Wir sind die Zukunft! Die Zeit muss kommen, da wird die ganze weite, schöne Welt unser sein.
Gerhart Hauptmann
Die Ratten

Eventdetails

Die Ratten

Gerhart Hauptmann

Pauline Piperkarcka wurde sitzengelassen. Und da sie zudem auch noch schwanger ist, will das verzweifelte polnische Dienstmädchen sich ertränken. Frau John, deren Mann als Maurerpolier auswärts arbeitet, überredet sie, das Kind zur Welt zu bringen und ihr zu überlassen. Vor dem heimgekehrten Mann und auf dem Standesamt gibt sie es als ihr eigenes aus. Doch in Piperkarcka regt sich das schlechte Gewissen. Aus Angst vor den Behörden meldet sie ihr Kind an und nennt Frau John als Pflegemutter. Die Fürsorge beginnt, sich um das Kind zu kümmern. Frau Johns Mann wird misstrauisch, seine Frau gerät in Panik. Als sie auch noch erfährt, dass ihr gewalttätiger Bruder Bruno, der die Piperkarcka lediglich einschüchtern sollte, das Dienstmädchen erschlagen hat und nun von der Polizei gejagt wird, erscheint ihr die eigene Lage aussichtslos. Sie gesteht ihrem hilflos-entsetzten Mann den Betrug und stürzt sich aus dem Fenster. Davon unberührt diskutieren der verkrachte Theaterdirektor Hassenreuter und seine Schauspielschüler auf dem Dachboden desselben Gebäudes über das Verhältnis zwischen Kunst und Wirklichkeit.

In Gerhart Hauptmanns 1910 entstandenem und vielleicht bedeutendstem Stück lässt der Handel mit einem Kind zwei Frauen in einem Mietshaus – einer ehemaligen Kaserne mit zahllosen Parteien – in unerbittlichen Streit geraten, während unter dem Dach über das Theater philosophiert wird. Vor diesem Hintergrund breitet Hauptmann ein urban verdichtetes Panorama des allgemeinen moralischen, sozialen und politischen Verfalls seiner Zeit aus. Andrea Breth, die seit vielen Jahren regelmäßig in Wien arbeitet, wird im Burgtheater diese „Berliner Tragikomödie“ inszenieren.

Gerhart Hauptmann gilt als bedeutendster deutscher Vertreter des naturalistischen Dramas. 1912 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Ewald Palmetshofers Bearbeitung seines Dramas Vor Sonnenaufgang hatte im Dezember 2017 im Akademietheater Premiere.

Regie
Andrea Breth 
Bühne
Martin Zehetgruber
Kostüme
Françoise Clavel 
Dramaturgie
Klaus Missbach