Eventdetails

Kartonage

Yade Yasemin Önder

Zurückkommen heißt, sich erinnern: Nach sechzehn Jahren kehrt Rosalie ins Heim ihrer Eltern zurück. Genauer gesagt: in den Karton. Das Ehepaar Werner lebt seit langem komplett in „Eiche depressiv“ und ergeht sich, hermetisch abgeriegelt von der viel zu schnellen, viel zu bedrohlichen Außenwelt, in seinen täglichen Routinen. Denn: „Im Zweifel ist man stets dagegen.“ Man streitet und schlägt sich, saugt Staub und kocht bittersüße Marillenmarmelade in Bunkermengen. Die Werners faulen vor sich hin – und geben der totgeglaubten Tochter Rosalie die Schuld an ihrem Unglück. Als diese nach ihrem gescheiterten Ausbruchsversuch nun buchstäblich in die Familienhölle zurückfällt, verschwimmen Gegenwart und Vergangenheit, Geheimnisse werden gelüftet. Ans Licht kommt die Geschichte einer fast magisch anmutenden Freundschaft oder: Liebe. Und eine menschliche Tragödie.

In ihrem raffiniert gebauten Debütstück lässt Yade Yasemine Önder finsterste Abgründe auf grelle Komik treffen. „Die kondensierte, oft zu Formeln erstarrte Sprache der Alten zieht einen sofort in ihre Welt“, heißt es in der Begründung der Jury der Autorentheatertage, die Kartonage als eines von drei Gewinnerstücken auswählte. Es ist eine erkaltete Welt, in der die Verbindungen nicht mehr zu stimmen scheinen und man die Fragmente erst mühsam zusammensetzen muss – um wieder leben zu können.

Der österreichische Regisseur Franz-Xaver Mayr hat die Uraufführung im Kasino inszeniert. Geboren in St. Johann im Pongau studierte er angewandte Theaterwissenschaften in Gießen und Theaterregie an der Zürcher Hochschule der Künste. Seine Arbeiten führten ihn u.a. ans Schauspielhaus Wien, Theater Basel und das Schauspielhaus Graz.

Zeitplan

Dauer:
ca. 75 Min. Keine Pause
Beginn
Ende

Die nächsten Termine

Dezember 2017

  • Spielstätte und Datum:
    KASINO

Jänner

Weitere Termine folgen…

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Besetzung und Team

Besetzung

am

Regie Team

  • Regie
  • Bühne
    Michela Flück
  • Kostüme
    Korbinian Schmidt
  • Licht
    Norbert Gottwald
  • Musik
    Levent Pinarci
  • Video
    Sophie Lux
  • Dramaturgie
    Florian Hirsch

Medien und mehr

Pressestimmen

  • Franz Xaver Mayr [...] hat inszeniert und balanciert die Geschichte geschickt zwischen Tragödie und Komödie. Trotz der abgründigen Kunstfiguren, die in ihrem Leben und daher auch in ihren Sprachhülsen feststecken, werden sich wohl viele an diesem Abend wiederfinden.

    Die Presse
  • Morzé und Birkhahn sind ein delikat grausames Gespann. Werner schläft grunzend im Stehen ein, Schritte muss er tattrigen Beinen abringen. Aber sie folgen brav dem Klopfen von Hildes Fingern auf den Küchentisch. Sie dirigiert ihn auch mit Ohrfeigen. Ihr falsches Lachen flackert mit gelbblondem Haar (Kostüme: Korbinian Schmidt) um die Wette.

    Der Standard
  • Ein abgründiger Spaß und eine köstlich komische Katastrophe.

    FAZ zur Uraufführung in Berlin, Juni 2017

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  • Grell, laut und lustvoll inszeniert Mayr. Prächtig zelebriert das Darstellertrio seine grotesken, exzentrischen Kleinigkeiten.

    Der Standard
  • Dass es nicht viel hilft, unangenehme Dinge und bohrende Ängste einfach zu verdrängen, zeigt Yade Yasemin Önder in „Kartonage“. Mit bösem Witz und ironischer Gemeinheit breitet die 1985 in Wiesbaden geborene Autorin eine Familienhölle aus, die in der Inszenierung von Franz-Xaver Mayr für das Wiener Burgtheater erst recht schwefelt, muffelt, niederschmette...

    FAZ zur Uraufführung in Berlin, Juni 2017

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  • Bei „Kartonage“ gehen Text und Inszenierung perfekt zusammen. Önder erzählt lückenhaft, aber plastisch eine sehr böse und auf extrem düstere Weise witzige Familiengeschichte. Franz-Xaver Mayr hat sie für das Wiener Burgtheater angemessen grotesk und zunehmend derb inszeniert – und Michaela Flück hat dafür eine schön scheußliche Spießerhölle gebaut: Das Pa...

    RBB online - zur Uraufführung in Berlin, Juni 2017

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  • Zwischen Staubsauger, Esstisch, Eckbank und Küchenzeile spielt sich das Alltags-Leben zweier Zombies ab, das von Bernd Birkhahn und Petra Morzé mit Todesverachtung und viel Liebe zum absurden Detail exekutiert wird.

    APA