Kakanien - Neue Republik der Dichter
SchriftstellerInnen halten Reden im Akademietheater
Die Burg gründet einen neuen Staat auf altem Territorium. Das neue Kakanien liegt ungefähr auf dem Gebiet der ehemaligen Donau-Monarchie, aber die Staatsform ist eine andere. Die neue Republik konstituiert sich aus Dichtern, die ihr Terrain narrativ und rhetorisch ausloten. Mit Reden in monatlicher Folge entsteht und wächst so ein geistiger Raum, dessen Verfassung sich laufend fortschreibt. Thema sind die kleinen und großen Kollisionen der Kulturen und Identitäten, die sich in der alten neuen Nachbarschaft täglich ereignen.
Der Begriff Kakanien stammt aus Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ und verballhornt die beiden K´s zum Inbegriff eines maroden, kriegslüsternen und verwaltungsintensiven Untergangsstaates. Kakanien war aber auch ein geistiger Raum und soll als solcher im Zuge der EU-Osterweiterung auch wieder entdeckt und gepflegt werden. Dabei sind die Grenzen der Donaumonarchie nicht als strenges Selektionsmerkmal zu verstehen, sondern einzig als Fingerzeig Richtung Osten.
Die Reden der Autoren werden nach der Veranstaltung zum Nachhören und Nachlesen zur Verfügung gestellt.
Medienpartner: Die Presse
Folge 8:
Josef Winkler, Österreich
am 1. Juni 2010
Moderation: Norbert Mayer, Ressortleiter Feuilleton "Die Presse"
Mit einem österreichischen Doppelschlag findet die Kakanienreihe ihren vorläufigen Abschluss vor der Sommerpause. Nach der Rede von Doron Rabinovici hat der Georg-Büchner-Preisträger Josef Winkler das letzte Wort. Ein Dichter also, der sich – anders als sein in Israel geborener Vorredner – ausgehend von bäuerlicher Herkunft und regionaler Zugehörigkeit zum Kärntner Mikrokosmos, seine literarische Welt erobert hat. Winkler legte 1979 mit dem Roman „Menschenkind“ den Grundstein zu einem Werk, das ihn zu einem der bedeutendsten österreichischen Gegenwartsautoren machte und das mit zahllosen Preisen gewürdigt wurde. Immer wieder äußert sich Josef Winkler in Essays und Reden scharf und kritisch zu Fragen der Gegenwart. Zuletzt beispielsweise mit seiner Eröffnungsrede bei den Klagenfurter Literaturtagen, die er zu einem gewaltigen Rundumschlag gegen Geldgier und moralische Verkommenheit von Mandatsträgern nutzte: „Für Wirbel zu sorgen blieb mit Josef Winkler der älteren Generation vorbehalten, der in seiner Eröffnungsrede die Missstände in seiner Heimat politisch-poetologisch geißelte, dass den Honoratioren ganz schwindelig wurde.“ (FAZ)
Die Rede von Josef Winkler können Sie als PDF online nachlesen
Die Realität so sagen, als ob sie trotzdem nicht wär
Die Reden von Josef Winkler und das anschließende Gespräch mit Norbert Mayer zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2
Folge 7:
Doron Rabinovici, Österreich
am 27. Mai 2010
Moderation: Michael Fleischhacker, Chefredakteur "Die Presse"
Nachdem Ungarn, Polen, Serbien, die Ukraine, die Slowakei, Kroatien und Tschechien eine Stimme im Reigen der monatlichen Reden von Schriftstellerinnen und Schriftstellern im Akademietheater hatten, wird nun endlich Österreich das Wort erteilt.
Ganz im Sinne der kakanischen Verfassung, gehört auch diese Stimme einem Autor, der weit über die Grenzen seines Landes hinausschaut, nämlich dem Schriftsteller, Essayisten und Historiker Doron Rabinovici. Er wurde 1961 in Israel geboren, sein Vater war 1944 aus Rumänien nach Palästina geflüchtet, die Mutter stammte aus Wilna und überlebte Ghetto und Vernichtungslager. 1964 übersiedelte die Familie nach Wien, wo Rabinovici seither lebt. In seinen Publikationen beschäftigt sich Rabinovici messerscharf, engagiert und beißend humorvoll mit Fragen der Identität, der Beheimatung und der Zugehörigkeit, im geographischen, nationalen und religiösen Sinn. Zu seinen wichtigsten Büchern gehören „Papirnik“, „Suche nach M.“, „Instanzen der Ohnmacht“, „Credo und Credit“ und „Ohnehin“ (alle bei Suhrkamp erschienen).
Die Rede von Doron Rabinovici können Sie als PDF online nachlesen
Es war ein Theater
Die Reden von Doron Rabinovici und das anschließende Gespräch mit Michael Fleischhacker zum Nachhören:
Folge 5:
Dubravka Ugrešić, Kroatien
am 25. März 2010
Moderation: Norbert Mayer, Ressortleiter Feuilleton "Die Presse"
Als 1991 der Krieg im ehemaligen Jugoslawien ausbrach, nahm die kroatische Schriftstellerin Dubravka Ugrešić eine dezidiert antinationalistische Haltung ein. Ihre öffentliche Kritik an der serbischen wie auch der kroatischen Seite machte sie zum Hassobjekt der nationalistisch aufgeladenen Medien, von Politikern, Schriftstellerkollegen und anonymen Bürgern. Als „Verräterin“, „Staatsfeindin“ und „Hexe“ gebrandmarkt, verließ sie ihre Heimat 1993. Im Ausland lebend publiziert sie weiterhin Romane (zuletzt: „Baba Jaga legt ein Ei“, Berlin Verlag 2008) und Essaysammlungen (zuletzt: „Keiner zu Hause“, Berlin Verlag 2007). Ihre Artikel sind regelmäßig in europäischen Zeitungen und Magazinen wie „Die Zeit“, „Neue Zürcher Zeitung“, „Die Weltwoche“ u.a. zu lesen. Ihre Bücher werden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt und wurden mit namhaften Preisen geehrt, unter anderem mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Heute lebt Dubravka Ugrešić in Amsterdam.
Die Rede von Dubravka Ugrešić können Sie als PDF online nachlesen
Der Geist der kakanischen Provinz - DEUTSCHE VERSION
Duh kakanijske provincije - KROATISCHE VERSION
Die Reden von Dubravka Ugrešić (auf Kroatisch) und das anschließende Gespräch mit Norbert Mayer (auf Englisch) zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Folge 4:
Michal Hvorecký, Slowakei und Serhij Zhadan, Ukraine
am 15. Februar 2010
Moderation: Michael Fleischhacker, Chefredakteur "Die Presse"
Kakanien wächst um zwei Autorenentdeckungen der jüngsten Generation. Michal Hvorecký und Serhij Zhadan sind ungefähr zeitgleich mit dem Fall der Berliner Mauer in die Pubertät eingetreten, entsprechend erfahren ihre Helden die damit einsetzende soziale Transformationszeit am eigenen Leib. Ihre Romane und Prosastücke aus dem neuen Europa handeln von jungen Menschen, die im Zuge des explodierenden Turbokapitalismus ihren Körper als Callboy an Managerinnen aus dem Westen verkaufen (Hvorecký, „Eskorta“), die zwischen Liebesdurst und Pornosucht durch umgestülpte Stadtwelten taumeln (Hvorecký „City. Der unwahrscheinlichste aller Orte“), die aus dem Tschetschenienkrieg zurückkehren und den ersten Schwulenklub ihrer Stadt eröffnen oder sich an der EU-Außengrenze mit Organhandel über Wasser halten (Zhadan, „Hymne der demokratischen Jugend“). In ihren Reden gewähren die beiden von der Kritik gefeierten Nachwuchsautoren Einblick in die heterogenen Zutaten, aus denen moderne Biographien in Bratislava und Charkow sich zusammensetzen.
Die Reden von Michal Hvorecký und Serhij Zhadan können Sie als PDF online nachlesen
Rede von Michal Hvorecký - Deutsche Version - Slowakische Version
Rede von Serhij Zhadan - Deutsche Version - Ukrainische Version
Die Reden von Michal Hvorecký (auf Deutsch) und Serhij Zhadan (auf Ukrainisch) und die anschließende Diskussion mit Michael Fleischhacker (auf Detusch) zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Folge 3:
Biljana Srbljanović, Serbien
am 26. Jänner 2010
Moderation: Michael Fleischhacker, Chefredakteur "Die Presse"
Nach Péter Nádas und Andrzej Stasiuk setzt Biljana Srbljanović als dritte Rednerin die Kakanien-Reihe fort, mit der der neu zusammenwachsende Donauraum geistig vermessen werden soll. International bekannt wurde Srbljanović durch ihr Belgrader Kriegstagebuch während des NATO-Kriegs gegen Jugoslawien, in dem sie sich als scharfe Kritikerin von Slobodan Milošević profilierte und öffentlich von ihrem Onkel Radovan Karadžićs distanzierte. Auch nach ihrem öffentlicher Streit mit Peter Handke über dessen Teilnahme am Begräbnis von Milošević trat und tritt Srbljanović immer wieder mit Texten und Theaterstücken als engagierte Kommentatorin des europäischen Zeitgeschehens auf. Heute lebt sie in Paris.
Die Rede von Biljana Srbljanović können Sie als PDF online nachlesen
DEUTSCHE VERSION
SERBISCHE VERSION
Die Rede (auf Serbisch) und die anschließende Diskussion mit Michael Fleischhacker (auf Englisch) zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Folge 2:
Andrzej Stasiuk, Polen
am 30. November 2009
Moderation: Peter Huemer
Der 1960 in Warschau geborene Schriftsteller, Kritiker und Essayist ist ein ausgewiesener Kenner der mentalen Unterschiede zwischen seinen Landsleuten und ihren westlichen Nachbarn. Er gilt in Polen als wichtigster jüngerer Gegenwartsautor und wurde mit seinem Erzählband „Die Welt hinter Dukla“ (1997) im deutschsprachigen Raum bekannt. 2002 erhielt er den von den Partnerstädten Thorn (Polen) und Göttingen gemeinsam gestifteten Samuel-Bogumil-Linde-Literaturpreis. Den literarischen Jahrespreis Nike erhielt Andrzej Stasiuk 2005 für sein Buch „Unterwegs nach Babadag“.
Die Rede von Andrzej Stasiuk können Sie als PDF online nachlesen
DEUTSCHE VERSION
POLNISCHE VERSION
Die Rede (auf Polnisch) und die anschließende Diskussion mit Peter Huemer zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4
Folge 1:
Péter Nádas, Ungarn
am 14. Oktober 2009
Moderation: Peter Huemer
Der weltberühmte ungarische Schriftsteller Péter Nádas eröffnete im Oktober die Reihe. Sein raumgreifender Blick steckt für die kakanische Gründungsveranstaltung den Horizont weit aus – zeitlich wie geographisch. Mit seinem über ein ganzes Jahrhundert gespannten Roman „Buch der Erinnerung“ wurde Nádas in den erlesenen Kreis von Epochenromanciers wie Marcel Proust oder Robert Musil aufgenommen. Es folgten unter anderem die Essaysammlung „Heimkehr“ (1999) und die Prosawerke „Der eigene Tod“ (2002) und „Spurensicherung“ (2007). Die Übersetzung seines großen 2005 in Budapest erschienenen Romans „Parallelgeschichten“ ist in Vorbereitung. Péter Nádas lebt in Gombosszeg und Budapest.
Die Rede von Péter Nádas können Sie als PDF online nachlesen
Goldene Adele - DEUTSCHE VERSION
Goldene Adele - UNGARISCHE VERSION
Die Rede zum Nachhören:
Teil 1
Teil 2
Teil 3






