Eventdetails

König Lear

William Shakespeare

Zum 70. Geburtstag Klaus Maria Brandauers inszeniert Peter Stein 2013 Shakespeares düsteres Trauerspiel, das nicht nur dessen Zeitgenossen verstörte - ein literarisches und theatrales Elementarereignis, eine Tragödie, an deren Schluss, wie Jan Kott es formulierte, "nur die blutige und leere Erde" zurückbleibt. 

Britannien, in mythischer Zeit: Der greise, eigensinnige König Lear will sich zur Ruhe setzen und das Reich an seine drei Töchter verteilen. Vorher unterzieht er Goneril, Regan und Cordelia einem Liebestest. Nach den verlogen-leidenschaftlichen Treueschwüren der beiden älteren Schwestern bleibt Cordelia – bislang die Lieblingstochter – eher zurückhaltend. Sie erklärt, den Vater so zu lieben, wie die Kindespflicht es eben verlange – diese Tochterliebe der Hingabe an einen zukünftigen Ehemann aber unterordnen zu wollen. Den cholerischen König bringt ihr Bekenntnis zur Raserei. Er verstößt Cordelia und teilt das Imperium unter Goneril und Regan auf. Ebenfalls verbannt wird Lears Berater, der Graf von Kent, nachdem er das Verhalten des Herrschers kritisiert hat. Während der König Frankreichs die nun besitzlose Cordelia heimführt, verlangt Lear von den verbliebenen Töchtern einzig die Finanzierung seines Ruhestandes sowie einhundert Ritter zum persönlichen Schutz. Goneril und Regan erscheint jedoch selbst dieser Wunsch vermessen, sie wollen den Alten nur noch loswerden. Als Lear dies begreift, verlässt er, in Begleitung seines Hofnarren und des verkleideten Kent, das Schloss und gerät in einen wild tobenden Heidesturm. König Lear sieht die Nacktheit der menschlichen Kreatur, gelangt über den Umweg des Wahnsinns zur Selbsterkenntnis.

Medien und mehr

König Lear-Trailer

Pressestimmen

  • Brandauer [...] spielt den Wahnsinn nicht großspurig aus, sondern wird ganz leise, kindlich-heiter, friedlich irgendwie. Sein Niedergang ist eine Menschwerdung, ganz leise, vielleicht auch weise. Am Ende sitzt er da, wie ein Guru, ganz in Weiß, die tote Cordelia in seinem Schoß, sich in ihr Gesicht vertiefend, entrückt. „Seht ihr dies?“, murmelt er immer ...

    SZ

    Mehr erfahren

  • Stein hat hier seine Art strengen, ernsthaften Theaters perfektioniert.

    Die Presse
  • Der Lear, den Brandauer spielt, ist ein einsamer Pilger, in dem auf seiner Reise ohne Wiederkehr langsam die Menschlichkeit erwacht. [...] In immer neuen, feinen Nuancen nimmt Brandauer Zug um Zug alles Kraftlackelige aus diesem geerdeten und stampfenden Charakter, sein Spiel wird, immer leiser und leichtfüßiger.

    Die Zeit
  • Stein entwickelt die Inszenierung ganz aus den Figuren heraus, lauscht mit beharrlichem Interesse in den Text hinein.

    Die Furche
  • … wie Klaus Maria Brandauer diesen selbstherrlichen, zürnenden Patriarchen auf sich selbst zurückfallen und zum greisen, friedlich brabbelnden Kind werden lässt, innerlich leuchtend und schließlich sanft verlöschend, ist – menschlich wie theatralisch – der Gewinn.

    SZ
  • Es braucht einen souveränen Regisseur, um dieses komplexe Stück mit seiner rauen und uneinheitlichen Sprache, mit seinen Tier- und Kleidersymbolen, den ständigen Anspielungen auf Blindheit, Erkennen und zu späte Einsicht in solcher Nüchternheit ohne Peinlichkeit zu präsentieren. Einen wie Stein.

    Die Presse