wer soll denn das klima bezahlen
Thomas Köck
paradies fluten

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paradies fluten

Thomas Köck

ÖSTERREICHISCHE ERSTAUFFÜHRUNG
verirrte sinfonie | teil eins der klimatrilogie

Eine der Empfehlungen des Autors, wie man sich seinem Stück nähern könnte, lautet: „Regieanweisungen sind wie Kriegsgeräusche zu lesen.“ Krieg herrscht in dieser Sinfonie-Kakophonie: Krieg der Systeme, der Kulturen, Krieg der Generationen und Geschlechter, vor allem Krieg gegen die Natur, das Humane. Zur Zeit des Kautschukbooms des 19. Jahrhunderts, dem indigene Völker, Wälder, Flüsse zum Opfer fielen, beginnt die theatralische Erzählung. Ausbeutung und Unterwerfung sind die Errungenschaften, die die westliche Zivilisation dem südamerikanischen Kontinent schenkt. Simon Baumann, Architekt und lupenreiner Idealist, will den Indianern Hochkultur als Ausgleich nahebringen und plant ein Opernhaus im brasilianischen Dschungel – Kunst versus Kapital. Die erschöpften, gefolterten Eingeborenen, die ums Überleben kämpfen, erweisen sich als „Kulturbanausen“, Caruso wird nur für die Gummibarone singen.

Gespiegelt wird das koloniale Desaster in Familienszenen der westeuropäischen Mittelschicht in den 90er Jahren: Vater KFZ-Werkstattbesitzer und Gummi Reifenhändler, Tochter Tänzerin in prekären Arbeitsverhältnissen. Der Neoliberalismus tritt an die Stelle kolonialer Ausbeutung – der Mensch in der Finanzkrise beutet nunmehr sich selbst aus. Einen Ausweg gibt es nicht: Als der Vater in den Irrungen einer Demenz versinkt, ergreift die Tochter die Gelegenheit, ihr Elternhaus zu verkaufen – um durch das gewonnene Kapital ein Stück Freiheit zu erringen.

Thomas Köck, einer der sprachmächtigsten jungen österreichischen Dramatiker, zeigt im ersten Teil seiner Klimatrilogie in verstörenden Bildern den Wahnsinn des Raubbaus des Menschen an der Natur und an sich selbst. Inszenieren wird Robert Borgmann, dessen Arbeit die unverheiratete 2016 zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde.

THOMAS KÖCK 1986 in Steyr geboren, gewann u.a. den Osnabrücker Dramatikerpreis 2014, Else Lasker-Schüler-Dramatikerpreis 2015. Mit paradies fluten folgte die Einladung zum Heidelberger Stückemarkt 2015 und 2016 erhielt er den Kleist-Förderpreis.

Regie
Robert Borgmann
Bühne und  Kostüme
Thea Hoffmann-Axthelm
Dramaturgie
Eva-Maria Voigtländer