Alle Daten sind gleich

Über Lucie Stahl, die die Abbildungen für das BURGTHEATER-MAGAZIN #4 gestaltet hat

In den Abbildungen der vierten Ausgabe des BURGTHEATER-MAGAZIN komponiert die Berliner Künstlerin Lucie Stahl Alltagsgegenstände, Abfälle, vorgefundene Abbildungen, Flüssigkeiten unklarer Herkunft und organische Materialien auf dem Flachbettscanner zu Collagen, in denen die Spuren von Konsum, Exzess und Abhängigkeit sich zu Bildern einer zweiten, dritten, x-ten Natur zusammenfinden. Durch das optomechanische Abtasten der Sensoren entfalten die digitalen Prints eine unmittelbare Nähe. Anders als bei der herkömmlichen Fotografie, die mit Tiefenwirkung und unterschiedlichen Bildschärfen arbeitet, sind alle Details gleich: Gleich scharf, gleich nah, gleich präsent. Getränkedosen, Biomüll, gärende Substanzen, Farbschlieren und menschliche Hände, sie alle sind durch den gleichen Abstand definiert. Natur ist hier genauso wild, ungezügelt, kontrolliert und datenmäßig erfasst, wie die corpi delicti des alles umspannenden cosumerism. Alles gleich? Mitnichten. Die Hände reißen, ziehen und zerren, sie verrutschen auf dem Glibber und bilden mit Blüten, Samen und Chipstüten ein Parlament der Dinge. Lucie Stahl lebt und arbeitet in Berlin. Zuletzt wurden ihre Arbeiten in Paris, New York, Los Angeles, London und bei den Biennalen von Berlin und Lyon gezeigt. In Österreich wird sie von der Galerie Meyer Kainer in Wien vertreten. 

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