aus Ostgalizien stammenden österreichischen Autors Joseph Roth - präsentiert Sabine Haupt neue Texte, die von beiden ukrainischen Autoren speziell für diese neue Folge von „Kakanien – Neue Heimaten“ geschrieben wurden.

Begleitet wird die Schauspielerin von dem österreichischen Musiker Bernhard Moshammer, der ukrainische Lieder neu interpretiert.

Die Texte von Marjana Gaponenko und Jurko Prochasko, Originalbeiträger für "Kakanien - Neue Heimaten", können Sie als PDF nachlesen:

Kakanien - Neue Heimaten: Marjana Gaponenko - Brief an Katharina die Große im Angesicht der Ereignisse in Kleinrussland

Kakanien - Neue Heimaten: Jurko Prochasko - Verlustlust





Folge 5:
präsentiert von Peter Matić,
mit Michael Stavarič und Klaus Karlbauer

Sprachkrisen und andere Katastrophen

Am 10. Jänner 2013 um 20 Uhr im Kasino

Michael Stavarič, Peter Matić (c) Georg Soulek

Können sprachliche Missverständnisse politische Krisen auslösen? Kann Sprache Heimat und Fremde zugleich sein? Wie würde das Zusammenleben aussehen, wenn wir die Sprachen der Nachbarn lernen müssten? Was bedeutet Sprache für einen Schauspieler des Nationaltheaters und gibt es Burgtheaterdeutsch wirklich? Und was bedeutet sie für einen Schriftsteller, der nicht in seiner Muttersprache schreibt?

Peter Matić liest Auszüge aus dem – erstmals 2012 auf Deutsch erschienenen - Bericht von Mark Twain „Turbulente Tage in Österreich“ über die Krise der österreichischen Regierung im Jahr 1897, die durch eine Sprachverordnung ausgelöst worden ist.
Auch Karl Kraus erinnert sich in der Fackel an die turbulenten Tage: „…Am Mittwoch, den 24. November wurde im österreichischen Reichsrat zum erstenmale gerauft“, über die sprachlichen Turbulenzen, die zur Unterbrechung der parlamentarischen Sitzung der kakanischen Regierung geführt haben schreibt er: „…der Rummel hatte ein Ende, weil der tschechische Vizepräsident den polnischen Präsidenten missverstand. Der hatte auf die verzweifelte Frage, was geschehen solle, geantwortet: Ausschließen! Und jener verstand: Haus schließen!“

Michael Stavarič, der in Brünn geborene, vielfach ausgezeichnete, österreichische Schriftsteller und Übersetzer, den Peter Matić als Gast eingeladen hat, machte sich schon in seinem humorvollen Prosadebüt: Europa. Eine Litanei Gedanken über den vielstimmigen, europäischen Gesang und versuchte, die alte Nachbarschaft aus der Retrospektive zukunftsorientiert neu zu beschreiben. Für diese „Kakanien – Neue Heimaten“ - Folge hat er einen neuen Text über „Krisenstrophen“, „Mitteleuropäer mit Biss“ und Sprachwirrnisse geschrieben.
Der Wiener Musiker und Medienkünstler Klaus Karlbauer erzeugt - auf der selbst umgebauten Zither - Musik, die zwischen vertrauten Heimatklängen und elektronischen Beats ironisch oszilliert und die er für speziell für diesen Abend komponiert hat.

Den Text von Michael Stavarič, ein Originalbeitrag für „Kakanien - Neue Heimaten“, können Sie als PDF nachlesen:
Kakanien - Neue Heimaten: Michael Stavaric - Unter dem Kaiser - eine Litanei





Folge 4:
präsentiert von Corinna Kirchhoff, mit Maja Haderlap, Maja Osojnik und Michael Bruckner-Weinhuber

Am 23. Mai 2013 um 20 Uhr im Kasino

Corinna Kirchhoff, Maja Haderlap (c) Reinhard Werner

Die österreichische Autorin Maja Haderlap bemüht sich seit Jahren, die Geschichte des Verlustes der slowenischen Sprache in Kärnten literarisch aufzuarbeiten. In ihrem vielfach ausgezeichneten Roman „Engel des Vergessens“, mit dem sie u.a. den Ingeborg-Bachmann-Preis 2011 gewann, erzählt sie in eindringlichen und sinnlichen Bildern von der Suche nach Verortung und Identität. Burgschauspielerin Corinna Kirchhoff lädt die Autorin zu einer Lesung aus ihren Werken ein, begleitet von der in Wien lebenden slowenischen Musikerin Maja Osojnik und dem Gitarristen Michael Bruckner-Weinhuber. Maja Osojnik singt eigene Lieder und Gedichte der Autorin, die sie speziell für diesen Abend vertont hat.

Die Texte von Maja Haderlap können Sie als PDF nachlesen:
Kakanien - Neue Heimaten: Maja Haderlap - Die Wirklichkeit der Schatten. Begegnungen mit einem österreichischen Tabu
Kakanien - Neue Heimaten: Maja Haderlap - Übergänge






Folge 3:
präsentiert von Caroline Peters, mit Marica Bodrozić, Rosemarie Tietze, Eva Jantschitsch (Gustav)

Am 12. Dezember 2012 um 20 Uhr im Kasino

Rosemarie Tietze, Eva Jantschitsch, Marica Bodrožić, Caroline Peters

Caroline Peters lädt Marica Bodrožić, freie Schriftstellerin, die in Kroatien geboren wurde, heute in Berlin lebt und in der literarischen Welt von Friederike Mayröcker beheimatet ist, Rosemarie Tietze, verantwortlich für die grandiose Neuübertragung von Lew Tolstois „Anna Karenina“, und Eva Jantschitsch (Gustav), die Ferdinand Raimunds Couplets zu „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ für das Burgtheater neu vertont hat, zu einer gemeinsamen Reise in das Innere der Sprache.
Was folgt auf das Schweigen, wenn ein Mensch seine Muttersprache verliert? Lässt sich die Sprache als „wärmendes Kleidungsstück“ umlegen? Beeinflusst die Sprache der Bühnenfiguren die eigene Biografie? Ist Übersetzen eine Utopie? Fällt es leicht, die Sprache des Heimatdichters zu vertonen? Was bedeutet „in der Sprache zu sein“ und „in der Sprache zu arbeiten“? Kann Heimat das grenzenlos Sagbare sein?
"Sprache als Heimat ist, wenn Wörter Archive des Lebens sind." (Marica Bodrožić)

Den Text von Marica Bodrožić können Sie als PDF nachlesen:
Kakanien - Neue Heimaten: Marica Bodrožić - Diese Honiglieferantin Sprache




Folge 2:
präsentiert von Philipp Hauß, mit Kriszta Bódis und Klaus-Michael Bogdal

Am 19. Juni 2012 um 20 Uhr im Kasino

Klaus-Michael Bogdal, Kristza Bódis, Philipp Hauß

„Wir, die ungezählten Millionen von Migranten (seien wir Fremdarbeiter, Vertriebene, Flüchtlinge oder seien wir von Graz nach Prag pendelnde Intellektuelle) erkennen uns nicht als Außenseiter, sondern als Vorposten der Zukunft. Der Migrant, dieser Mensch der heranrückenden heimatlosen Zukunft, schleppt zwar Brocken der Geheimnisse aller jener Heimaten in seinem Unbewussten mit, die er durchlaufen hat, aber er ist in keinem derartigen Geheimnis verankert. Er ist ein in diesem Sinn geheimnisloses Wesen. Er ist durchsichtig für seine anderen. Nicht im Geheimnis, sondern in der Evidenz lebt er. Und er ist zugleich Fenster, durch welches hindurch die Zurückgebliebenen die Welt erschauen können, und Spiegel, in dem sie sich, wenn auch verzerrt, selbst sehen können. Und eben diese Geheimnislosigkeit des Migranten macht ihn für Beheimatete unheimlich.“Aus: „Heimat und Geheimnis“ von Vilém Flusser

Vilém Flussers Idee von Heimat und sein Lob der Heimatlosigkeit stehen im Zentrum der sehr persönlichen Videoarbeit von Philipp Hauß, der den nächsten Kakanien-Abend der Heimateinkreisung im Kasino gestalten wird. Darüber hinaus wird ein weithin unbekannter und eindrucksvoller Reisebericht von Herta Müller zu hören sein, der nach ihrer Reise nach Rumänien im Frühjahr 1991 entstand: „Der Staub ist blind, die Sonne ist ein Krüppel“. Die Herausforderung und die große Chance ist es, ohne Heimat zu leben. Der Nomade ist kein Mängelwesen, sondern ein Potenzial. Im kakanischen Raum sind es die Romvölker, die auf eine lange Tradition des Nomadischen zurückblicken können. Es sind aber auch moderne Menschen, die sich der Freiheit des flexiblen Lebens und dem Zustand der bewussten Verunsicherung und des Nichtbeheimatetseins verschrieben haben.

Zu Gast bei Philipp Hauß sind die ungarische Autorin und Dokumentarfilmerin Kriszta Bódis („Artista“. Verlag Voland & Quist, Dresden und Leipzig 2009) und der Literaturwissenschaftler Klaus-Michael Bogdal („Europa erfindet die Zigeuner. Eine Geschichte von Faszination und Verachtung“.).

"Heimatfilm", Video von Philipp Hauß, 2012, nach dem Text von Vilém Flusser: Heimat und Geheimnis - Wohnung und Gewohnheit in: America nowhere, Droschl Verlag, Graz 1992



Den Text von Kriszta Bódis können Sie als PDF nachlesen:
Kakanien - Neue Heimaten: Kriszta Bódis - Harte Butter




Folge 1: mit Miljenko Jergović und Joachim Meyerhoff

Am 29. März 2012 um 20 Uhr im Kasino

Miljenko Jergović, Anne-Kathrin Godec, Joachim Meyerhoff

Joachim Meyerhoff gestaltet den Auftakt der Reihe als einen sehr persönlichen Abend: Der Burgschauspieler und Autor präsentiert einen eigens für diesen Anlass verfassten Text und spiegelt diesen am Heimatbegriff eines Autors aus dem kakanischen Raum. Dazu hat er den renommierten bosnisch-kroatischen Schriftsteller Miljenko Jergović (Sarajevo Marlboro, Buick Rivera, Das Walnusshaus, Freelander, Wolga, Wolga) eingeladen, und auch dieser wird einen neuen Text vorstellen. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach dem Fremden und Eigenen in der literarischen und persönlichen Heimat.

Die Texte von Joachim Meyerhoff und Miljenko Jergović können Sie als PDF nachlesen:
Kakanien - Neue Heimaten: Joachim Meyerhoff
Kakanien - Neue Heimaten: Miljenko Jergović - Deutsch
Kakanien - Neue Heimaten: Miljenko Jergović - Kroatisch


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