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Kampf des Negers und der Hunde

Bernard-Marie Koltès

Aus dem Französischen von Simon Werle

Eine Leiche soll angemessen beweint und bestattet werden. Der Tote in einer Siedlung in Westafrika ist Albourys Bruder. Doch die Leiche ist nicht zu finden, die Mutter des Toten wird keine Zweige über ihn legen können, wie es der Ritus vorschreibt. Zu Tode gekommen ist Albourys Bruder auf der Straßenbaustelle einer französischen Firma – ein Ort, der einem Fort gleicht. Ein „weißer“ Ort in einem „schwarzen“ Land, den Schwarze nur als Hilfsarbeiter betreten dürfen. Der Baustellenleiter Horn versucht, den Unfall, dem der schwarze Arbeiter erlegen zu sein scheint, zu vertuschen. War es wirklich ein Unfall? Cal, ein Ingenieur, der schon in zahllosen Entwicklungsländern zu viele sinnlose Projekte betreut hat, will und kann keine Schuld auf sich nehmen. Er flüchtet sich in Zynismen und Alkohol, fürchtet um seinen Hund, den die afrikanischen „Hundefresser“ gefangen und umgebracht haben. Oder hetzte er selbst den Hund auf die Afrikaner?

Europa und Afrika, weiß und schwarz, Mann und Frau, Kolonialist und Kolonialisierte – Koltès’ vierzig Jahre altes Stück zeichnet eine Welt von Gegensätzen, deren Bedeutung bis heute festgeschrieben scheint. Gleichzeitig enthüllt es ihre unausweichliche Konsequenz: Einsamkeit. Was besagen Begriffe wie Fortschritt und Aufklärung? Was Unterdrückung und Bedrohung? Und: Wovor haben wir eigentlich Angst?


In der deutschen Übersetzung des Stücktitels Combat de nègre et de chiens steht das Wort „Neger“, das im heutigen Sprachgebrauch wegen seiner diskriminierenden und beleidigenden Funktion gemieden wird. In diesem Kontext haben wir uns entschlossen, dieses Wort grafisch abzusetzen, um uns davon zu distanzieren, es aber dennoch auszuschreiben. In diesem Wort kommt zum Ausdruck, dass es in Koltès’ Stück weniger um Hautfarben und mehr um Unterdrückung und Ausbeutung geht. Diese Machtstrukturen, die hinter dem Wort stehen und die bis heute fortbestehen, werden im Stück offengelegt und dekonstruiert. Mit dem Gebrauch dieses Wortes im künstlerischen Kontext soll der Schandfleck der europäischen kolonialen Vergangenheit und seiner postkolonialen Gegenwart verhandelt werden, anstatt ihn mit einer Titeländerung zu verdecken.


Zeitplan

Dauer:
ca. 90 Min. Keine Pause
Beginn
Ende

Die nächsten Termine

Dezember

Jänner

  • Spielstätte und Datum:
    AKADEMIE
    Verkauf ab 20.12.2018, 08:00 Uhr

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Besetzung und Team

Besetzung

am

Regie Team

  • Regie
  • Bühnenbild
    Evi Bauer
  • Kostüme
    Jelena Miletić
  • Licht
    Herbert Markl
  • Musik
    Nevena Glušica
  • Dramaturgie
    Eva-Maria Voigtländer

Medien und mehr

Kampf des Negers und der Hunde - Trailer

Pressestimmen

  • „Kampf des Negers und der Hunde" ist voller Rätsel. Auch Miloš Lolić vermag sie nicht zu lösen. Mit seiner wuchtigen, auf 90 Minuten verdichteten Inszenierung liefert er aber raffinierte Ansätze.

    Kurier
  • Keiner kann aus seiner Haut heraus, wie Kostümbildnerin Jelena Miletic mit ihren schweißtreibenden Plastikhäuten vor Augen führt - eine von vielen sinnfälligen Metaphern.

    Kurier
  • Das Fremde hat Lolić aus dem Afrika-Korsett gelöst: Seine Bühne ist ein leerer Ort in einer unbenannten Zeit.

    NZZ
  • Für die Hölle braucht es keine ausgestaltete Szenerie: Evi Bauer setzt die Schauspieler der weiten, schmucklosen Bühne aus, auf der sich für einige Zeit ein Graben auftun wird.

    Kurier
  • Ein stilles, eindringliches Kammerspiel.

    NZZ
  • Miloš Lolić inszenierte mit starken Bildern und Metaphern.

    Kurier
  • Miloš Lolić findet vieldeutige Bilder, er eröffnet Assoziationen und problematisiert die Frage nach der Bedeutung von Hautfarbe.

    Salzburger Nachrichten
  • Ein exzellentes Quartett von Darstellern.

    Die Presse