Burgtheater

zwischen Zeit Traum Burg Macht Mensch

Kakanien - Neue Republik der Dichter

SchriftstellerInnen halten Reden im Akademietheater

Die Burg gründet einen neuen Staat auf altem Territorium. Das neue Kakanien liegt ungefähr auf dem Gebiet der ehemaligen Donau-Monarchie, aber die Staatsform ist eine andere. Die neue Republik konstituiert sich aus Dichtern, die ihr Terrain narrativ und rhetorisch ausloten. Mit Reden in monatlicher Folge entsteht und wächst so ein geistiger Raum, dessen Verfassung sich laufend fortschreibt. Thema sind die kleinen und großen Kollisionen der Kulturen und Identitäten, die sich in der alten neuen Nachbarschaft täglich ereignen.

Der Begriff Kakanien stammt aus Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ und verballhornt die beiden K´s zum Inbegriff eines maroden, kriegslüsternen und verwaltungsintensiven Untergangsstaates. Kakanien war aber auch ein geistiger Raum und soll als solcher im Zuge der EU-Osterweiterung auch wieder entdeckt und gepflegt werden. Dabei sind die Grenzen der Donaumonarchie nicht als strenges Selektionsmerkmal zu verstehen, sondern einzig als Fingerzeig Richtung Osten.

Die Reden werden nach der Veranstaltung zum Nachhören und Nachlesen zur Verfügung gestellt.

Die Reden der AutorInnen erscheinen im Oktober 2011 als Buch beim Zsolnay-Verlag .

In Kooperation mit
Medienpartner: Die Presse

Folge 14:
Juri Andruchowytsch - Ukraine

Juri Andruchowytsch wurde 1960 im ehemaligen Galizien geboren, dem Vielvölkerherd schlechthin, und vermittelt mit seinen brillanten Essays einen wichtigen Beitrag zur Entdeckung einer noch unbekannten Region im erweiterten Europa.
Mit seinen drei Romanen Rekreacij (1992), Moskoviada (1993), Perverzija (1999), die ins Polnische und Russische übersetzt wurden, ist er unfreiwillig zum Klassiker der ukrainischen Gegenwartsliteratur geworden. 2000 erschien in Polen Mein Europa (mit Andrzej Stasiuk), Ergebnis einer gemeinsamen Reise durch den unbekannten europäischen Osten. Die deutsche Übersetzung erschien 2004.
Andruchowytsch wurde mit dem Sonderpreis des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises 2005 der Stadt Osnabrück ausgezeichnet. Der Schriftsteller vermittle mit seinen brillanten Essays einen wichtigen Beitrag zur Entdeckung einer nahezu unbekannten Region im erweiterten Europa, hieß es in der Begründung.
Der Leipziger Buchpreis zur Europäischen Völkerverständigung 2006 wurde Juri Andruchowytsch im März 2006 anlässlich der Eröffnung der Leipziger Buchmesse verliehen.

Die Rede von Juri Andruchowytsch können Sie als PDF online nachlesen:
Rede von Juri Andruchowytsch DEUTSCHE VERSION
Rede von Juri Andruchowytsch: UKRAINISCHE VERSION

Die Rede von Juri Andruchowytsch zum Nachhören:




Slavoj Zizek

Folge 13:
Slavoj Zizek - Slovenien

„Wo liegt denn Europa? Wir sind in Slowenien. Hier, sagen die Leute, ist gerade noch Europa. Gleich an der Grenze zu Kroatien beginnt der Balkan: Denn Kroatien gehörte zum ungarischen Teil der k. u. k. Doppelmonarchie. Für die Kroaten beginnt der Balkan in Serbien, an der Trennlinie zum christlich-orthodoxen Glauben. Die Serben sehen sich ihrerseits als letzte Bastion des Christentums an der Grenze zum Islam der Albaner und Bosnjaken. Aber gehen Sie nach Österreich: Wir sind Europa, heißt es dort. Jenseits der Karawanken in Slowenien herrschen slawische Horden. In Deutschland kann man hören, die Österreicher mit ihrem ererbten Vielvölkermix seien eigentlich Balkaner. Die Franzosen sehen sich dank ihrer „civilisation“ als Hochburg Europas, denn östlicher, in Deutschland, droht die Barbarei der Teutonen. Ein englischer Journalist sagte mir, im Grunde genommen sei der ganze Kontinent heute eine Art byzantinisch-balkanisches Reich mit Brüssel als dem neuen Konstantinopel. Nur noch die britische Insel verteidige die Werte Europas.“ Der fahrende Philosophie-Professor Slavoj Žižek, von dem das Zitat stammt, wird darüber sprechen, dass die Situation „katastrophal, aber nicht ernst sei“.

Die Rede von Slavoj Žižek können Sie als PDF online nachlesen: Rede von Slavoj Žižek - DEUTSCHE VERSION

Die Rede von Slavoj Žižek zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2
Teil 3

Dževad Karahasan

Folge 12:
Dzevad Karahasan, Bosnien-Herzegowina

am 24. März 2011
Moderation: Michael Fleischhacker, Chefredakteur "Die Presse"

Mit Dževad Karahasan bekommt das von Dichtern neu kartographierte Land Kakanien auch eine muslimische Dimension: Geboren im heutigen Bosnien-Herzegowina, aufgewachsen in Sarajewo und teilweise zu Hause in Graz, ist er in mehreren Kulturen beheimatet. Dieses Wechselspiel unterschiedlichster Kräfte bezeichnet er deshalb auch als den eigentlichen Motor seines Schreibens.

Der gefeierte Autor von Werken wie dem in zehn Sprachen übersetzten „Tagebuch der Aussiedlung“ und dem letzten Roman „Berichte aus der dunklen Welt“ sagte in einem Interview: „Wenn ich versuche, das Dramatische zu erklären, sage ich immer: Ich bin ich, weil du du bist. Keine Identität, vor allem keine geistige, kulturelle Identität, kann für sich alleine existieren. Um eine Identität zu entwickeln, brauche ich dich.“ Als Teilhaber an der Erzähltradition des Orients, als Schüler franziskanischer Patres und als Augenzeuge des ethnischen Krieges in seiner Heimat, hat dieses Ich augenscheinlich mehrere Dus, die es so schillernd zum Sprechen bringen. Kakanien wird um eine dramatische Provinz erweitert.

Die Rede von Dževad Karahasan können Sie als PDF online nachlesen:
Rede von Dževad Karahasan - DEUTSCHE VERSION
Rede von Dževad Karahasan - BOSNISCHE VERSION

Die Rede von Dževad Karahasan und das anschließende Gespräch mit Michael Fleischhacker zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2


Radek Knapp, Tena Štivičić

Folge 11:
Tena Štivicić, Kroatien und
Radek Knapp, Polen

am 23. Februar 2011
Moderation: Bettina Steiner, Ressorleiterin "Die Presse" Feuilleton

Neu-kakanischer Doppelschlag im Kasino: diesmal reden die zwei Autoren Tena Štivičić aus Kroatien und Radek Knapp aus Polen, die aus neuer Heimat die alte wieder nahe rücken.Neu-kakanischer Doppelschlag im Kasino: diesmal reden die zwei Autoren Tena Štivičić aus Kroatien und Radek Knapp aus Polen, die aus neuer Heimat die alte wieder nahe rücken.

„Ich habe erst angefangen, mich als Kroatin zu fühlen, als ich nach London kam“, sagt die 1977 in Kroatien geborene Tena Štivicic, die nach ihrem Studium der dramatischen Künste in Zagreb nach London ging, wo sie im Anschluss an ihren M.A am Goldsmith College als Autorin von Theaterstücken und Fernsehdrehbüchern in englischer und kroatischer Sprache zu arbeiten begann. Mitten im Londoner „melting pot“ verankert, richtet sie ihren Spürsinn auf das fehlende Verständnis und die unzureichende Empfindsamkeit der Gesellschaft gegenüber Migration und deren Folgen. Sie erhielt für ihr letztes Stück „Fragile!“ beim Heidelberger Stückemarkt 2008 den Innovationspreis und den Europäischen Theaterpreis.
Der gebürtige Warschauer Radek Knapp wiederum lebt seit 1976 in Wien. Nach dem Studium der Philosophie an der hiesigen Universität gelang ihm 1994 mit dem Erzählband „Franio“ sein Durchbruch als freier Schriftsteller. Zuletzt erschien sein Buch „Gebrauchsanweisung für Polen“. Unter dem Titel „mit Sprache unterwegs“ (2010) hat Knapp als einer von elf namhaften Autoren auf den Spuren von Joseph Roth eine literarische Reportage verfasst, in welcher er das ehemals galizische Krakau in seiner historischen Würde und Atmosphäre zum Leben erweckt.

Die Reden von Tena Štivičić und Radek Knapp können Sie als PDF online nachlesen
Rede von Tena Štivičić - DEUTSCHE VERSION
Rede von Tena Štivičić - KROATISCHE VERSION
Rede von Radek Knapp: Die Kotletten Ihrer Majestät

Die Reden von Tena Štivičić und Radek Knapp und das anschließende Gespräch mit Bettina Steiner zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2
Teil 3


Terézia Mora

Folge 10:
Terézia Mora, Ungarn

am 19. Jänner 2011
Moderation: Michael Fleischhacker, Chefredakteur "Die Presse"

Sie gehe zu keiner Veranstaltung, wo sie die Ungarin geben soll, sagt Terézia Mora. Im Interesse an der Literatur des Ostens liege immer auch ein Quäntchen positiver Rassismus: „Ich bin nicht bereit, die Piroschka zu geben, weil ich sie nicht bin.“
Geboren in Sopron, im österreichisch-ungarischen Grenzgebiet, nahm sie mit der Muttermilch das Deutsche und durch die Umgebung das Ungarische gleichermaßen auf, studierte Hungarologie, Theaterwissenschaften und Drehbuch in Berlin. Ihre literarische Karriere startete 1999 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis, mit „Seltsame Materie“ (1999), „Alle Tage“ (2004) und „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ (2009) wurde sie international bekannt. Als Übersetzerin aus dem Ungarischen ins Deutsche tat sie sich insbesondere mit Übertragungen der Werke von Péter Esterházy hervor. Ihr Auftritt bedeutet also einerseits die Fortsetzung jener Positionen, die aus dem deutschen Sprachraum, aus dem biografisch zusammengemischten Hier und Jetzt, auf das Gebiet einer ehemalig kakanischen Herkunft blicken, aber auch jener Spur, die von fast allen Autorinnen und Autoren berührt oder vertieft wird: Die Kakanien-Reihe ist natürlich auch Aufarbeitung der Geschichte des Ostblocks. Im November 2010 wurde Terézia Mora im Wien mit dem Erich Fried Preis ausgezeichnet.

Die Rede von Terézia Mora können Sie als PDF online nachlesen
Retortenbaby 25 Jahre später

Die Reden von Terézia Mora und das anschließende Gespräch mit Michael Fleischhacker zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4


Jáchym Topol

Folge 9:
Jáchym Topol, Tschechien

am 27. Oktober 2010
Moderation: Michael Fleischhacker, Chefredakteur "Die Presse"

Das neue Kakanien-Jahr, ab jetzt im Kasino, beginnt mit dem tschechischen Autor Jáchym Topol. Zuletzt hatten mit Doron Rabinovici und Josef Winkler zwei Österreicher das Wort in der Reihe von Schriftstellerreden, die narrativ das kulturelle Terrain der Donaumonarchie neu ausloten. Mit der EU-Osterweiterung rücken Länder in engere Nachbarschaft zu Österreich, die lange Zeit jenseits des Eisernen Vorhangs lagen, die aber traditionellerweise in ständigem kulturellen Dialog mit Wien standen. Welche Auswirkungen hat das neue Zusammenwachsen auf die Biographien der Menschen, auf ihre kulturellen Identitäten, Zugehörigkeiten und Bezugssysteme? Diese und andere Fragen behandeln die Autorinnen und Autoren in ihren exklusiv für die Kakanien-Reihe verfassten Reden auf literarische, autobiographische und essayistische Weise. Jáchym Topol, der in den späten 70er und 80er Jahren Mitglied der literarischen und musikalischen Untergrund-Bewegung in Prag war, schrieb Texte für die Rockband Psí vojáci und gründete 1985 das Underground-Magazin Revolver Revue. Heute gehört er zu den bedeutendsten und meistübersetzten Autoren der Tschechischen Republik. Zuletzt erschienen auf Deutsch die beiden Romane „Die Teufelswerkstatt“ und „Zirkuszone“, beide bei Suhrkamp.

Die Rede von Jáchym Topol können Sie als PDF online nachlesen
Waffen aus Tolmin - DEUTSCHE VERSION
ZBRANĚ Z TOLMINU - TSCHECHISCHE VERSION


Die Reden von Jáchym Topol und das anschließende Gespräch mit Michael Fleischhacker zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2
Teil 3




Die Redner der Saison 2009/10


Folge 8:
Josef Winkler, Österreich

am 1. Juni 2010
Moderation: Norbert Mayer, Ressortleiter Feuilleton "Die Presse"

Mit einem österreichischen Doppelschlag findet die Kakanienreihe ihren vorläufigen Abschluss vor der Sommerpause. Nach der Rede von Doron Rabinovici hat der Georg-Büchner-Preisträger Josef Winkler das letzte Wort. Ein Dichter also, der sich – anders als sein in Israel geborener Vorredner – ausgehend von bäuerlicher Herkunft und regionaler Zugehörigkeit zum Kärntner Mikrokosmos, seine literarische Welt erobert hat. Winkler legte 1979 mit dem Roman „Menschenkind“ den Grundstein zu einem Werk, das ihn zu einem der bedeutendsten österreichischen Gegenwartsautoren machte und das mit zahllosen Preisen gewürdigt wurde. Immer wieder äußert sich Josef Winkler in Essays und Reden scharf und kritisch zu Fragen der Gegenwart. Zuletzt beispielsweise mit seiner Eröffnungsrede bei den Klagenfurter Literaturtagen, die er zu einem gewaltigen Rundumschlag gegen Geldgier und moralische Verkommenheit von Mandatsträgern nutzte: „Für Wirbel zu sorgen blieb mit Josef Winkler der älteren Generation vorbehalten, der in seiner Eröffnungsrede die Missstände in seiner Heimat politisch-poetologisch geißelte, dass den Honoratioren ganz schwindelig wurde.“ (FAZ)

Die Rede von Josef Winkler können Sie als PDF online nachlesen
Die Realität so sagen, als ob sie trotzdem nicht wär

Die Reden von Josef Winkler und das anschließende Gespräch mit Norbert Mayer zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2

Doron Rabinovici

Folge 7:
Doron Rabinovici, Österreich

am 27. Mai 2010
Moderation: Michael Fleischhacker, Chefredakteur "Die Presse"

Nachdem Ungarn, Polen, Serbien, die Ukraine, die Slowakei, Kroatien und Tschechien eine Stimme im Reigen der monatlichen Reden von Schriftstellerinnen und Schriftstellern im Akademietheater hatten, wird nun endlich Österreich das Wort erteilt.
Ganz im Sinne der kakanischen Verfassung, gehört auch diese Stimme einem Autor, der weit über die Grenzen seines Landes hinausschaut, nämlich dem Schriftsteller, Essayisten und Historiker Doron Rabinovici. Er wurde 1961 in Israel geboren, sein Vater war 1944 aus Rumänien nach Palästina geflüchtet, die Mutter stammte aus Wilna und überlebte Ghetto und Vernichtungslager. 1964 übersiedelte die Familie nach Wien, wo Rabinovici seither lebt. In seinen Publikationen beschäftigt sich Rabinovici messerscharf, engagiert und beißend humorvoll mit Fragen der Identität, der Beheimatung und der Zugehörigkeit, im geographischen, nationalen und religiösen Sinn. Zu seinen wichtigsten Büchern gehören „Papirnik“, „Suche nach M.“, „Instanzen der Ohnmacht“, „Credo und Credit“ und „Ohnehin“ (alle bei Suhrkamp erschienen).

Die Rede von Doron Rabinovici können Sie als PDF online nachlesen
Es war ein Theater

Die Reden von Doron Rabinovici und das anschließende Gespräch mit Michael Fleischhacker zum Nachhören:


Dubravka Ugrešić

Folge 5:
Dubravka Ugrešić, Kroatien

am 25. März 2010
Moderation: Norbert Mayer, Ressortleiter Feuilleton "Die Presse"

Als 1991 der Krieg im ehemaligen Jugoslawien ausbrach, nahm die kroatische Schriftstellerin Dubravka Ugrešić eine dezidiert antinationalistische Haltung ein. Ihre öffentliche Kritik an der serbischen wie auch der kroatischen Seite machte sie zum Hassobjekt der nationalistisch aufgeladenen Medien, von Politikern, Schriftstellerkollegen und anonymen Bürgern. Als „Verräterin“, „Staatsfeindin“ und „Hexe“ gebrandmarkt, verließ sie ihre Heimat 1993. Im Ausland lebend publiziert sie weiterhin Romane (zuletzt: „Baba Jaga legt ein Ei“, Berlin Verlag 2008) und Essaysammlungen (zuletzt: „Keiner zu Hause“, Berlin Verlag 2007). Ihre Artikel sind regelmäßig in europäischen Zeitungen und Magazinen wie „Die Zeit“, „Neue Zürcher Zeitung“, „Die Weltwoche“ u.a. zu lesen. Ihre Bücher werden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt und wurden mit namhaften Preisen geehrt, unter anderem mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Heute lebt Dubravka Ugrešić in Amsterdam.

Die Rede von Dubravka Ugrešić können Sie als PDF online nachlesen
Der Geist der kakanischen Provinz - DEUTSCHE VERSION
Duh kakanijske provincije - KROATISCHE VERSION

Die Reden von Dubravka Ugrešić (auf Kroatisch) und das anschließende Gespräch mit Norbert Mayer (auf Englisch) zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4

Serhij Zhadan, Michael Fleischhacker, Michal Hvorecký

Folge 4:
Michal Hvorecký, Slowakei und Serhij Zhadan, Ukraine

am 15. Februar 2010
Moderation: Michael Fleischhacker, Chefredakteur "Die Presse"

Kakanien wächst um zwei Autorenentdeckungen der jüngsten Generation. Michal Hvorecký und Serhij Zhadan sind ungefähr zeitgleich mit dem Fall der Berliner Mauer in die Pubertät eingetreten, entsprechend erfahren ihre Helden die damit einsetzende soziale Transformationszeit am eigenen Leib. Ihre Romane und Prosastücke aus dem neuen Europa handeln von jungen Menschen, die im Zuge des explodierenden Turbokapitalismus ihren Körper als Callboy an Managerinnen aus dem Westen verkaufen (Hvorecký, „Eskorta“), die zwischen Liebesdurst und Pornosucht durch umgestülpte Stadtwelten taumeln (Hvorecký „City. Der unwahrscheinlichste aller Orte“), die aus dem Tschetschenienkrieg zurückkehren und den ersten Schwulenklub ihrer Stadt eröffnen oder sich an der EU-Außengrenze mit Organhandel über Wasser halten (Zhadan, „Hymne der demokratischen Jugend“). In ihren Reden gewähren die beiden von der Kritik gefeierten Nachwuchsautoren Einblick in die heterogenen Zutaten, aus denen moderne Biographien in Bratislava und Charkow sich zusammensetzen.

Die Reden von Michal Hvorecký und Serhij Zhadan können Sie als PDF online nachlesen
Rede von Michal Hvorecký - Deutsche Version - Slowakische Version
Rede von Serhij Zhadan - Deutsche Version - Ukrainische Version

Die Reden von Michal Hvorecký (auf Deutsch) und Serhij Zhadan (auf Ukrainisch) und die anschließende Diskussion mit Michael Fleischhacker (auf Detusch) zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4

Biljana Srbljanović

Folge 3:
Biljana Srbljanović, Serbien

am 26. Jänner 2010
Moderation: Michael Fleischhacker, Chefredakteur "Die Presse"

Nach Péter Nádas und Andrzej Stasiuk setzt Biljana Srbljanović als dritte Rednerin die Kakanien-Reihe fort, mit der der neu zusammenwachsende Donauraum geistig vermessen werden soll. International bekannt wurde Srbljanović durch ihr Belgrader Kriegstagebuch während des NATO-Kriegs gegen Jugoslawien, in dem sie sich als scharfe Kritikerin von Slobodan Milošević profilierte und öffentlich von ihrem Onkel Radovan Karadžićs distanzierte. Auch nach ihrem öffentlicher Streit mit Peter Handke über dessen Teilnahme am Begräbnis von Milošević trat und tritt Srbljanović immer wieder mit Texten und Theaterstücken als engagierte Kommentatorin des europäischen Zeitgeschehens auf. Heute lebt sie in Paris.

Die Rede von Biljana Srbljanović können Sie als PDF online nachlesen
DEUTSCHE VERSION
SERBISCHE VERSION

Die Rede (auf Serbisch) und die anschließende Diskussion mit Michael Fleischhacker (auf Englisch) zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2
Teil 3

Andrzej Stasiuk

Folge 2:
Andrzej Stasiuk, Polen

am 30. November 2009
Moderation: Peter Huemer

Der 1960 in Warschau geborene Schriftsteller, Kritiker und Essayist ist ein ausgewiesener Kenner der mentalen Unterschiede zwischen seinen Landsleuten und ihren westlichen Nachbarn. Er gilt in Polen als wichtigster jüngerer Gegenwartsautor und wurde mit seinem Erzählband „Die Welt hinter Dukla“ (1997) im deutschsprachigen Raum bekannt. 2002 erhielt er den von den Partnerstädten Thorn (Polen) und Göttingen gemeinsam gestifteten Samuel-Bogumil-Linde-Literaturpreis. Den literarischen Jahrespreis Nike erhielt Andrzej Stasiuk 2005 für sein Buch „Unterwegs nach Babadag“.

Die Rede von Andrzej Stasiuk können Sie als PDF online nachlesen
DEUTSCHE VERSION
POLNISCHE VERSION

Die Rede (auf Polnisch) und die anschließende Diskussion mit Peter Huemer zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4


Péter Nádas

Folge 1:
Péter Nádas, Ungarn

am 14. Oktober 2009
Moderation: Peter Huemer

Der weltberühmte ungarische Schriftsteller Péter Nádas eröffnete im Oktober die Reihe. Sein raumgreifender Blick steckt für die kakanische Gründungsveranstaltung den Horizont weit aus – zeitlich wie geographisch. Mit seinem über ein ganzes Jahrhundert gespannten Roman „Buch der Erinnerung“ wurde Nádas in den erlesenen Kreis von Epochenromanciers wie Marcel Proust oder Robert Musil aufgenommen. Es folgten unter anderem die Essaysammlung „Heimkehr“ (1999) und die Prosawerke „Der eigene Tod“ (2002) und „Spurensicherung“ (2007). Die Übersetzung seines großen 2005 in Budapest erschienenen Romans „Parallelgeschichten“ ist in Vorbereitung. Péter Nádas lebt in Gombosszeg und Budapest.

Die Rede von Péter Nádas können Sie als PDF online nachlesen
Goldene Adele - DEUTSCHE VERSION
Goldene Adele - UNGARISCHE VERSION

Die Rede zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2
Teil 3

Suche im Spielplan

  • Bundestheater-Holding
  • Burgtheater
  • Staatsoper
  • Das Ballett
  • Volksoper
  • Art for Art/Theaterservice