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Peter Stein

Biografie

Geboren 1937 in Berlin, studierte ab 1956 Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte in Frankfurt und München. Seine Theaterlaufbahn begann 1964 an den Münchner Kammerspielen als Fritz Kortners Assistent. Seine erste Regiearbeit war 1967 „Gerettet“ von Edward Bond. Bereits im darauf folgenden Jahr wurde Stein aufgrund des Theaterskandals, den seine Inszenierung von Peter Weiss’ „Vietnam-Diskurs“ hervorrief, fristlos entlassen. Daraufhin ging Stein nach Zürich und schließlich nach Bremen, wo er Goethes „Torquato Tasso“ mit großem Erfolg inszenierte.

1970 kehrte er zurück nach Berlin, wo er bis 1985 die Schaubühne am Halleschen Ufer leitete. Hier inszenierte er u. a. Ibsens „Peer Gynt“, Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“, Handkes „Die Unvernünftigen sterben aus“, Aischylos’ „Orestie“, die in Moskau in russischer Sprache wieder aufgenommen wurde, und Nigel Williams’ „Klassenfeind“. Ab 1985 arbeitete er freischaffend als Opern- und Theaterregisseur für internationale Festivals und Produktionen und inszenierte u. a. an der Schaubühne Berlin und bei den Salzburger Festspielen die Tschechow-Stücke „Drei Schwestern“, „Der Kirschgarten“ und „Onkel Wanja“. Von 1992 bis 1997 leitete er das Schauspiel bei den Salzburger Festspielen. Hier inszenierte er u. a. Shakespeares „Julius Caesar“ und „Antonius und Cleopatra“, Raimunds „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“, Grillparzers „Libussa“ und Alban Bergs Oper „Wozzeck“.

Für die Expo 2000 in Hannover inszenierte Peter Stein den kompletten „Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe, ungekürzt in 22 Stunden, mit Bruno Ganz, Johann Adam Oest, Robert Hunger-Bühler und Dorothee Hartinger in den Hauptrollen. Im Mai 2007 inszenierte er mit dem Berliner Ensemble eine zehnstündige Version von Friedrich Schillers „Wallenstein“ mit Klaus Maria Brandauer in der Titelrolle.
In den letzten Jahren inszenierte Peter Stein in ganz Europa, so z.B. 2005 Euripides’ „Medea“ in Syrakus und Epidaurus, 2006 David Harrowers „Blackbird“ und 2007 Shakespeares „Troilus und Cressida“ für das Edinburgh Festival in Schottland, 2008 Kleists „Der zerbrochne Krug“ am Berliner Ensemble, 2009 „I Demoni“ nach Dostojewksi auf seinem Landsitz in San Pancrazio in Italien, welches anschließend auf Welttournee ging, 2010 Sophokles’ „Ödipus auf Kolonos“ bei den Salzburger Festspielen und zuletzt 2013 Becketts „Das letzt Band“ mit Klaus Maria Brandauer in der Hauptrolle auf Schloss Neuhardenberg.

Auch als Opernregisseur war Peter Stein europaweit tätig. Zu seinen jüngsten Inszenierungen zählen 2006 Tschaikowskys „Mazeppa“, 2007 „Eugen Onegin“ und 2008 „Pique Dame“ an der Opéra National de Lyon, 2008 Dallapiccolas „Il prigioniero“ und Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“ an der Mailänder Scala und in Amsterdam sowie Bergs „Lulu“ 2009 in Lyon.

Peter Stein wurde mit einer Vielzahl an Preisen und Auszeichnungen geehrt, darunter der Deutsche Kritikerpreis 1970, der Schillerpreis der Stadt Mannheim 1978, der Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main 1988, der Theaterpreis Berlin 1989, der Erasmuspreis 1993, Fritz-Kortner-Preis der Zeitschrift Theater heute 1996 und der Zürcher Festspielpreis 2009. Die Universitäten von Edinburgh, Valenciennes, Salzburg, Rom und Jena verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. 2011 wurde er in den Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste aufgenommen. Er ist Träger des deutschen Bundesverdienstkreuzes und des Ehrenzeichens des Landes Salzburg.

2013 inszenierte er er „König Lear“ von William Shakespeare im Burgtheater.

Peter Stein©Gunnar Lüsch