Eventdetails

paradies fluten

Thomas Köck

verirrte sinfonie - 
teil eins der klimatrilogie

Eine der Empfehlungen des Autors, wie man sich seinem Stück nähern könnte, lautet: „Regieanweisungen sind wie Kriegsgeräusche zu lesen.“ Krieg herrscht in dieser Sinfonie-Kakophonie: Krieg der Systeme, der Kulturen, Krieg der Generationen und Geschlechter, vor allem Krieg gegen die Natur, das Humane. Zur Zeit des Kautschukbooms des 19. Jahrhunderts, dem indigene Völker, Wälder, Flüsse zum Opfer fielen, beginnt die theatralische Erzählung. Ausbeutung und Unterwerfung sind die Errungenschaften, die die westliche Zivilisation dem südamerikanischen Kontinent schenkt. Simon Baumann, Architekt und lupenreiner Idealist, will den Indianern Hochkultur als Ausgleich nahebringen und plant ein Opernhaus im brasilianischen Dschungel – Kunst versus Kapital. Die erschöpften, gefolterten Eingeborenen, die ums Überleben kämpfen, erweisen sich als „Kulturbanausen“, Caruso wird nur für die Gummibarone singen.

Gespiegelt wird das koloniale Desaster in Familienszenen der westeuropäischen Mittelschicht in den 90er Jahren: Vater KFZ-Werkstattbesitzer und Gummi Reifenhändler, Tochter Tänzerin in prekären Arbeitsverhältnissen. Der Neoliberalismus tritt an die Stelle kolonialer Ausbeutung – der Mensch in der Finanzkrise beutet nunmehr sich selbst aus. Einen Ausweg gibt es nicht: Als der Vater in den Irrungen einer Demenz versinkt, ergreift die Tochter die Gelegenheit, ihr Elternhaus zu verkaufen – um durch das gewonnene Kapital ein Stück Freiheit zu erringen.

Der Neoliberalismus tritt an die Stelle kolonialer Ausbeutung – der Mensch in der Finanzkrise beutet nunmehr sich selbst aus. „Unser“ Paradies wird überflutet von Material, Menschen, Menschenmaterial: Open-Source-Erinnerungen, Ertrunkene – ein großes Tohuwabohu der kommenden Gemeinschaft.

Zeitplan

Dauer:
ca. 180 Min. 1 Pause
Beginn
Ende

Die nächsten Termine

September 2017

  • Spielstätte und Datum:
    AKADEMIE

November

Dezember

Weitere Termine folgen…

Alle Termine

Besetzung und Team

Besetzung

am

Regie Team

  • Regie
  • Bühne und Kostüme
    Thea Hoffmann-Axthelm
  • Musik
    Philipp Weber
  • Video
    Lianne van de Laar
  • Licht
    Michael Hofer
  • Dramaturgie
    Eva-Maria Voigtländer

Medien und mehr

paradies fluten-Trailer

Pressestimmen

  • Köcks Arbeiten durchmessen das Weltgeschehen.

    Wiener Zeitung
  • Thomas Köcks „paradies fluten“ ist eine Bühnenherausforderung, die am Akademietheater beeindruckend bewältigt wird. [...] Es ist der Auftakt seiner Klimatrilogie, in einer bildmächtigen und mitunter überfordernden Regie von Robert Borgmann, der ein ganz exzeptionelles Ensemble zur Verfügung hatte.

    Kleine Zeitung
  • Regisseur Robert Borgmann gelingt ein Endzeit-Happening mit starken Bildern von Chaos, Gewalt, Erstarrung und Untergang, gegliedert durch gut gearbeitete dialogische Passagen. Die Besetzung mit Elisabeth Orth, Katharina Lorenz, Sylvie Rohrer, Philipp Hauß und Aenne Schwarz ist fulminant.

    Kronenzeitung
  • Ein Wortstrom treibt ungebremst vorüber, unter Blitzezucken und Wasserflimmern. Erinnerungen an die Menschheit werden angespült, und es gereicht diesem unfassbar altklugen Abend zur Ehre, dass erfahrene Deklamatorinnen wie Elisabeth Orth die Wortmassen zu bändigen verstehen.

    Der Standard
  • Thomas Köcks Drama „paradies fluten“ stimmt uns Mitteleuropäer mit großem Nachdruck auf die Zukunft ein.

    Der Standard
  • Inhaltlich haben wir es also mit dem sympathisch größenwahnsinnigen Versuch zu tun, Privates und Politisches, Kolonialismus, Globalisierung und den Klimawandel in ein Stück zu packen, Köck ist nicht der erste Jungdramatiker, der sich an dieser Thematik abarbeitet, aber die große Geste, mit der er es angeht, ist schon eine steile Vorlage.

    Süddeutsche Zeitung
  • Der junge österreichische Dramatiker (Jahrgang 1986), der in den letzten Jahren etliche Auszeichnungen eingeheimst hat, legt ein zutiefst geschichtspessimistisches Werk vor, das einerseits an Heiner Müller und Elfriede Jelinek erinnert, andererseits auch Komik à la Wolfram Lotz’ „Die lächerliche Finsternis“ versprüht.

    Kleine Zeitung
  • Als hätte Hermann Nitsch bei „paradies fluten“ Regie geführt: Das Ensemble balgt sich im Theaterblut, bis es ermattet.

    Kurier