Nichts ist in der Politik unmöglich.
Carl Sternheim nach Flaubert
Der Kandidat

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Der Kandidat

Carl Sternheim nach Flaubert

Russek, Banker im Ruhestand, langweilt sich. Zudem verfügt er über keinerlei Werte oder Prinzipien. Auch Visionen sind ihm völlig fremd. Warum also nicht in die Politik gehen! Die Partei ist da ganz nebensächlich, ebenso wie der Preis, den er in jeder Hinsicht für seine politischen Ambitionen zahlt – Russek, der Kandidat, ist geboren. Und seine komplett inhaltsfreie Bewegung nimmt, dem lästigen Wahlvolk und zahlreichen von unterschiedlichsten Interessen geleiteten Lobbyisten, Beratern, Spin-Doktoren und Familienmitgliedern zum Trotze, rasch Fahrt auf. Denn Russek kennt nur eine einzige Überzeugung: sich selbst.

Der Kandidat, wie andere Komödien Sternheims mitten „aus dem bürgerlichen Heldenleben“ gegriffen, erschien 1914 als Übersetzung von Gustave Flauberts Le Candidat. Doch „die Figuren sind so sehr aus dem gleichen Holz geschnitzt, das Milieu ist so sehr aus dem gleichen Plüsch geschnitten wie in den eigenen Komödien Sternheims“ (Hellmuth Karasek), dass man getrost von einem originären Werk sprechen kann. Das Stück entlarvt den politischen Betrieb als Kartenhaus aus Lügen, Leere und Manipulation. Georg Schmiedleitner, der in der Burg Karl Kraus und Johann Nestroy inszenierte, wird Sternheims scharfe, grelle und temporeiche Farce nun in einer Neubearbeitung auf die Bühne des Akademietheaters bringen.

Carl Sternheim nach Flaubert, 1878–1942, sah sich selbst als „Doktor am Leibe seiner Zeit“. Mit seinen zahlreichen Komödien nahm er vor allem das wilhelminische Bürgertum ins Visier. Der Kandidat war in Wien zuletzt 1979 im Akademietheater zu sehen.

Regie
Georg Schmiedleitner
Bühne
Volker Hintermeier
Kostüme
Su Bühler
Dramaturgie
Florian Hirsch