Eventdetails

Lass dich heimgeigen, Vater oder Den Tod ins Herz mir schreibe

Josef Winkler

Ein Auftragswerk des Burgtheaters

LIEBER VATER! BÖSER VATER! Warum hast du geschwiegen, warum hast du es wohl verschwiegen, denn du musst, wie all die anderen Dorf- leute, wenn du uns deine Kriegserlebnisse und Kriegsabenteuer erzählt hast, vor allem zu Allerheiligen und Allerseelen, zu Ostern oder im Frühherbst beim gemeinsamen Türkenfiedern im Stall, vor dem Almabtrieb oder wenn wir auf den Feldern gearbeitet haben, auf dem Spitzanger, dem Kirchfeld, auch auf den sogenannten SAUTRATTEN – du musst es gewusst haben, gib’s zu, mein Vater –, dass im Kärntner Drautal, in dem wir aufgewachsen sind, kaum einen Kilometer von unserem kreuzförmig gebauten Heimatdorf Kamering entfernt, auf den SAUTRATTEN, einem Gemeinschaftsfeld von mehreren Bauern, wo wir als Kinder gearbeitet haben, der aus Kärnten stammende Judenmassenmörder Odilo Globocnik verscharrt worden ist!“

Mit einer Anklage hebt das neue Stück an, das der Büchner-Preisträger Josef Winkler im Auftrag des Burgtheaters geschrieben hat. Die Sautratten, Nährboden und Ort der Kindheit, zugleich unwirtliches, unheimliches, sprachloses Epizentrum, erzwingen einen erbitterten Kraftakt schmerzvollen und erschöpfenden Erinnerns und Erzählens wider das Vergessen und Verstummen. Die Tragödie einer Familie wird ausgegraben und freigelegt, aber auch die schuldbeladene Geschichte eines Landes. Hier ist die Zeit ausgelöscht, wird Vergangenes gegenwärtig, greift das „ins Riesenhafte gewachsene“ Skelett des Naziverbrechers, das sich unter den Sautratten und weit darüber hinaus erstreckt, nach den Lebenden.

Alia Luque wurde 1978 in Barcelona geboren. Ihre Inszenierung von Miroslava Svolikovas die hockenden im Vestibül des Burgtheaters wurde zu den Autorentheatertagen 2017 in Berlin eingeladen.

Zeitplan

Dauer:
ca. 120 Min. Keine Pause
Beginn
Ende

Die nächsten Termine

Jänner 2018

  • Spielstätte und Datum:
    KASINO

Mai

Alle Termine

Besetzung und Team

Besetzung

am

Regie Team

  • Regie
  • Bühne
    Christoph Rufer
  • Kostüme
    Ellen Hofmann
  • Licht
    Norbert Gottwald
  • Dramaturgie
    Hans Mrak

Pressestimmen

  • Diese Sehnsucht nach der Welt da draußen zeigt sich am deutlichsten in der von Marcus Kiepe eindrucksvoll gezeichneten Frauenfigur.

    Kleine Zeitung
  • Tobias Wolfsegger bezaubert als Bub, Branko Samarovski ist mit seiner Gabe für gefährliche Bodenständigkeit der richtigste Typ für Winkler. Und doch bringt dieser unbewegte Zwinkerer etwas Nachdenkliches, Hilfloses ins fatale Panorama: [...] Leo Haller deklamiert cool den Heranwachsenden. Tino Hillebrand bringt die Zuschauer zum Lachen, selbst wenn es gar...

    Die Presse

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  • […] der Text, den das Wiener Burgtheater jetzt in seinem Casino uraufgeführt hat, reiht sich nahtlos in Winklers Lebensprojekt ein. Ein Theaterstück ist „Lass dich heimgeigen, Vater oder Den Tod ins Herz mir schreibe" eigentlich nicht. Der in Ich-Form verfasste Text, ein langer Brief an den Vater, ist vielmehr Fortschreibung und Zusammenfassung seines aut...

    Süddeutsche Zeitung

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  • Ein starker poetischer Text, der schon für sich allein Kraft und Rhythmus hat und geradezu eine Sogwirkung entfaltet.

    Kurier
  • Bittersüße Chansons von Mireille Mathieu oder Françoise Hardy begleiten diesen konzentrierten, unsentimental ergreifenden Abend im Kasino.

    Süddeutsche Zeitung

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  • Winklers Suada dreht sich im Kreis, bis einem ganz schwindelig wird: Brutalität in düsteren Kammern und Küchen, Sprachlosigkeit und Verstummen, das Unvermögen, Gefühle zu zeigen, und das Beharren auf Fehlern, aus denen niemand klug wurde – man lebt hier nicht nur mit, sondern wie die Toten, starr und tatenlos.

    NZZ
  • Die Spielstätte im Kasino war ursprünglich ein Ballsaal, und als solcher wird er in Alia Luques sehr feiner Inszenierung auch bespielt. […] Tänzelnd und auf exakt choreografierten Wegen durchmessen fünf Schauspieler den weiten Raum; sie verkörpern verschiedene Facetten des Autors: den müden Alten (Branko Samarovski), die erloschene Drag Queen (Marcus Kiep...

    Süddeutsche Zeitung

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  • Die katalanische Regisseurin Alia Luque hat Winklers Monolog rigoros gekürzt und auf fünf Personen verteilt, die sich einer strengen Choreografie folgend schreitend und tänzelnd durch die komplexen Textmassen arbeiten. So fern dieses Dorf auch sein mag, Luque rückt es uns ganz nahe.

    Kleine Zeitung
  • Das Stück ist eine farbenstarke und erschütternde Anklage und Klage.

    Die Presse
  • Eine zweistündige, poetische Anklage an den Vater [...]. Die Anklage entwickelt einen Sog, dem man sich schwer entziehen kann.

    Falter